wiederkam , wollte er sie hineinheben . › Nein ‹ , sagte sie , › ich kann ganz allein . ‹ Dann stellte sie sich auf das Schaukelbrett und rief : › Nur zu ! ‹ – Und nun zog dein Großvater , daß ihm der Haarbeutel bald rechts , bald links um die Schultern tanzte ; die Schaukel mit dem kleinen Mädchen ging im Sonnenschein auf und nieder , die klaren Locken wehten ihr frei von den Schläfen . Und immer ging es ihr nicht hoch genug . Als aber die Schaukel rauschend in die Lindenzweige flog , fuhren die Vögel zu beiden Seiten aus den Spalieren , daß die überreifen Aprikosen auf die Erde herabrollten . › Was war das ? ‹ sagte er und hielt die Schaukel an . Sie lachte , wie er so fragen könne . › Das war der Iritsch ‹ , sagte sie , › er ist sonst gar nicht so bange . ‹ Er hob sie aus der Schaukel , und sie gingen zu den Spalieren ; da lagen die dunkelgelben Früchte zwischen dem Gesträuch . › Dein Iritsch hat dich traktiert ! ‹ sagte er . Sie schüttelte mit dem Kopf und legte eine schöne Aprikose in seine Hand . › Dich ! ‹ sagte sie leise . Nun kam dein Urgroßvater wieder in den Garten zurück . › Nehm Er sich in acht ‹ , sagte er lächelnd . › Er wird sie sonst nicht wieder los . ‹ Dann sprach er von Geschäftssachen , und beide gingen ins Haus . Am Abend durfte die kleine Barbara mit zu Tisch sitzen ; der junge freundliche Mann hatte für sie gebeten . – So ganz , wie sie es gewünscht hatte , kam es freilich nicht ; denn der Gast saß oben an ihres Vaters Seite ; sie aber war nur noch ein kleines Mädchen , und mußte ganz unten bei dem allerjüngsten Schreiber sitzen . Darum war sie auch so bald mit dem Essen fertig ; dann stand sie auf und schlich sich an den Stuhl ihres Vaters . Der aber sprach mit dem jungen Mann so eifrig über Konto und Diskonto , daß dieser für die kleine Barbara gar keine Augen hatte . – Ja , ja , es ist achtzig Jahre her ; aber die alte Großmutter denkt es noch wohl , wie die kleine Barbara damals recht sehr ungeduldig wurde und auf ihren guten Vater gar nicht zum besten zu sprechen war . Die Uhr schlug zehn , und nun mußte sie gute Nacht sagen . Als sie zu deinem Großvater kam , fragte er sie : › Schaukeln wir morgen ? ‹ , und die kleine Barbara wurde wieder ganz vergnügt . – › Er ist ja ein alter Kindernarr , Er ! ‹ sagte der Urgroßvater ; aber eigentlich war er selbst recht unvernünftig in sein kleines Mädchen verliebt . Am andern Tage gegen Abend reiste dein Großvater fort . Dann gingen acht Jahre hin . Die kleine Barbara stand oft zur Winterzeit an der Glastür und hauchte die gefrornen Scheiben an ; dann sah sie durch das Guckloch in den beschneiten Garten hinab und dachte an den schönen Sommer , an die glänzenden Blätter und an den warmen Sonnenschein , an den Iritsch , der immer in den Spalieren nistete , und wie einmal die reifen Aprikosen zur Erde gerollt waren , und dann dachte sie an einen Sommertag und zuletzt immer nur an diesen einen Sommertag , wenn sie an den Sommer dachte . – So gingen die Jahre hin ; die kleine Barbara war nun doppelt so alt und eigentlich gar nicht mehr die kleine Barbara ; aber der eine Sommertag stand noch immer als ein heller Punkt in ihrer Erinnerung . – Dann war er endlich eines Tages wirklich wieder da . « » Wer ? « fragte lächelnd der Enkel , » der Sommertag ? « » Ja « , sagte die Großmutter , » ja , dein Großvater . Es war ein rechter Sommertag . « » Und dann ? « fragte er wieder . » Dann « , sagte die Großmutter , » gab es ein Brautpaar , und die kleine Barbara wurde deine Großmutter , wie sie hier unter euch sitzt und die alten Geschichten erzählt . – Soweit war ' s aber noch nicht . Erst gab es eine Hochzeit , und dazu ließ dein Urgroßvater den Saal bauen . Mit dem Garten und den Blumen war ' s nun wohl vorbei ; es hatte aber nicht Not , er bekam bald lebendige Blumen zur Unterhaltung in seinen Mittagsstunden . Als der Saal fertig war , wurde die Hochzeit gehalten . Es war eine lustige Hochzeit , und die Gäste sprachen noch lange nachher davon . – Ihr , die ihr hier sitzt und die ihr jetzt allenthalben dabei sein müßt , ihr waret freilich nicht dabei ; aber eure Väter und Großväter , eure Mütter und Großmütter , und das waren auch Leute , die ein Wort mitzusprechen wußten . Es war damals freilich noch eine stille , bescheidene Zeit ; wir wollten noch nicht alles besser wissen , als die Majestäten und ihre Minister ; und wer seine Nase in die Politik steckte , den hießen wir einen Kannegießer , und war ' s ein Schuster , so ließ man die Stiefeln bei seinem Nachbar machen . Die Dienstmädchen hießen noch alle Trine und Stine , und jeder trug den Rock nach seinem Stande . Jetzt tragt ihr sogar Schnurrbärte wie Junker und Kavaliere . Was wollt ihr denn ? Wollt ihr alle mitregieren ? « » Ja , Großmutter « , sagte der Enkel . » Und der Adel und die hohen Herrschaften , die doch dazu geboren sind , was soll aus denen werden ? « » Oh – – Adel – – « sagte die junge Mutter , und sah mit stolzen liebevollen Augen zu ihrem Mann hinauf . Der lächelte