Die arme Frau pflegt ihren gelähmten Mann Tag und Nacht . Die sieht ja keinen . Eine neue Pelzjacke ist da doch eine sehr unschuldige Zerstreuung . « » Dich sieht sie doch . « Lene nahm einen herausfordernden Ton an , als suche sie Streit . Werner zuckte nur die Achseln . » Mich ! « » Ja dich « , fuhr Lene fort . » Und du bist doch auch in sie verliebt , - etwas - nicht ? « Heute ärgerte das Werner nicht . » Wenn du willst ! « meinte er . Die kleine Frau durfte heute ruhig mit ihm spielen , wie mit einem großen , gutmütigen Neufundländer . Ein wenig schweigsam war er , aber das pflegte er am Sonnabend immer zu sein , wenn die Predigt ihm im Kopfe herumging . Nach dem Essen saß das Ehepaar am Kaminfeuer . Durch das Fenster , an dem die Läden offen geblieben waren , schaute die bleiche Schneenacht in das Zimmer . Aus der Gesindestube klang Tijas dünne , zitternde Stimme . Sie sang einen Gesangbuchvers . » So ist ' s hübsch « , sagte Lene . » So ist ' s gemütlich ! Nicht wahr ? Alles ist still , und das Feuer , - und man sitzt beisammen . « » Stell doch der Lebenslage keine Zensur aus « , versetzte Werner , der sinnend in das Feuer starrte . » Warum ? « fragte Lene eigensinnig . » Weil , weil « - Werners Stimme wurde streng - » weil Zensuren ausgestellt werden , wenn die Schule zu Ende ist . « » Deshalb ! « meinte Lene , die ihn nicht recht verstanden hatte . » Nun sei aber nicht ungemütlich , Wernerchen . « Sie stand auf , ging zu ihm , setzte sich auf seine Knie , schmiegte sich an seine Brust , umrankte den großen Mann ganz mit ihrer kleinen , legitimen Sinnlichkeit , die sich schüchtern hervorwagte . » Wir sind doch glücklich ! « sagte sie . » Ich sag ' s doch . Ich stell ' gute Zensuren aus . « Werner saß still da , ließ sich von der Wärme dieses jungen Frauenkörpers durchdringen . Dann plötzlich schob er Lene beiseite und stand auf . » Wohin ? « fragte sie erschrocken . » Oh - nichts « , erwiderte er , » ich - ich will mir noch was überlegen . « » Diese ewige Predigt ! « seufzte Lene . » Worüber predigst du denn morgen ? « » Über die Versuchung in der Wüste , du weißt ' s ja . « » Ach ja ! Sei doch nicht wieder so streng . Wenn du so herunterdonnerst , wird einem ganz bang . « Er zuckte die Achseln . » Seit wann willst du denn Einfluß auf meine Predigten nehmen ? « Also nun hatte sie ihn auch noch geärgert . Sie schwieg . Während Werner , die Hände auf dem Rücken , im Zimmer auf und ab ging , kauerte sie auf ihrem Sessel und folgte ihm unverwandt mit den Blicken . Eben noch hatte sie sich glücklich gefühlt , jetzt war wieder etwas über ihn gekommen , das sie nicht verstand . Sie fühlte , wie müde ihre Glieder von der Arbeit des Tages waren , und das Traurige war über sie gekommen , dem sie nicht nachdenken wollte . Sie folgte Werner mit den Blicken , wie er auf und ab ging , sehr aufrecht in seinem schwarzen Rock , auf und ab , bis seine Gestalt undeutlich wurde und ihr die Augen zufielen . » Herunterdonnern « , hatte Lene gesagt , ja , das liebte er , das Predigen war wie das Singen , da konnte er sich ausgeben , da hatte er das Gefühl , als » ginge eine Kraft von ihm aus « , wie die Bibel sagt . All die großen , schönen Worte , der große Zorn , mit dem er drohen , die ganz großen Seligkeiten , die er versprechen konnte , und all das war unendlich und ewig , das gab auch einen Rausch . Er freute sich schon darauf . Dazu zog die Versuchung in der Wüste , diese wunderbare Geisterunterhaltung , groß wie Dantes Verse , ihn seltsam an . Das Wilde des Kampfes der beiden Wunderkräfte in der Wüste regte ihn auf . In tiefem Sinnen ging er auf und ab , vergaß seine Umgebung , bis ein verschlafener Laut aus Lenes halbgeöffneten Lippen ihn aufschauen machte . » Ja so - der Friede des Pastorats « - dachte er nicht ohne Bitterkeit . Weiß es Gott ! ihm war wenig friedlich zumute ! Er stellte sich an das Fenster , schaute in die Nacht hinaus . Oben am Himmel war Aufregung unter den Wolken , zerfetzt und gebläht wie Segel schoben sie sich aneinander vorüber . Der Mond mußte irgendwo sein , aber er wurde verdeckt , nur ein schwaches , müdes Dämmerlicht lag über der Ebene . Frieden ! Ja , wenn einer sich beständig mit Wunderdingen abgeben muß , wenn er immer diese Sprüche im Munde führen muß , die so voll Leidenschaft und Zorn und Süßigkeit und Geheimnis sind , wo soll da der Friede herkommen ? Das Herz wird so empfindlich und so erregt , daß es auf alles hineinfällt . Der Wind trieb kleine Schneewirbel wie weiße Rauchwölkchen über die Ebene . Winzige Lichtpünktchen waren in die Nacht gestreut , wie verloren in dem fahlen , weißen Dämmern . Dort die Reihe heller Punkte waren die Fenster des Schlosses Dumala . Werner fiel die neue Pelzjacke der Baronin Werland ein , und dann sah er das große , düstere Zimmer vor sich , die grün verhangene Lampe , am Kamin im Sessel den Herren mit dem wachsgelben , scharfen Gesicht , die Füße in eine rote Decke gewickelt . Bei ihm auf dem niedrigen Stühlchen die schöne Frau mit