Ast zu Ast schlüpfen und die grünen Fahnen der Farne am Wege zittern , wenn sich kleines Getier unter dem Pflanzengeschlinge tummelte , das die schaffende Kraft des Waldbodens immer wieder bis in die Fahrgeleise herübertrieb . Die leichtbewegte Luft hauchte ihm Erdbeerdüfte und für Augenblicke auch den appetitlichen Geruch von Bratkartoffeln zu ; sie trug auch das schwache Geräusch ferner Axtschläge herüber , und seit einer Viertelstunde begleitete den Gehenden zur Rechten das Murmeln fließender Gewässer , die er nicht sah . Nun aber lichtete sich das Dickicht allmählich nach dieser Seite hin , und sonnige Wiesenflächen leuchteten herein ; ein rascher Bach schoß mitten durch das rasige Gelände und trieb weiter unten die Räder einer Schneidemühle . Da war im engen Rahmen dunkelnden Gehölzes der ganze Zauber einer Waldidylle eingefangen . Ein schmaler Steg führte über das Wasser , ein einfaches Gefüge , durch dessen auseinanderklaffende Bretter das drunten rauschende Gewässer heraufblickte . Der Fremde beschleunigte seine Schritte . Er betrat den Steg , jedenfalls um den vollen Anblick des hübschen Landschaftsbildes zu gewinnen ; aber er kannte wohl die Heimtücke solcher sorglos über die Bäche geschlagener Holzbrückchen nicht , denn während er die Augen gefesselt auf die Mühle richtete , versank sein Fuß plötzlich und sah wie eingekeilt zwischen dem den äußersten Rand bildenden Fichtenstamm und dem nächsten Brett . Eine Verwünschung auf den Lippen , mühte er sich unter allen Zeichen zorniger Ungeduld , den Fuß aus der Klemme zu ziehen ; aber der Steg hatte kein Geländer , und dem Gefangenen stand nicht einmal ein Gehstock zur Verfügung , auf den er zu nachdrücklicher Kraftanwendung den Oberkörper hätte stützen können . Bebend vor Ärger und Erregung hielt er inne und schaute nach irgendeinem Beistand aus , der in dem einsamen Tale sehr fraglich schien . Just in dem Augenblick kam eine weibliche Gestalt um die Ecke der Schneidemühle und schritt geradeswegs auf den Steg zu . Sie trug ein Grasbündel auf dem Kopfe , das sie mit dem gehobenen Arme stützte . Allem Anschein nach war es eine Dienstmagd , ein junges blödes Bauernmädchen , das sich vor dem Fremden auf der Brücke fürchtete ; denn ihr anfänglich sehr rascher Gang verlangsamte sich augenscheinlich bei seinem Erblicken . » Heda , spute dich ein wenig , mein Kind ! « rief er ihr ungeduldig zu . Nun blieb sie gar wie festgemauert stehen . Er murmelte etwas von bodenloser Bauerndummheit zwischen den Zähnen und machte abermals einen verzweifelten Versuch , sich zu befreien . – Angesichts dieser Anstrengungen mochte es dem Mädchen doch wohl klar werden , daß er kein zu Fürchtender , vielmehr ein Hilfloser sei . Sie besann sich nicht länger und kam herbei . » So – weißt du nun , daß ich kein Menschenfresser bin ? « sagte er , ohne sie weiter anzusehen . » Sieh her – du mußt mir aus dem Schraubstock da helfen ! Stelle dich hierher , dicht neben mich , aber fest , damit ich meinen Arm auf deine Schulter legen kann . « Sie trat zu ihm , ohne ein Wort zu sagen ; aber in dem Augenblick , wo er Miene machte , sich auf sie zu stützen , sah er , wie sie verstohlen in das Grasbündel hinaufgriff und einen dicken Halmbüschel zwischen ihre Schulter und seinen Arm niederzog – lächerlich ! – das Bauernmädchen da war eine Prüde ! Er hielt inne und zog den Arm zurück . » Möchtest du nicht ? « fragte er belustigt . » Nein – eigentlich nicht ! Aber der Sägemüller und sein Knecht kommen vor abends nicht heim , und die Müllerin ist schwach und krank . « » Ach so , da müßte ich ja wohl wie der Fuchs im Tellereisen hier verkommen , wenn du dich nicht erbarmtest ? « – Er bog sich vor , um unter das weiße Tuch zu blicken , das sie gegen den Sonnenbrand über den Kopf gezogen und unter dem Kinn geknüpft hatte ; es ragte weit vor wie ein umfangreicher Hutschirm und beschattete Stirn und Nase bis zur Unsichtbarkeit ; die untere Gesichtshälfte verschwand noch mehr in den dicken Falten der verschlungenen Leinenzipfel – hübsch oder häßlich , das blieb unentschieden ! » Ja , meine kleine Prüde , da kann ich dir freilich nicht helfen , du wirst dich herablassen müssen , « setzte er endlich mit verhaltenem Lachen hinzu . » Denke , du seiest eine barmherzige Schwester , und tue es um der christlichen Liebe willen . « Sie schwieg und stemmte die Linke auf die Hüfte , um ihrer Haltung mehr Festigkeit zu geben . Sie war ein großes , schlank und schön gebautes Mädchen und stand wie eine Mauer , als er , den Arm auf ihre Schulter pressend , mit einigen heftigen Rucken den Fuß aus der Klemme zu ziehen sich abmühte . Ein leises Ächzen , eine halbverbissene Verwünschung klangen an ihrem Ohr hin , dann sprang er plötzlich befreit mitten auf die Brücke und stampfte wiederholt auf , um sich zu vergewissern , daß das mißhandelte Glied unverletzt geblieben sei . Das Mädchen schritt unterdessen weiter . » Halt – auf ein Wort ! « schrie er ihr nach . » Hab ' keine Zeit ! Der Fisch verdirbt ! « antwortete sie , unbeirrt weitergehend . Sie zeigte ihm halb zurückgewendet , daß ihr ein Netz mit einer Forelle am Arme hing . » Ließe sich in dem Falle das Fischchen nicht ersetzen – wie ? – « » Nein . « » Nein ? – Also nicht ... Aber meinen Dank ? – « » Behalten Sie ihn ! « » Oho – du bist kurz angebunden , mein Kind ! « lachte er und steckte das seidene Taschentuch , mit welchem er die Reste der Fichtenrinde von seinem Fuß weggestäubt hatte , wieder zu sich . Gleich darauf schritt er an ihrer Seite . » Mir scheint , unter dem häßlichen Tuch da steckt