, drängte sich mir plötzlich der Einfall auf , als ich die ausgetretenen Stufen zu meiner Kammer emporstieg und mir über das speckige Aussehen der Steinschwellen flüchtige Gedanken machte . Da hörte ich Schritte die oberen Treppen über mir vorauslaufen , und als ich zu meiner Tür kam , sah ich , daß es die vierzehnjährige , rothaarige Rosina des Trödlers Aaron Wassertrum gewesen war . Ich mußte dicht an ihr vorbei , und sie stand mit dem Rücken gegen das Stiegengeländer und bog sich lüstern zurück . Ihre schmutzigen Hände hatte sie um die Eisenstange gelegt , - zum Halt - und ich sah , wie ihre nackten Unterarme bleich aus dem trüben Halbdunkel hervorleuchteten . Ich wich ihren Blicken aus . Mich ekelte vor ihrem zudringlichen Lächeln und diesem wächsernen Schaukelpferdgesicht . Sie muß schwammiges , weißes Fleisch haben wie der Axolotl , den ich vorhin im Salamanderkäfig bei dem Vogelhändler gesehen habe , fühlte ich . Die Wimpern Rothaariger sind mir widerwärtig wie die eines Kaninchens . Und ich sperrte auf und schlug rasch die Türe hinter mir zu . - - Von meinem Fenster aus konnte ich den Trödler Aaron Wassertrum vor seinem Gewölbe stehen sehen . Er lehnte am Eingang der dunklen Wölbung und zwickte mit einer Beißzange an seinen Fingernägeln herum . War die rothaarige Rosina seine Tochter oder seine Nichte ? Er hatte keine Ähnlichkeit mit ihr . Unter den Judengesichtern , die ich Tag für Tag in der Hahnpaßgasse auftauchen sehe , kann ich deutlich verschiedene Stämme unterscheiden , die sich so wenig durch die nahe Verwandtschaft der einzelnen Individuen verwischen lassen , wie sich Öl und Wasser vermengen wird . Da darf man nicht sagen : die dort sind Brüder oder Vater und Sohn . Der gehört zu jenem Stamm und dieser zu einem andern , das ist alles , was sich aus den Gesichtszügen lesen läßt . Was bewiese es auch , wenn selbst Rosina dem Trödler ähnlich sähe ! Diese Stämme hegen einen heimlichen Ekel und Abscheu voreinander , der sogar die Schranken der engen Blutsverwandtschaft durchbricht , - aber sie verstehen ihn geheimzuhalten vor der Außenwelt , wie man ein gefährliches Geheimnis hütet . Kein einziges läßt ihn durchblicken , und in dieser Übereinstimmung gleichen sie haßerfüllten Blinden , die sich an ein schmutzgetränktes Seil klammern : der eine mit beiden Fäusten , ein anderer nur widerwillig mit einem Finger , alle aber von abergläubischer Furcht besessen , daß sie dem Untergang verfallen müssen , sobald sie den gemeinsamen Halt aufgeben und sich von den übrigen trennen . Rosina ist von jenem Stamme , dessen rothaariger Typus noch abstoßender ist , als der der andern . Dessen Männer engbrüstig sind und lange Hühnerhälse haben mit vorstehendem Adamsapfel . Alles scheint an ihnen sommersprossig , und ihr ganzes Leben leiden sie unter brünstigen Qualen , diese Männer , - und kämpfen heimlich gegen ihre Gelüste einen ununterbrochenen , erfolglosen Kampf , von immerwährender widerlicher Angst um ihre Gesundheit gefoltert . Ich war mir nicht klar , wieso ich Rosina überhaupt in verwandtschaftliche Beziehungen mit dem Trödler Wassertrum bringen konnte . Nie habe ich sie doch in der Nähe des Alten gesehen oder bemerkt , daß sie jemals einander etwas zugerufen hätten . Auch war sie fast immer in unserem Hofe oder drückte sich in den dunklen Winkeln und Gängen unseres Hauses umher . Sicherlich halten sie alle meine Mitbewohner für eine nahe Verwandte oder zumindest Schutzbefohlene des Trödlers , und doch bin ich überzeugt , daß kein einziger einen Grund für solche Vermutungen anzugeben vermöchte . Ich wollte meine Gedanken von Rosina losreißen und sah von dem offenen Fenster meiner Stube hinab auf die Hahnpaßgasse . Als habe Aaron Wassertrum meinen Blick gefühlt , wandte er plötzlich sein Gesicht zu mir empor . Sein starres , gräßliches Gesicht mit den runden Fischaugen und der klaffenden Oberlippe , die von einer Hasenscharte gespalten ist . Wie eine menschliche Spinne kam er mir vor , die die feinste Berührung ihres Netzes spürt , so teilnahmslos sie sich auch stellt . Und wovon er nur leben mag ? Was denkt er , und was ist sein Vorhaben ? Ich wußte es nicht . An den Mauerrändern seines Gewölbes hängen unverändert Tag für Tag , jahraus jahrein dieselben toten wertlosen Dinge . Mit geschlossenen Augen hätte ich sie hinzeichnen können : hier die verbogene Blechtrompete ohne Klappen , das vergilbte Bild auf Papier gemalt , mit den so sonderbar zusammengestellten Soldaten . Dann eine Girlande verrosteter Sporen an einem schimmligen Lederriemen und anderes halb vermodertes Gerümpel . Und vorne auf dem Boden , dicht nebeneinander geschichtet , so daß niemand die Schwelle des Gewölbes überschreiten kann , eine Reihe runder eiserner Herdplatten . - Alle diese Dinge nahmen an Zahl nie zu , nie ab , und blieb wirklich hier und da einmal ein Vorübergehender stehen und fragte nach dem Preis des einen oder anderen , geriet der Trödler in heftige Erregung . In grauenerregender Weise zog er dann seine Lippen mit der Hasenscharte empor und sprudelte gereizt irgend etwas Unverständliches in einem gurgelnden , stolpernden Baß hervor , daß dem Käufer die Lust weiter zu fragen verging und er abgeschreckt seinen Weg fortsetzte . Der Blick des Aaron Wassertrum war blitzschnell von meinen Augen abgeglitten und ruhte jetzt mit gespanntem Interesse an den kahlen Mauern , die vom Nebenhause an mein Fenster stoßen . Was konnte er dort nur sehen ? Das Haus steht doch mit dem Rücken gegen die Hahnpaßgasse , und seine Fenster blicken in den Hof ! Nur eines ist in die Straße gekehrt . Zufällig schienen die Räume , die nebenan in derselben Stockhöhe wie die meinigen liegen - ich glaube , sie gehören zu einem winkligen Atelier - in diesem Moment betreten worden zu sein , denn durch die Mauern hörte ich plötzlich eine männliche und eine weibliche Stimme miteinander reden . Unmöglich konnte das aber der Trödler von unten aus wahrgenommen haben ! - - Vor