, mit prächtigen braunen Locken , ein Bild der Kraft und Vornehmheit ; der Erbprinz und sein Bruder samt ihrem kindlichen Gefolge konnten sich mit ihm nicht messen . Seine Erzieherin kam bleich und erschrocken herbei , aber schon hatte die Herzogin die kleine geballte Hand ergriffen . » Das war nicht hübsch , Leo , « sagte sie ; allein in ihrer Stimme klang kein strafendes Zürnen mit , weit eher eine tiefe Zärtlichkeit . Der Kleine riß seine Hand ungestüm aus den samtweichen , schmeichelnden Fingern ; mit einem scheuen Seitenblicke nach dem Gezüchtigten , der sich eben entfernte , drehte er sich auf dem Absatze herum . » Ach was , « grollte er , » es geschieht ihm ganz recht ! Papa kann ihn auch nicht leiden – er sagt immer : › Diese Memme erschrickt vor ihrer eigenen Stimme . ‹ « » Wohl , mein kleiner Trotzkopf ; weshalb aber bestehst du dann darauf , daß dieser Gabriel dich stets begleite ? « fragte lächelnd die Herzogin . » Weil – nun , weil ich ' s eben so haben will . « Mit diesem trotzigen Worten warf er seinen Lockenkopf zurück , wandte der Gesellschaft den Rücken , als existiere sie nicht , und verschwand hinter einem der Häuser . Auf weitem Umwege suchte er die dickstämmige Linde zu erreichen , hinter welche sich der Geschlagene zurückgezogen hatte . Einsam lehnte die weiße Gestalt an dem Baume . Es war ein Knabe von vielleicht dreizehn Jahren , ein tiefmelancholisches Gesicht über feingebauten , geschmeidigen , aber wenig muskelstarken Gliedern . Er hatte sein Taschentuch in das Teichwasser getaucht und drückte es kühlend gegen die linke Wange , während seine zarten Lippen nervös aufzuckten , vielleicht weniger unter dem Schmerze , den ihm der Schlag verursacht , als infolge der inneren Aufregung . Der kleine Leo umkreiste ihn mehrere Male , wobei er mit seiner Gerte wild in der Luft fuchtelte . » Thut es s e h r weh ? « fragte er plötzlich hart und kurz mit finster gefalteten Brauen und stampfte dem kleinen kräftigen Fuß auf . Gabriel hatte das Tuch weggenommen , um es abermals in das Wasser zu tauchen – ein feurig roter , quer über die Wange laufender Striemen war sichtbar geworden . » Ach nein , « antwortete der Knabe mit sanfter , unbeschreiblich wohllautender Stimme , » es brennt nur noch ein wenig . « Im Nu flog die Gerte auf den Boden ; mit einem herzzerreißenden Aufschrei schlang der Kleine seine Arme um den Geschlagenen – man hörte seine Zähne aneinanderknirschen . » Ich bin ein zu schlechter Junge ! « stieß er hervor . » Dort liegt meine Gerte , Gabriel ; nimm sie und schlage mich auch ! « Die anderen Kinder begafften mit offenem Munde diesen unvorhergesehenen Ausbruch einer tiefen , schmerzlichen Reue . Auch die Herzogin stand in der Nähe ; eine seltsame Empfindung mochte sie überwältigen – wie hingerissen zog sie ungestüm das Kind an ihr Herz und bedeckte sein schönes Gesicht mit Küssen . » Raoul ! « flüsterte sie – wie ein Hauch kam der Name von ihren Lippen . » Ach dummes Zeug ! « murrte der Kleine , derb und kräftig sich loswindend . » Raoul heißt ja mein Papa ! « Die marmorweißen Wangen der fürstlichen Frau erröteten in tiefer Glut ; sie fuhr empor und blieb einen Moment unbeweglich stehen ; dann wandte sie langsam den Kopf und warf einen scheuen , unsichern Blick hinter sich – die Damen , die nahe gestanden , waren unter der Thür des nächsten Häuschens verschwunden . 2. Von der Residenz her rollte eine Hofequipage ; ein Herr saß im Fond , und neben ihm auf dem blauen Seidenpolster lagen die Utensilien zum Krocketspiel . Eben bog der Wagen in die Fahrstraße ein , die am Teiche hinlief , als ein Fußgänger aus dem Dämmerdunkel eines Gehölzes trat . Der Herr im Wagen ließ sofort halten . » Grüß Gott , Mainau ! « rief er herüber . » Na , das nimm mir nicht übel ; man hofft mit Schmerzen auf dich , und da kommst du flanieren auf dem größtmöglichen Umwege ! ... Die Linde steht längst – hast dem Hause Mainau die stolze Tradition verwirkt , daß deine Hand es war , die den Stamm umspannte , während Friedrich der Einundzwanzigste Erde auf die Wurzeln schaufelte . « » Man wird dereinst einen Trauerflor über mein Bild hängen müssen . « Der Herr im Wagen lachte ; er öffnete behende mit einer einladenden Handbewegung den Schlag . » Plagt dich der Teufel , Rüdiger – im Fond ? « wehrte der andere in komischer Entrüstung , » Gott sei Dank , noch weicht mir das Zipperlein aus ! ... Fahre weiter im stolzen Bewußtsein deiner Mission – hast das vergessene Krocketspiel holen müssen ? Beneidenswerter ! « Der Herr sprang auf den Boden , warf den Schlag zu , und während der Wagen weiterfuhr , schlugen die beiden den Fußpfad ein , der durch Buschwerk nach dem Fischerdörfchen lief ... Sie sahen seltsam nebeneinander aus – der im Wagen gekommene klein , beweglich und sehr wohlbeleibt , und sein Begleiter so hoch von Gestalt , daß sein Haupt häufig dem unteren Baumgeäst ausweichen mußte . Der Mann hatte etwas überraschend Blendendes in seiner Erscheinung , in dem ausdrucksvollen Kopf und in allen Gebärden jenes dämonenhaft wirkende Feuer , das eben als sanfte Glut fast elegisch dem Auge entströmt und im nächsten Augenblicke die schlanke , scheinbar weiche Hand zur Faust ballt , um einen verhaßten Gegner zu Boden zu schlagen . Der kleine jähzornige Knabe drüben beim Fischerdörfchen glich ihm Zug um Zug , fast bis zur Lächerlichkeit . » Gehen wir denn ! « sagte Herr von Rüdiger . » Zum Diner kommen wir leider heute nie spät genug ... Brr – Kinderbrei und Puddings in allen erdenklichen Auflagen ! ... Eine Strafpredigt brauche