in ' n Himmel kam ! Und sooft auch die Magd ihn am Sonnabend mit der Seifenbürste wegwusch , er malte ihn am Sonntag immer geduldig wieder hin . Uns Kindern , wenn wir abends in der Brauerei am großen Steinbottich bei ihm saßen , wußte er Geschichten zu erzählen , daß wir zuletzt vor Gruseln ihm alle auf den Schoß gekrochen waren , und wie das heutzutage kein Mensch mehr so versteht . Das war nun gut ; aber warum er solche Geschichten so erzählen konnte , das war nun nicht so gut ! Er glaubte nämlich selber an all das dumme Zeug , womit er uns traktierte . Am Paaschabend , wenn er sein Dutzend Ostereier ausgelöffelt hatte , schlug er sorgsam alle Schalen entzwei ; sonst , sagte er , könnten die Hexen darin nisten ; beim Bierbrauen legte er allemal ein Kreuz von Holz über den Gärkübel , so konnte keiner den Gest ( Hefe ) rauben , und das Bier konnte nicht verrufen werden . Meiner Mutter , die uns auch oft beim Geschichtenerzählen auseinanderjagte , war all so etwas in den Tod zuwider ; sie schalt ihn oft darüber und auch auf meinen Vater , daß er solche Narrenspossen unter seinem Dache leide . Aber unser Vater war eben , wie wir auf plattdeutsch sagen , ein › liedsamer ‹ , ein gelassener Mann ; er strich schmunzelnd seiner kleinen lebhaften Frau mit der Hand übers Gesicht und sagte : › Mutter , laß mir den alten Lorenz ; so einen Brauknecht gibt es keinen zweiten ; er meint ' s gut , und es schadet keinem . ‹ Damit war meine kleine Mutter allemal fertig , zumal wenn sie noch einen Kuß dazubekam ; aber recht hatte er darum doch nicht ; denn dumm ist dumm , und es sollte niemand sagen , daß die Dummheit keinen Schaden tue . Als es nun so weit war , daß tags darauf der Mörder Peter Liekdoorn sich durch Hingabe seines irdischen Leibes mit seinem Gott versöhnen sollte , hatte unser Lorenz es sich von dem Bürgermeister und seinem Brotherrn ausgebeten , daß er dem armen Sünder in seiner letzten Nacht Gesellschaft leisten durfte ; denn sie waren Nachbarskinder gewesen , und in der Schule hatte Lorenz ihm oft die eine Hälfte von seinem Butterbrot gegeben , und Peter Liekdoorn hatte sich dann die andre noch dazugestohlen . Aber als nun der gute Lorenz mit ihm beten und seiner armen Seele beistehen wollte , trieb der schändliche Bösewicht nur Possen und Eulenspiegeleien . Herr Amtsrichter « – fuhr die Erzählerin fort , sich voll nachträglicher Entrüstung zu mir wendend – , » man mag es ja kaum erzählen ! › Juckst du noch ? ‹ hatte er zu seinem Kopf gesagt , indem er sich in seinen dünnen Haaren kratzte . › Und morgen sollst du schon herunter ! ‹ Der alte Lorenz hat das nie vergessen können . Der Richtplatz auf dem Galgenberg war so nahe bei der Stadt , daß man von unserem obersten Brauhausboden alles deutlich hätte mit ansehen können ; aber während die halbe Stadt hinausgezogen war , steckte ich in dem dunkelsten Verschlage unter der Bodentreppe ; denn ich hatte trotz meiner sechzehn Jahre die dumme Idee , daß ich es sonst überall im Hause hören müßte , wenn dem Bösewicht der Kopf herabgeschlagen würde . Erst als meine Mutter anklopfte und rief : › Es ist vorbei ; sie kommen alle schon zurück ! ‹ , kroch ich wieder an das Tageslicht . Ich hör es noch vor meinen Ohren , wie es in dicken Haufen draußen auf der Gasse vorbeizog , und ein Gemurmel und ein Summen als wie in einem Immenschwarm . Und das Gerede kam auch noch in Wochen nicht zur Ruh ; denn draußen auf dem Richtplatz hart an der Landstraße lag ja Peter Liekdoorns Körper auf das Rad geflochten . Wenn meine beiden jüngeren Geschwister aus der Schule kamen , warfen sie die Bücher hin und liefen auf den Brauhausboden ; dann kamen sie mit großen Augen wieder in die Stube ; bald hatte meine Schwester zwei Raben auf dem Rade sitzen sehen , bald hatte mein Bruder ganz deutlich wahrgenommen , wie der auf dem Pfahle steckende Kopf mit den dünnen Haaren vom Wind herumgekreiselt war , bis zuletzt mein guter Vater ein Schloß vor die Bodenluke legte und einen Trumpf darauf setzte , es solle von diesen abscheulichen Dingen fürderhin kein Wort im Hause mehr gesprochen werden . ‹ Die Erzählerin nahm ein Schlückchen aus ihrer Tasse und fuhr dann fort : » Nicht lange nachher saßen wir – ich weiß noch , es war an einem Sonntag – bei unserer Abendmahlzeit . Da es Reisbrei mit Kaneel und Zucker gab , so hatte ich auch noch unseren Nachbar Ivers dazuholen müssen , dessen Leibgericht das war . Wir hatten uns schon alle zu Tisch gesetzt ; auch Lorenz und die Magd ; allein mein Bruder fehlte noch . Mein Vater sah sich eben recht verdrießlich nach ihm um , als erst die Haustür und dann die Tür zur Stube aufgerissen wurde und der Junge mit einer Fahrt hereingestürzt kam . › Mein Gott , Christian ‹ , rief meine Mutter , › weshalb kommst du nicht zu rechter Zeit ? Du weißt doch , daß dein Vater das nicht leiden kann ! ‹ › Ja ‹ , sagte er , › aber die Jungens sind alle auf dem Markt zusammengelaufen ! ‹ – › Die Jungens ? Was haben die des Abends auf dem Markt zu tun ? ‹ › Nichts ‹ , sagte Christian ; › sie sprechen nur miteinander . ‹ › Nun , so sprich du auch jetzt ! ‹ sagte mein Vater . › Laß ihn reden , Mutter ! ‹ Aber der Junge schwieg und sah seinem Vater starr ins Angesicht . › Christian , so sprich doch , Christian ! ‹ rief meine Mutter . ›