eingesammelt worden : am Ruppiner See hin und vor den Toren Berlins . Und sorglos habe ich es gesammelt , nicht wie einer , der mit der Sichel zur Ernte geht , sondern wie ein Spaziergänger , der einzelne Ähren aus dem reichen Felde zieht . Es ist ein Buntes , Mannigfaches , das ich zusammengestellt habe : Landschaftliches und Historisches , Sitten- und Charakterschilderung , – und verschieden wie die Dinge , so verschieden ist auch die Behandlung , die sie gefunden . Aber wie abweichend in Form und Inhalt die einzelnen Kapitel von einander sein mögen , darin sind sie sich gleich , daß sie aus Liebe und Anhänglichkeit an die Heimat geboren wurden . Möchten sie auch in andren jene Empfindungen wecken , von denen ich am eignen Herzen erfahren habe , daß sie ein Glück , ein Trost und die Quelle echtester Freuden sind . Berlin , im November 1861 . Th . F. Vorwort zur zweiten Auflage Vorwort zur zweiten Auflage Statt eines regelrechten Vorwortes heute lieber ein Wort über » reisen in der Mark « . Ob du reisen sollst , so fragst du , reisen in der Mark ? Die Antwort auf diese Frage ist nicht eben leicht . Und doch würde es gerade mir nicht anstehn , sie zu umgehen oder wohl gar ein » nein « zu sagen . So denn also » ja « . Aber » ja « unter Vorbedingungen . Laß mich Punkt für Punkt aufzählen , was ich für unerläßlich halte . Wer in der Mark reisen will , der muß zunächst Liebe zu » Land und Leuten « mitbringen , mindestens keine Voreingenommenheit . Er muß den guten Willen haben , das Gute gut zu finden , anstatt es durch krittliche Vergleiche tot zu machen . Der Reisende in der Mark muß sich ferner mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen . Es gibt gröbliche Augen , die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen , um befriedigt zu sein . Diese mögen zu Hause bleiben . Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen . » Auch die häßlichste – sagt das Sprichwort – hat immer noch sieben Schönheiten . « Ganz so ist es mit dem » Lande zwischen Oder und Elbe « ; wenige Punkte sind so arm , daß sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten . Man muß sie nur zu finden verstehen . Wer das Auge dafür hat , der wag ' es und reise . Drittens . Wenn du reisen willst , mußt du die Geschichte dieses Landes kennen und lieben . Dies ist ganz unerläßlich . Wer nach Küstrin kommt und einfach das alte graugelbe Schloß sieht , das , hinter Bastion Brandenburg , mehr häßlich als gespensterhaft aufragt , wird es für ein Landarmenhaus halten und entweder gleichgültig oder wohl gar in ästhetischem Mißbehagen an ihm vorübergehen , wer aber weiß : » hier fiel Kattes Haupt ; an diesem Fenster stand der Kronprinz « , der sieht den alten unschönen Bau mit andern Augen an . – So überall . Wer , unvertraut mit den Großtaten unserer Geschichte , zwischen Linum und Hakenberg hinfährt , rechts das Luch , links ein paar Sandhügel , der wird sich die Schirmmütze übers Gesicht ziehen und in der Wagenecke zu nicken suchen ; wer aber weiß , hier fiel Froben , hier wurde das Regiment Dalwigk in Stücke gehauen , dies ist das Schlachtfeld von Fehrbellin , der wird sich aufrichten im Wagen und Luch und Heide plötzlich wie in wunderbarer Beleuchtung sehen . Viertens . Du mußt nicht allzusehr durch den Komfort der » großen Touren « verwöhnt und verweichlicht sein . Es wird einem selten das Schlimmste zugemutet , aber es kommt doch vor , und keine Lokalkenntnis , keine Reiseerfahrung reichen aus , dich im voraus wissen zu lassen , wo es vorkommen wird und wo nicht . Zustände von Armut und Verwahrlosung schieben sich in die Zustände modernen Kulturlebens ein und während du eben noch im Lande Teltow das beste Lager fandest , findest du vielleicht im » Schenkenländchen « eine Lagerstätte , die alle Mängel und Schrecknisse , deren Bett und Linnen überhaupt fähig sind , in sich vereinigt . Regeln sind nicht zu geben , Sicherheitsmaßregeln nicht zu treffen . Wo es gut sein könnte , da triffst du es vielleicht schlecht und wo du das Kümmerlichste erwartest , überraschen dich Luxus und Behaglichkeit . Fünftens und letztens . Wenn du das Wagstück wagen willst – » füll deinen Beutel mit Geld « . Reisen in der Mark ist alles andre eher als billig . Glaube nicht , weil du die Preise kennst , die Sprache sprichst und sicher bist vor Kellner und Vetturinen , daß du sparen kannst ; glaube vor allem nicht , daß du es deshalb kannst , » weil ja alles so nahe liegt « . Die Nähe tut es nicht . In vielen bereisten Ländern kann man billig reisen , wenn man anspruchslos ist ; in der Mark kannst du es nicht , wenn du nicht das Glück hast , zu den » Dauerläufern « zu gehören . Ist dies nicht der Fall , ist dir der Wagen ein unabweisliches Wanderungsbedürfnis , so gib es auf , für ein Billiges deine märkische Tour machen zu wollen . Eisenbahnen , wenn du » ins Land « willst , sind in den wenigsten Fällen nutzbar ; also – Fuhrwerk . Fuhrwerk aber ist teuer . Man merkt dir bald an , daß du fortwillst oder wohl gar fortmußt , und die märkische Art ist nicht so alles Kaufmännischen bar und bloß , daß sie daraus nicht Vorteil ziehen sollte . Wohlan denn , es kann dir passieren , daß du , um von Fürstenwalde nach Buckow oder von Buckow nach Werneuchen zu kommen , mehr zahlen mußt , als für eine Fahrt nach Dresden hin und zurück . Nimmst du Anstoß an solchen Preisen und Ärgernissen