sich stets an ihn . Die alten Herren bewunderten ihn und lauschten seinen Worten wie einem Evangelium . Am Kamin bei der Nachmittagszigarre liebte es der Baron , zu seinem alten Freunde , dem Baron Port auf Witzow , von seinen Grundsätzen zu sprechen : » Ansichten , die jungen Leute wollen jetzt allerhand Ansichten haben . Nun ja , ich bestreite ja nicht , es mag allerhand Ansichten und Grundsätze geben , die ganz gut und richtig sind für andere . Man braucht ja schließlich kein Edelmann zu sein , aber für uns gibt es gewisse Ansichten und Grundsätze , die richtig und wahr sind , nicht weil jemand sie uns bewiesen hat , sondern weil wir wollen , daß sie richtig und wahr sind . Mir braucht man nichts zu beweisen und zu erklären . Ich will , daß das und das wahr und richtig ist , weil , wenn das falsch ist , ich nicht mehr der von der Warthe bin , der ich bin , und du nicht von Port bist , der du bist , weil wir sonst beide alte Narren wären . Siehst du , das sage ich . « Als sein Freund zu sprechen anfing , hatte der Baron Port sich aus der leichten Nachmittagsschläfrigkeit aufgerüttelt . Er beugte den schweren Oberkörper nach vorn , legte die Hand an das Ohr und hörte aufmerksam zu . Als die Rede zu Ende war , schlug er dem Baron von der Warthe mit der flachen Hand auf das Knie und meinte : » Da hast du wieder recht , Bruder . « Dann lehnten die beiden Herren sich in ihre Sessel zurück und sogen befriedigt an ihren Zigarren . Vorbildlich wie die Ansichten und die Landwirtschaft des Baron von der Warthe für seine Nachbarn waren , so war es auch sein Haus , die hohen Zimmer voll weitläufiger , schwerer Mahagonimöbel , großer Kachelöfen , voller Ahnenbilder und alten Silbers , in denen sich ein Leben geregelter Wohlhabenheit behaglich abspann . » Unsere Vornehmheit ist schlicht « , pflegte der Baron zu sagen . Er liebte das Wort » schlicht « und fuhr gern , wenn er es aussprach , mit der flachen Hand waagerecht durch die Luft . Daß die beiden Kinder des Barons in Paduren , Fastrade und Bolko , Vorbilder für alle Kinder der Nachbarschaft waren , das wußte jedes Kind der Gegend . Die Baronin von der Warthe war bei der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben , die Baronesse Arabella stand dem Haushalt ihres Bruders vor und erzog die Kinder , und auch diese Erziehung wurde allgemein bewundert . Da war der Hauslehrer , Herr Arno Holst , der Bolko auf die höheren Gymnasialklassen vorbereiten sollte und die eben erwachsene Fastrade noch in Literatur und Kunstgeschichte einführte . Ein schmalschulteriger junger Mann mit kurzsichtigen braunen Augen , blonden Locken und einem hübschen Mädchengesicht . Er war sehr musikalisch , sang mit einer schönen Baritonstimme , las Schillersche Dramen vor und war von einer fast knabenhaft schwärmerischen Begeisterung für alles Schöne . Der Padurensche Hauslehrer war in der ganzen Nachbarschaft berühmt . » Es ist toll , « sagte Baron Port zu seiner Frau , » wenn der Warthe sich was anschafft , so ist es unfehlbar erster Güte . Wie er das nur macht ? Hat er einen Hühnerhund , so ist der hasenreiner als alle unsere Hunde , nimmt er sich einen Hauslehrer , so ist das gleich ein ungewöhnlich scharmanter Kerl . « » Kränklich scheint er mir « , sagte die Baronin , die es nicht liebte , die Schattenseiten an Menschen und Sachen zu übersehen . Um so größeres Erstaunen erregte die Nachricht , Herr Holst habe das Schloß plötzlich verlassen . In Paduren tat man so , als sei nichts Besonderes geschehen , es sei eben an der Zeit , Bolko auf das Gymnasium zu schicken . Allein ein Gerücht , niemand wußte , woher es kam , wollte nicht verstummen , es erzählte von wunderlichen Dingen , welche sich in Paduren ereignet haben sollten . Hatte sich Herr Holst in Fastrade verliebt ? Hatte Fastrade sich in den hübschen Hauslehrer verliebt ? Hatten sie sich verlobt , und hatte es einen bösen Familienauftritt gegeben ? Niemand glaubte so recht daran , dennoch wurde auf den benachbarten Gütern eifrig darüber geflüstert , und es war , als sei den meisten der Gedanke nicht angenehm , daß es auf Paduren auch nicht immer so einwandfrei hergebe , wie es scheinen wollte . Von Warthes war natürlich nichts zu erfahren . Bolko kam auf das Gymnasium , der Baron war würdig und voll Autorität wie immer , die Baronesse Arabella schwieg , und Fastrade sah man wie sonst auf ihrem kleinen Schimmel die Waldwege entlang jagen im blauen Reitkleid . Unter der weißen Knabenmütze flatterte blondes Haar um das runde , über und über rosa Gesicht , auf den Lippen ein stetiges Lächeln , als lächelte sie dem scharfen Luftzuge der tollen Bewegung zu . Auch in Gesellschaft war sie wie sonst das unbefangene heitere Mädchen mit dem hinreißenden Lachen . Sie bog dann den Kopf zurück , öffnete die Lippen ein wenig weit , und die Augen wurden glitzernd und feucht . » Die Augen der kleinen Warthe machen mich durstig , « hatte Dietz von Egloff gesagt , » auf der ganzen Welt habe ich nach einem Getränk gesucht , so stark blau und ganz durchsichtig , aber das gibt es nicht . « Zwei Jahre vergingen , Bolko bezog die Universität , Fastrade feierte ihren einundzwanzigsten Geburtstag , als wiederum eine Nachricht die Gegend in Aufregung versetzte . Fastrade , hieß es , verlasse ihr väterliches Haus , um fern irgendwo , in Hamburg sagte man , im Krankenhause die Krankenpflege zu erlernen . Die Nachricht bestätigte sich und war doch so unglaublich . Wie oft hatten nicht alle es von dem Baron von der Warthe gehört : » Unsere Töchter gehören in unser Haus