, wiederholte er , und sie tat ' s , und er rückte neben sie . So verging eine Weile . Dann zog er einen Malvenstock aus der Erde und malte Buchstaben in den Sand . » Lies « , sagte er . » Kannst du ' s ? « » Nein . « » Dann muß ich dir sagen , Grete , daß du deinen eignen Namen nicht lesen kannst . Es sind fünf Buchstaben , und es heißt Grete . « » Ach , griechisch « , lachte diese . » Nun merk ich erst ; ich soll dich bewundern . Hatt es ganz vergessen . Du gehörst ja zu den sieben , die seit Ostern zum alten Gigas gehen . Ist er denn so streng ? « » Ja und nein . « » Er sieht einen so durch und durch . Und seine roten Augen , die keine Wimpern haben ... « » Laß nur « , beruhigte Valtin . » Gigas ist gut . Es muß nur kein Kalvinscher sein oder kein Katholscher . Da wird er gleich bös und Feuer und Flamme . « » Ja , sieh , das ist es ja eben ... « Valtin malte mit dem Stocke weiter . Endlich sagte er : » Ist es denn wahr , daß deine Mutter eine Katholsche war ? « » Gewiß war sie ' s. « » Und wie kam sie denn ins Land und in euer Haus ? « » Das war , als mein Vater in Brügge war , da sind viele Spansche . Kennst du Brügge ? « » Freilich kenn ich ' s. Das ist ja die Stadt , wo sie die beiden Grafen enthauptet haben . « » Nein , nein . Das verwechselst du wieder . Du verwechselst auch immer . Weißt du noch ... Ananias und Äneas ? ! Aber das war damals , als du noch nicht bei Gigas warst ... Ach , bei Gigas ! Und nun soll ich auch hin , denn ich werde ja vierzehn , und Trud ist bei ihm gewesen , wegen Unterricht und Firmung , und hat es alles besprochen ... Aber sieh , ihr habt ja noch Kirschen an eurem Baum . Und wie dunkel sie sind ! Nur zwei . Die möcht ich haben . « » Es ist zu hoch oben ; da können bloß die Vögel hin . Aber laß sehen , Gret , ich will sie dir doch holen ... wenn ... « » Wenn ? « » Wenn du mir einen Kuß geben willst . Eigentlich müßtest du ' s. Du bist mir noch einen schuldig . « » Schuldig ? « » Ja . Von Silvester . « » Ach , das ist lange her . Da war ich noch ein Kind . « » Lang oder kurz . Schuld ist Schuld . « » Und bedenke , daß ich morgen zu Gigas komme ... « » Das ist erst morgen . « Und eh sie weiter antworten konnte , schwang er sich in den Baum und kletterte rasch und geschickt bis in die Spitze , die sofort heftig zu schwanken begann . » Um Gott , du fällst « , rief sie hinauf ; er aber riß den Zweig ab , an dem die zwei Kirschen hingen , und stand im Nu wieder auf dem untersten Hauptast , an dem er sich jetzt , mit beiden Knien einhakend , waagerecht entlangstreckte . » Nun pflücke « , rief er und hielt ihr den Zweig entgegen . » Nein , nein , nicht so . Mit dem Mund ... « Und sie hob sich auf die Fußspitzen , um nach seinem Willen zu tun . Aber im selben Augenblicke ließ er die Kirschen fallen , bückte sich mit dem Kopf und gab ihr einen herzhaften Kuß . Das war zuviel . Erschrocken schlug sie nach ihm und lief auf die Gartenleiter zu , die dicht an der Stelle stand , wo sie das Gespräch zwischen den Himbeerbüschen gehabt hatten . Erst als sie die Sprossen hinauf war , hatte sich ihr Zorn wieder gelegt , und sie wandte sich und nickte dem noch immer verdutzt Dastehenden freundlich zu . Dann bog sie die Zweige voneinander und sprang leicht und gefällig in den Garten ihres eigenen Hauses zurück . 2. Kapitel . Trud und Emrentz Zweites Kapitel Trud und Emrentz In den Gärten war alles still , und doch waren sie belauscht worden . Eine schöne , junge Frau , Frau Trud Minde , modisch gekleidet , aber mit strengen Zügen , war , während die beiden noch plauderten , über den Hof gekommen und hatte sich hinter einem Weinspalier versteckt , das den geräumigen , mit Gebäuden umstandenen Mindeschen Hof von dem etwas niedriger gelegenen Garten trennte . Sechs Stufen führten hinunter . Nichts war ihr hier entgangen , und die widerstreitendsten Gefühle , nur keine freundlichen , hatten sich in ihrer Brust gekreuzt . Grete war noch ein Kind , so sagte sie sich , und alles , was sie von ihrem Versteck aus gesehen hatte , war nichts als ein kindisches Spiel . Es war nichts und es bedeutete nichts . Und doch , es war Liebe , die Liebe , nach der sie sich selber sehnte und an der ihr Leben arm war bis diesen Tag . Sie war nun eines reichen Mannes ehelich Weib ; aber nie , soweit sie zurückdenken mochte , hatte sie lachend und plaudernd auf einer Gartenbank gesessen , nie war ein frisches , junges Blut um ihretwillen in einen Baumwipfel gestiegen und hatte sie dann kindlich unschuldig umarmt und geküßt . Das Blut stieg ihr zu Kopf , und Neid und Mißgunst zehrten an ihrem Herzen . Sie wartete , bis Grete wieder diesseits war , und ging dann raschen Schrittes über den Hof auf Flur und Straße zu , um nebenan ihre Muhme Zernitz , des alten Ratsherrn Zernitz zweite Frau