um eine andere Ursach malen lassen ; aber des Vaters Wille mußte doch geschehen . Und das Bildnis wurde wie sie selber . Das Hoffräulein mochte ihr noch so oft das Kinn emporheben und lachend zu ihr sagen : » Du sollst nur wissen , was für besondere Schönheit an dir ist ! « – die blauen Augen wußten nichts von dieser Schönheit und blickten nach wie vor , als bäten sie nur um Schutz in ihrer Einsamkeit . Daß sie als Braut nach ihrem stillen Herrenhaus zurückkehren sollte , hat sie wohl nicht gedacht ; auch soll die muntere Base oft nachher gesprochen haben , sie habe den schwarzen Henne wohl gerne nicht genommen ; sie hab nur nicht gewagt , ihm nein zu sagen , und da sie einmal ja gesagt , so sei sie viel zu gut und lang nicht klug genug gewesen , ihm wieder nein zu sagen . Als Herr Hennicke zu seiner Hochzeit über die Ziehbrücke in den Eekenhof einritt , war droben an der Wand des Saales , wo das Fest bereitet stand , die leere Stelle ausgefüllt , und die Gäste sahen mit Verwunderung bald auf die stille , in lichtes Gewand gekleidete Braut in ihrer Mitte , bald auf ihr Bild , das , ganz ihr gleichend , ein blühend Myrtenzweiglein in der Hand , aus dunklem Rahmen von der Wand herniederblickte und die Bilderreihe des zu Ende gehenden Geschlechts beschloß . Unter den Hochzeitsgästen ist von der Sippschaft der Braut nur die Base aus der Stadt gesehen worden ; die Freundschaft des Bräutigams sind stolze herrische Männer gewesen , und Herr Hennicke hat mit ihnen getrunken und sich wenig um die Braut gekümmert . Als der Tag vorüber und dann alle , mit ihnen auch die lustige Base , den Eekenhof verlassen hatten , ist die junge Frau in Einsamkeit zurückgeblieben ; denn ihr Eheherr , wenn er nicht zu Gelag und Spiel bei seinen Nachbaren war , hatte draußen genug zu tun , um , wie er sagte , ein richtig Regiment zu schaffen ; die Pachtbauern sollten ganz anders jetzt den Säckel ziehen , der Schweiß der Hörigen ganz anders noch den Acker düngen . Den Vogt und das Gesinde sah er sich mit scharfen Augen an : die alten Diener , deren Knochen ihm nicht stark genug erschienen , hieß er gehen . Seines Weibes Fürbitte , wenn sie sich je und je hervorwagte , hat er mit hartem Wort zurückgeschreckt , daß sie mit scheuem Aufblick stumm geworden ist ; und bald hat sie gezittert , wenn draußen auf der Treppe nur sein Schritt erscholl . Mitunter , wenn sie aus ihrer Wirtschaft über die Brücke hinausgegangen war , sei es , um drüben unter den Eichen ein Weilchen auf der kleinen Bank zu ruhen oder seitwärts durch das Hecktor ein paar Schritte in den Wald zu schlendern , dann ist es wie ein Traum auf sie gekommen , als sei vor Zeiten – und wenn sie nachgesonnen , gar noch nach ihres Vaters Tode – hier große heitere Gesellschaft um sie her gewesen , die diese Orte nun für alle Zeiten verlassen habe , und doch hat sie gewußt , es sei auch damals so einsam hier wie jetzt gewesen , und grübelnd ist sie in das stille Haus zurückgegangen . Dennoch , nachdem die Zeit verlaufen war , ist es gekommen , daß bei einem Gelage in der Nachbarschaft die Gäste auf die Ankunft des erwarteten Erben haben trinken wollen . Als aber ein alter Herr gemeint , man solle zunächst des jungen Weibes denken , daß sie die schwere Stunde glücklich überstehe , ist eine Gegenrede laut geworden : » Was Weib ! Ein Weib ist ein zerbrechlich Ding ! Stoßt an , wir wollen auf den Buben trinken . « Und als Herr Hennicke hierauf nur träg sein Glas erhoben , hat ihm ein anderer lachend zugerufen : » Du sinnst wohl , Hennicke , wenn du dein Weib mit einem Buben tauschen müßtest , wie lang du auf dem Hofe noch den Herrn zu spielen hättest ? Ich will dir rechnen helfen ; mit einundzwanzig Jahren sind die Junker mündig ! « Der halb trunkene Gast mochte nicht weit vom Ziel getroffen haben ; denn Herr Hennicke hat ihn drohend angesehen : » Schweig , Wulf ! Ruf den Tod dir in dein eigen Haus ! « Dann hat er im vollen Haufen angestoßen , daß das Glas zersprungen und der Wein verschüttet ist . Danach aber , wenn er je zuweilen das bleicher werdende Antlitz seines Weibes gesehen hat , sind jene Worte ihm allzeit wieder vor den Ohren und die weinroten Augen des , der sie gesprochen , vor dem innern Blick gewesen . – – Und die schwülen Spätsommermonde sind gekommen . – Und , da ihre schwere Stunde näher rückte , hat das junge Weib die Nachmittage in dem Rittersaal verbracht ; denn hier in dem weiten Raume , dessen Fenster dann im Schatten lagen , war es frisch und kühl . Schon als Mädchen hatte sie gern mit ihrer Arbeit hier gesessen ; jetzt nähte sie eifrig an der kleinen Aussteuer für die Wiege , die voll schwellender Kissen schon daneben in der Kammer stand ; und wenn ein Käppchen oder ein Hemdlein auch nur zur Hälfte fertig war , dann hielt sie ' s vor sich hin und betrachtete es , halb in Entzücken , halb in dunklem Grauen . Früher und noch bis vor kurzem war die Schaffnerin , die alte Maike , ihr zur Gesellschaft dagewesen , aber auch diese hatte Herr Hennicke verabschiedet , weil sie , so sagte er , zu alt in der Herberge geworden sei ; in Wahrheit , weil sie der stummen Klage in seines Weibes Auge unterweilen ihren fertigen und dreisten Mund geliehen hatte . Daher ist jetzt nur die stille Gesellschaft der Bilder ihrer Vorfahren um die junge Frau gewesen ; aber fast von allen wußte