ließ in dem olympischen Göttertranke ; immer selbstverständlich dabei vorausgesetzt , daß die Einquartierung nicht hinderlich dabei in den Weg trat und den bürgerlichen Nektar in die eigene ausgepichte Kriegsgurgel hinüberfließen ließ . So war es in Hannover , so war ' s in Göttingen und in Hildesheim , und so war ' s auch in Sarstedt an der Innerste . Trotz allem eine wunderlich real-geheimnisvolle Zeit voll seltsamer Schwingen und Flüge ! Wer da etwa glauben möchte , daß heutzutage hinter den Stirnen und unter den Schädeln mehr in den Menschenköpfen vorgehe als damals , der irrt sich bedeutend . Ja wahrlich , jeder gegenwärtige Augenblick ist stets ein novus homo , ein Emporkömmling ; und die Vergangenheit , selbst mit dem Zopf und der Beutelperücke und im Reifrock auf den hohen Stöckelschuhen , erscheint merkwürdig als der vornehme Herr und die erlauchte gnädige Dame . Sie tun aber meistens so , als lachten sie darüber , die Leute des Tages , und beweisen gerade durch ihr Lachen nur die niedrigere Beschaffenheit ihres Standes . Wer wahrhaft vornehm ist , hat immer Respekt , wo er hingehört , der Pöbel nicht . Die Franzosen waren im Lande , und der Herzog Ferdinand lag gegen sie zu Felde . Bei Bergen war er von Broglio zurückgedrängt worden , und bei Minden sollte er über Contades siegen . Zwischen den beiden Schlachten , also im Jahre 1759 , und gerade in der schönsten Sommerzeit hebt unsere Historie an . Zweites Kapitel Damals saß noch ein alter Müller mit seiner ebenso alten Müllerin in der Mühle , und der nachherige Herr war noch in der Fremde – fern und verschollen , wenn er noch lebte . Die ihn genau gekannt hatten , erwarteten ihn gar nicht zurück ; es gab mehr als einen handfesten Galgen in der Welt , und mehr als ein würdiger , ehrenfester Sarstedter Bürgersmann legte , wenn die Rede auf den Jungen aus der Mühle , Albrecht Bodenhagen , kam , den Finger an die Nase und gab seine Meinung dahin ab , daß niemand wissen könne , wo der sich im Winde drehe ; daß er sich aber im Winde drehe , das sei sicher . Der brave Albrecht hatte es seinerzeit in der Stadt und der Umgegend , weit über Groß-Förste hinaus , nicht danach gemacht , daß man sich nach ihm sehnte , und die alten Eltern wußten nichts von dem einzigen Sohn . Seit dem Beginn des Krieges hatten sie ihn nicht zu Gesicht gekriegt . Eines Morgens hatte er seine Pelzmütze geschwenkt . » Vivat Fridericus ! Adjes , Herr Vater ! Adjes , Frau Mutter ! Aushalten tu ich ' s nicht länger zu Hause . Wär ich nicht zu gut gewesen , so hätt ' s der Herr Vater nicht zu schlimm mit mir gemacht . Adjes ! « Und dann war er mit einem Sprunge über die nächste Hecke weg gewesen , und die Sarstedter Jungfern hatten mit den Eltern das Nachsehen nach dem angenehmsten Junggesellen der Gegend gehabt . Nachher sind nur Gerüchte über ihn und sein Verbleiben nach Hause gekommen , und es stand jedem frei , dieselbigen zu glauben oder nicht . Da hat mit ihm einer in einem berüchtigten Freibataillon Schulter an Schulter gestanden ; ein anderer hat mit ihm nach der Schlacht bei Leuthen vor Schweidnitz gelegen , und wieder ein anderer hat ihn Spießruten laufen sehen im Lager vor Olmütz . Ein Vierter jedoch , und der war , wie viele meinen wollten , der einzige Glaubwürdige – Barthold Dörries aus Dielmissen behauptete , Albrecht Bodenhagen habe freilich zu allererst sein Glück in dem preußischen Freibataillon probiert , doch nicht lange . Nach Kolin sei er desertiert , und droben im Harz zwischen Wildemann und Lautenthal , gleichfalls an der Innerste , sei auch eine Mühle gelegen , und die Tochter daselbst , die wisse vielleicht am meisten von dem Albrecht ! Er – Barthold Dörries – habe auf der Wanderschaft daselbst das Handwerk angesprochen und eine Nacht allda genächtiget , aber kein Teufel kriege ihn wieder unter das Dach , denn da könne man zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang mehr erleben als in einem ganzen Feldzug des Königs Fritz zwischen dem ersten Aufbruch aus den Winterquartieren und der letzten Schlacht vor dem ersten Schnee . Dem Meister und der Meisterin sprach der gute Müllerknappe nicht hiervon , denn der Alte hatte ihm beim ersten Wort das Maul verboten , wohl aber erzählte er den Mühlgästen , die ihm ein offenes Ohr liehen , und das taten sie alle , wenn die Rede auf den tollen Albrecht kam . Das ging denn wie der Laufer um das Mühleneisen , und wenn nur der Bodenstein irgend feste lag , so gab ' s ein erklecklich fein Mehl . Es war ein feiner Meisterssohn , dieser Barthold , und mit Grausen war er aus dem wilden Harz hervorgekommen . Wie gesagt , verschwur er sich am Schlusse jeder Rede jedesmal hoch und teuer , daß ihn nie wieder einer in die wüsten Berge unter das wüste Volk da kriegen tun täte . Von der Waldmühle , ihren Leuten und Gästen aber erzählte er , daß dem Hörer die Haare sich sträubten – und da – da sollte dieser Albrecht Bodenhagen immer noch sitzen , und die Müllerstochter , die rothaarige Doris Radebrecker , sollte sein Liebchen sein ! » Das ist freilich ein Ort für den bösen Jungen ! « murmelten die Leute aus dem Mühlenbann zwischen Sarstedt und Großförste und sahen mit melancholischem Kopfschütteln auf den alten Vater und die alte Mutter Bodenhagen , und die Gerüchte wurden immer schlimmer . Nun stand einmal im Juli des Jahres 1759 der alte Müller Bodenhagen an seinen Gartenzaun gelehnt und sah verdrossen auf die leise an demselben hinfließende Innerste und schien die Blasen zu zählen , die vom Grunde des Flüßchens emporstiegen , zerplatzten und anderen Platz machten . Es sollen aber diese Luftblasen von dem Atem der