nunmehro im Jahre Einundsiebenzig mit Gottes Hülfe und unserer Herren Vettern Liebden Beistand und freundlicher Handreichung unsere nunmehro zuletzt getreue Landesstadt Braunschweig mit Waffengewalt und guten Worten uns zu Willen und Gehorsam gebracht haben ; so danken wir dem Herrn Bischof von Münster , sowie den Herren Prioren , Kanzlern und Räten von Corvey , wie imgleichen dem Herrn Marschall von Turenne für freundliches Erbieten und gedenken fernerhin , wie es uns zukommt , unserer Pflicht und fürstlichen Eidleistung gegen Kaiser und Reich . Wünschen dagegen dem Herrn Marschall eine glückliche Reise gen Wesel und haben Euch , ehrwürdiger Bruder , augenblicklich nichts mitzuteilen , als daß Ihr , solange es Euch belieben mag , unser lieber Gast sein mögten ; wie wir es gleichfalls in Euer Belieben setzen werden , Euch in der Gegend umzusehen . Da uns das Stift und das Königliche Hauptquartier zu Höxter aber in Eurer Person einen Mann geschickt haben , der nicht immer die Kutte trug , sondern vordem auch den Harnisch und den Kürasserhelm , so verlassen wir uns darauf , daß Ihr uns zu Hause in re militari loben und den Herren zu Huxar und Corvey nach bester Kenntnisnahme empfehlen werdet . « – Da nun der Bruder Henricus außer seinem Schreiben willig auch den mündlichen Auftrag mitgenommen hatte , sich in der Gegend rechts von der Weser umzusehen , so machte er Gebrauch von der Einladung des Herzogs . Er sah sich um , und jetzt kam er zurück , nachdem er sich umgesehen hatte . Sehen wir uns ihn jetzt vor allen Dingen selber ein wenig genauer an . Da stand er , auf seinen Wanderstock gestützt , im Bruckfelde an dem mürrischen Strome und wartete geduldig , bis es dem Fährmann drüben am Brucktor zu Höxter gefiel , ihn herüberzuholen . Und er sah trotz seinem geistlichen Gewande wahrlich aus wie ein Mann , der wohl befähigt war , seinen Vorgesetzten über die militärischen Zurüstungen und Vorkehrungen Seiner Herzoglichen Gnaden zu Wickensen Bericht abzustatten , und zwar einen sach- und fachgemäßen . Der Bruder Henricus von Herstelle trug sein Benediktinergewand würdig und stattlich genug ; doch mußte es auch dem gänzlich Unbefangenen gar nicht unglaubwürdig erscheinen , daß von dieser breiten Brust und diesen derben Schultern seinerzeit der eiserne Panzer ohne alle Beschwerden getragen worden sei . Daß die runzlige , aber immer noch kräftige Faust vorzeiten etwas anderes umschlossen habe als den harmlosen Stab von Weißdorn , konnte dann einem irgend aufmerksamen Betrachter auch weiter nicht zweifelhaft bleiben . Der Bruder Henricus trug dem winterlichen Tage ins Gesicht die Kapuze zurückgeschlagen und bot die Tonsur dem Wind , den vereinzelten Schneeflocken und den scharfen Schauern feinen Regens frei hin . Ein Kranz grauer , ein wenig borstiger Haare umgab den runden wohlgeformten Schädel , und eine Narbe auf der Stirn sprach von anderm und wilderem Zusammentreffen als mit den Brüdern und Vätern in Gott und Jesu Christ bei der Hora und Mette . Der Junker Heinrich von Herstelle war jetzt ein alter Mann , doch jung und frisch auf den Beinen . Sein Räuspern selbst und sein Niesen klang kräftig und mannhaft , und man konnte es dem Vater Adelhardus , dem Stiftskellner , vordem ein Herr von Bruch , gar nicht verdenken , wenn er die Freundschaft und gute Kameradschaft gerade dieses ehrwürdigen Bruders jeglicher andern innerhalb der Mauern der Abtei vorzog . » Wo die Brücke geblieben ist , kann ich mir schon deuten « , sagte der Bruder Henricus kopfschüttelnd . » Ein Ärgernis ist es aber doch ! « fügte er hinzu , die Hand über die Augen legend und nach der Fähre ausschauend . Er hatte noch zu warten ; denn der Fährmann drüben zu Höxter beeilte sich des einzelnen Fahrgastes wegen nicht . Faul hingestreckt lag er neben der Wölbung des Brückentors auf seiner Bank und wartete auch ; nämlich auf die Ansammlung mehrerer Leute drüben am Braunschweigischen Ufer . Endlich kam der zweite Fahrgast . Diesmal ein altes Weibchen , das auf dem Schifferpfade von Lüchtringen her heranhumpelte , keuchend unter einem schweren Bündel ; – ein altes Judenweib , unter dem Namen Kröpel-Leah dem Pöbel zu Huxar wohlbekannt , doch hochangesehen bei ihren Glaubensgenossen , – wegmatt , zeitmatt , kriegszerzaust und kriegerisch , ja kriegerisch unter ihrem Packen trotz ihrem Alter und ihrer Müdigkeit anzuschauen . Mit tiefen Knicksen und schüchternen Verbeugungen näherte sich die Greisin dem greisen Benediktinermönch , der aber neigte das Haupt , winkte mit der Hand und sagte : » Der Gott Abrahams knöpfe dem Schlingel da drüben die Ohren auf . Tretet heran , Frau ; werft Euer Bündel ab und setzet Euch . Um uns beide rührt sich der liederliche Bursch fürs erste noch nicht . « » Ich danke Euch , guter ehrwürdiger Herr « , erwiderte die Greisin . » Alte Knochen , müde Füße , schweres Herz – ich kann wohl in Geduldigkeit warten . « » Ich auch ! « sprach der Mönch , und dann , mit einem Blick auf die durch die Wirbel des Flusses vorragenden Trümmer der Brückenpfeiler , fragte er : » Wisset Ihr , Mutter , vielleicht genauer , was das nun wieder zu sagen hat ? Wenn man sich auch das Seinige zurechtlegt , so hört man doch gern eines andern Bericht . Als ich abging von Corvey , schritt ich noch trockenen Fußes über die Weser . « Die Greisin schüttelte den Kopf : » Ich kann es nicht sagen , ehrwürdiger Herr . Anno Siebenzig am siebenzehnten Januar hat es der Fluß selber getan . Vordem Anno Sechsundvierzig tat es der Herr Feldzeugmeister von Wrangel ; vordem taten es Herr Kaspar Pflugk und die Herren Liguisten , – vordem Herr Christian von Braunschweig , den sie den tollen Herzog nannten . Dazwischen dann immer wieder der Strom selber . Ja , wer hat ' s heute getan ? « Der Bruder Henricus lächelte ein wenig . » Was Ihr mir da