diesen Standpunkt festhielt . Viertens , eben der Tod seiner Frau . Fünftens , seine angenehme Wohnung auf der Hanauer Landstraße . Sechstens , sein Freund und Nachbar auf der Hanauer Landstraße , Herr Florens Nürrenberg , und : Siebentens , er selber , Legationsrat Alex von Nebelung , ohne daß wir uns hier eines Pleonasmus oder einer Tautologie schuldig machen . Wem übrigens daran gelegen ist , die sonstigen sechs Taufnamen unseres Gönners zu erfahren , der mag selber im Kirchenbuche zu 0x0burg nachschlagen . Es ist immer unser Bestreben , so kurz als möglich zu sein , und das Längere und Breitere über uns kommen zu lassen , aber nicht es faul an uns heranzuziehen . Wir könnten nun ganz wohl eben aufgeführte sieben Punkte durch A A , a a , B B , b b usw. ins Unendliche zerlegen , tun ’ s aber nicht , sondern wenden uns zum Freunde unseres Freundes und Gönners und sagen einiges über den Herrn Kommerzienrat Florens Nürrenberg , den Nachbar des Herrn Legationsrats . Einiges ? Das Wort reicht doch nicht aus einem Manne gegenüber , den der letzte Doge von Venedig , nein , der letzte reichsunmittelbare Bürgermeister der weiland freien Reichsstadt Rottweil am Neckar aus der Taufe gehoben hatte . Das war im Jahre 1800 geschehen , und der Vater des Täuflings war Präsident des kaiserlichen Hofgerichts und aus Sachsenhausen gebürtig . Nach Sachsenhausen verzog er denn auch wieder mit seiner Familie , nachdem der dicke erste württembergische König Friedrich auch Rottweil verschluckt hatte , und das kaiserliche Hofgericht daselbst ebenso überflüssig geworden war , wie der Legationsrat von Nebelung einige vierzig Jahre später zu Frankfurt am Main . Ob der kaiserliche Rat Herr Elardus Nürrenberg als ein vermöglicher Mann von Rottweil nach Sachsenhausen ging , können wir nicht sagen ; allein sehr vieles deutet darauf hin , daß er seine Schäflein am Hofgericht nicht ohne Verständnis geschoren habe . Sein Sohn Florens saß jedenfalls Ende der Fünfziger Jahre in der Hanauer Straße in der Wolle , als ein Mann in den besten Jahren , Darmstädtischer Kommerzienrat , gleichfalls Witwer und als der Vater eines Sohnes , der wiederum Elard hieß und sich in den noch besseren Jahren des menschlichen Lebens befand . Bis zum Jahr 1850 hatte es sich Herr Florens zu Höchst als ein berühmter Tabaksfabrikant sauer werden lassen ; aber nachher – konnte er ’ s , und beim Beginn unserer Geschichte konnte er ’ s immer noch . Er bewohnte mit seinem Sohn ( NB . wenn derselbe in den Ferien daheim war ) und seiner Haushälterin , der Frau Drißler , sein eignes Haus mit Garten in der Hanauer Landstraße ; der Rat Nebelung gegenüber wohnte zur Miete , jedoch als eine stille Familie bereits seit fünfzehn Jahren in dem selben Hause und Stockwerk ; ja , er war sogar während dieser Zeit zweimal mit dem Grundstück verkauft worden , und der neue Besitzer hatte ihn wie das Käthchen stets gern mit in den Handel genommen . Der jüngere Elard hatte auf verschiedenen Universitäten Philologie studiert und hatte Italien und Griechenland mit Nutzen gesehen . Er war Professor der Ästhetik zu Heidelberg und augenblicklich in den Pfingstferien zu Hause . Sachverständige behaupteten , daß er zu den schönsten gelehrten Hoffnungen des deutschen Vaterlandes gehöre , und – wir dürfen es gleich sagen – Fräulein Käthchen Nebelung teilte diese Hoffnungen des Vaterlandes ; – schnöde Kritiker werden das wohl den ganz gewöhnlichen Romanapparat nennen . Außer seinem Professor besaß der Kommerzienrat Nürrenberg eine der größten Sammlungen gläserner Pokale zu Frankfurt am Main . Seine Kakteenzucht war weit berühmt , und es existiert natürlich auch ein ganz neuer Cactus Florens Nürrenberg . Mit seinem diplomatischen Nachbar war der vergnügliche Patrizius politisch einig . Beide bedauerten eine untergegangene schönere Welt , der Kommerzienrat jedoch mit einem höchst willkommenen Behagen an der Gegenwart . Um einen Hausfrauenausdruck zu gebrauchen , waren ihm drei Fingerspitzen Reize der Vergangenheit vollständig genügend , um dem augenblicklich vorhandenen Tage den nötigen Haut-gout zu verleihen . Der Legationsrat brauchte mehr ; und damit werfen wir uns wieder in die volle Gegenwart und kehren zurück zum Main-Weser-Bahnhof , wo wir die Tante Lina und das aufgeregte Käthchen , wenn auch notgedrungen , so doch sehr ungern nach der ersten flüchtigen Begrüßung verlassen haben . Es ist die höchste Zeit . Zweites Kapitel » Das ist mir eine schöne Geschichte ! « rief die Tante Nebelung . » Man kann ein Jahrhundert von der Heimat abwesend sein , und man findet sich nach der Rückkehr sofort wieder in dem alten Spuk . Ich hätte es mir gleich denken können . Na , ein Gutes hat es doch : da behält man eben seinen mühsam errungenen Gleichmut und verschiebt seine Rührung auf eine unbestimmte passendere Gelegenheit . Go ahead , also sie haben sich in den Haaren gelegen ? « » O ganz grimmig ! Ganz schrecklich müssen sie sich gezankt haben ! Elard – ich meine der Herr Professor Nürrenberg , kam atemlos , und dann war ich so ärgerlich – deinetwegen , beste Tante ; und da sagte ich ihm meine Meinung über seinen Papa ; und dann stürzte er wieder fort , meinem Papa nach , und die Droschke kam , und ich mußte außer mir einsteigen und hierher fahren . Und hier bin ich , und was für eine Angst ich ausgestanden habe , dich nicht zu erkennen und dich zu verfehlen , Tante Lina , das kann ich gar nicht mit Worten ausdrücken . Was wirst du von uns denken ? und wir hatten doch alles getan , um deinen Empfang so festlich als möglich zu machen ! « » Hm , « sagte die Tante , » beruhige dich , mein Kind ; ich kenne meine Familie , und solange ich denken kann , sind unsere Familienfeste immer in dieser Art ausgefallen . Guten Willen haben wir stets gehab , leider genügt derselbe nur nicht , um sich