und Bilderfibeln auftritt . Wie es mit seiner körperlichen Reinlichkeit beschaffen war , bleibe einer späteren Erörterung vorbehalten ; ein braves deutsches Herz und Weib sieht seinen Einsiedlern da gottlob schon etwas nach und läßt einen wohlmeinenden Autor nicht mit seinem Eremiten stehen , nachdem es ihnen den Rücken gewendet hat . Dagegen aber stellt es auf der Stelle die Frage : » Ja , aber lieber Gott , wie kommt denn der Mann dazu , ein Eremit zu werden und eine Einsiedelei zu stiften ? Weshalb heiratete er nicht und gründete einen Hausstand ? « Worauf der Autor seinem Klausner , seinem Waldbruder , seinem Einödler zärtlich auf die Schulter klopft , ihn einen Schritt weiter vorführt und antwortet : » Liebe Seele , das ist ja gerade die Geschichte ! « Und nun , wenn jemand es besser versteht , auf deutsch ein Ding am rechten Zipfel anzufassen , so tue er ' s : ich kann ' s nicht besser . – In einem großen Walde also , nicht allzufern von einer großen Stadt , wohnte ein sonderbarer Mensch , von dem so ziemlich die ganze Stadt gehört hatte , wenngleich nur wenige ihn persönlich kannten . Wie alle in germanischen Historien auftretende Einsiedler , trug dieser Waldbruder natürlich einen langen , ehrwürdigen , grauen Bart und eine ebenfalls lange , ehrwürdige , graue Kutte , die er mit einem Strick , weniger der Eleganz als der Bequemlichkeit wegen , um die Hüften zusammenzog und hielt . » Der Mensch muß vor allen Dingen den Magen warm halten , vorzüglich bei einer Kost wie die meinige , « pflegte er zu sagen , und im Winter kleidete er sich aus ähnlichen Gründen wärmer , das heißt , er richtete sich nach seinem Wetterglase und zog zwei , drei , ja vier Kutten übereinander und setzte eine Pelzmütze auf . Dann glich er dem Weihnachtsmann wie ein Ei dem anderen und konnte in jeder Kinderstube als solcher auftreten . Ohne ihm schmeicheln zu wollen , mit seinem Sack auf der Schulter und seinem langen , ehrwürdigen Stabe in der Hand genügte er für die Festtagswundergefühle von groß und klein ; und wer ihm im Walde begegnete , sprach noch lange Zeit nachher zu Hause von ihm und meistens gut . Nur die wenigsten hielten ihn für einen neuverkleideten Kinderfänger von Hameln oder sonstigen Seelenkäufer oder Verkäufer . Mit einer Gelassenheit , die an Stupidität grenzte , nahm er jeden Tag , jedes Wetter und jeden Menschen hin . Sein Name war Konstantius ; ob er aber einmal anders geheißen hatte , werden wir später erfahren . Daß man jetzt alles auf einmal wissen will , treibt uns keinen Zoll breit Weges vorwärts , und wir haben uns fest vorgenommen , uns in diesem Falle gleichfalls Konstantius zu nennen und eine an die Gelassenheit unseres Helden erinnernde Stupidität zu entwickeln . Nachdem wir dieses festgestellt haben , stellen wir ihn , unsern Bruder im Leiden dieser Welt , beiseite , nachdem wir ihn eingeführt haben , und sagen ein weniges mehr von der Stadt , deren Türme von den letzten Bäumen seines Waldes aus zu erblicken waren . Was nun diese Stadt anbetrifft , so war sie voll von allerlei Volk , vom König abwärts bis zum Bettelmann und von der Königin bis zu der Bettlerin . Schlösser , Kirchen , Museen , Spitäler , Gefängnisse , Schulen , Häuser , Hütten , Dachkammern und Kellerwohnungen mangelten ihr nicht . Die höchste derzeitige Bildung und die tiefste allzeitige Unbildung waren in ihr vertreten ; ebenso die höchste derzeitige Eleganz und Reinlichkeit und die tiefste allzeitige Versunkenheit im und Unabgelöstheit vom Erdenstoff . Leben und Tod wechselten in ihr , und wie überall und immer wollte niemand in ihr beim Pech und Unglück des Nachbars an das alte mea agitur fabula , » ganz meine Geschichte ! « glauben . Aber ein jeglicher suchte im eigenen Elend nach althergebrachter Weise nach Trost und Beruhigung und zwar seltener bei sich selber als bei den anderen ; und wie gewöhnlich war dann der Trost auch danach . War der Mensch gesund und vergnügt , so sagte er : » Es ist doch die beste Welt . « Begegnete seinem Bekannten und guten Freunde eine Unannehmlichkeit , so tröstete er sich mit den Worten : » Es ist eben eine kuriose Welt ; und wir haben sie nicht gemacht . « Geriet er selber in Verdruß , so fand er ein tertium comparationis , das freilich sehr ins Aschgraue oder gar Schwarze spielte . Eine Lieblingsredensart von ihm war in diesen Fällen : » Das kann doch nur mir passieren . « Daß er sich dabei ungemein überhob und viel zu viel Wert auf sich selber legte , merkte er durchaus nicht . Derer , die sich mit Humor kaput gehen sahen und ließen , waren wenige und im Grunde die einzigen , welche nicht in die allgemeine große Familie paßten . » In welche allgemeine große Familie ? « Die der Piepenschnieder , schöne und gute Frau ! Wer sucht nicht hineinzukommen , und wenn er hineinheiraten müßte ? ! – – Es will alles in dieser Welt nach seiner Natur behandelt werden ; das Feuer im Ofen und das Wasser , wie es den Berg hinunterläuft . Wer sich hierauf versieht , der versieht sich auch darauf , mit Menschen umzugehen , und verdirbt sich nur selten durch Hast und Ungeduld sein Spiel . Hier fassen wir die praktischen Leute , die wirklichen Philosophen in der Stadt , die sich jedoch für den zweiten Titel recht höflich bedankten und ihn kurz von sich wiesen . Diejenigen Leute , welche ihre Betrachtungen über solche Dinge zu Papier brachten , nannten sich dagegen selber Philosophen und hatten ihr Behagen an der Bezeichnung : es war sehr häufig das einzige Behagen , das sie für ihre Bemühungen hinnahmen . Wenn es ihnen gelang , eine bestimmte Reihenfolge und Ordnung in ihren Observationen innezuhalten ,