eine Buchbinderei . Schimmelweis war ein Westfale . Er war aus Haß gegen Junker und Pfaffen in die protestantische Stadt im Süden gekommen und hatte von Anfang an allen Leuten durch seine Mundfertigkeit große Achtung abgenötigt . In dem Haus , wo er sein Geschäft errichtet , hatte auch Therese Höllriegel gewohnt und sich durch Schneidern ihr Brot verdient . Er hatte geglaubt , sie besitze einiges Geld , aber es hatte sich erwiesen , daß es für seinen Ehrgeiz zu wenig war . Da benahm er sich gegen Therese so , als ob sie ihn betrogen hätte . Er verachtete sein Handwerk und wollte höher hinaus . Er fühlte den Beruf zum Buchhändler in sich . Aber um diesen Plan zu verwirklichen , mangelte es ihm an Kapital . So hockte er denn mißvergnügt in dem unterirdischen Gewölbe und leimte und salzte und zürnte seinem Geschick und las in seinen Mußestunden sozialistische und freigeistige Schriften . Es war der Herbst , in dem der Krieg gegen Frankreich wütete . Am Vormittag war die Kunde von der Schlacht bei Sedan eingetroffen . Von allen Kirchen läuteten die Glocken . Da trat zu Jason Philipps Verwunderung Gottfried Nothafft in die Werkstatt . Sein langer Patriarchenbart und die hohe Gestalt machten ihn zu einer ehrwürdigen Erscheinung , obwohl sein Gesicht müde aussah und die Augen erloschen waren . » Grüß Gott , Schwager , « sagte er und bot die Hand , » dem Vaterland geht ' s besser als seinen Bürgern . « Schimmelweis , der Verwandtenbesuche nicht liebte , erwiderte den Gruß mit vorsichtiger Kälte . Erst als er erfuhr , daß Gottfried im » roten Hahn « Logis genommen , hellten sich seine Züge auf . Er fragte , was den Schwager in die Stadt geführt . » Ich habe mit dir zu sprechen , « antwortete Gottfried Nothafft . Sie gingen in einen Raum hinter der Werkstatt und setzten sich nieder . In Jason Philipps Augen lag ein abschlägiger Bescheid schon jetzt für jedes Ansinnen , das ihn Mühe oder Geld kosten würde . Aber er fand sich angenehm enttäuscht . » Du sollst wissen , Schwager , « begann Gottfried Nothafft , » daß ich mir in den neunzehn Jahren , die ich mit meinem Weib zusammengelebt , dreitausend Taler erspart habe . Und weil mir zumut ist , als könnte mir bald was Menschliches zustoßen , komm ich zu dir mit der Bitte , das Geld in Verwahrung zu nehmen für Marianne und den Buben . Hab Sorge genug gehabt , es beiseite zu halten in der letzten schlimmen Zeit . Marianne weiß nichts davon und soll nichts davon erfahren . Sie ist ein schwaches Weib , die Weiber verstehen nichts vom Gelde und was für eine Würde es hat , wenn es mit so saurem Schweiß erworben ist . In einer Stunde der Not greift sie danach , und eh sie sich besinnt , ist ' s weg . Ich will aber meinem Daniel den Eintritt ins Leben erleichtern , wenn er die Lern- und Lehrjahre hinter sich hat . Er ist jetzt zwölf , also noch einmal zwölf , so Gott will , und er ist ein Mann . Marianne kannst du mit den Zinsen aushelfen , und ich verlange nichts anderes von dir , als daß du schweigst und an dem Jungen väterlich handelst , wenn ich nicht mehr bin . « Jason Philipp Schimmelweis erhob sich und drückte Gottfried Nothafft gerührt die Hand . » Du kannst dich auf mich verlassen wie auf die Bank von England , « sagte er . » Das hab ich mir wohl gedacht , Schwager , und darum der Weg . « Er zählte dreitausend Taler in Reichsscheinen auf den Tisch , und Jason Philipp stellte ihm eine Quittung aus . Dann drängte er in ihn , er möge doch die Nacht über im Hause bleiben , allein Gottfried Nothafft sagte , er müsse wieder heim zu Weib und Kind und habe von der verflossenen Nacht genug , die er in der lärmenden Stadt zugebracht . Als sie in die Werkstatt zurückkehrten , saß Therese dort und hielt ihr Erstgebornes , die dreijährige Philippine , auf dem Schoß . Das Mädchen hatte einen großen Kopf und häßliche Züge . Gottfried vergönnte sich kaum Zeit , der Schwägerin Rede zu stehen . Später erkundigte sich Therese bei ihrem Mann , was Nothafft gewollt habe . Kurzangebunden versetzte Jason Philipp : » Mannsgeschäfte . « Drei Tage darauf schickte Gottfried die Quittung wieder ; auf ihre Rückseite hatte er geschrieben : » Was soll mir der Wisch , er könnt mich nur verraten . Ich habe Wort und Handschlag von dir , selbes genügt . Mit Dank für deinen Freundschaftsdienst dein treugeneigter Gottfried Nothafft . « 4 Eh noch der Friede geschlossen wurde , legte sich Gottfried zum Sterben hin . Er wurde in dem kleinen Kirchhof an der Mauer begraben , und ein Kreuz wurde aufgerichtet . Jason Philipp und Therese waren zur Beerdigung gekommen und blieben drei Tage bei Marianne wohnen . Die Hinterlassenschaftsprüfung ergab zu Mariannes Schrecken , daß keine zwanzig Taler im Hause waren , und was sie vor sich sah , war ein Leben der Not und des Kummers . Da waren Jason Philipps Ratschläge und Anordnungen ein rechter Trost , und seine Erklärung , daß er ihr nach Kräften beistehen wolle , beruhigte ihr Herz . Es wurde beschlossen , daß sie einen Kramladen einrichten solle , und Jason Philipp schoß hundert Taler vor . Es hatte den Anschein , als sei Jason Philipp ein gemachter Mann . Er trug den Kopf hoch , und seine runden Bäckchen zeugten von Wohlgenährtheit . Er trommelte gern an die Fensterscheiben und pfiff dabei . Es war die Marseillaise , die er pfiff , aber in Eschenbach wußte man das nicht . Daniel blickte aufmerksam auf seine Lippen und pfiff die Weise nach . Da lachte Jason Philipp , daß sein Bäuchlein erbebte , dann