ruhigen Schritten , während er im Gebete versunken ist ; und der Kooperator geht so leise herum , daß man das Schmatzen seiner Lippen hört , wenn er sein Brevier liest . Ein gottseliges Wesen ist in der Luft und dringt durch die Fenster und Schlüssellöcher . Unsichtbare Englein fliegen herum , durch keinen rauhen Lärm verscheucht . Alle Türen klinken leise ein , und die fleischlichen Menschen schlürfen auf Pantoffeln durch den gewölbten Gang . An allen Wänden ist Frömmigkeit , nichts als Frömmigkeit . Hier hängt das Bild des Erlösers mit der Dornenkrone . Dicke , rotgemalte Blutstropfen stehen auf seiner Stirne und rinnen über den goldgestickten Krönungsmantel herab ; dort ist Maria zu erblicken , die ihr Antlitz schmerzlich zum Himmel richtet . Aus ihren Augen fließen reichliche Tränen , und in ihre Brust sind spitzige Schwerter eingebohrt . Darunter steht : » Heilige Maria , Mutter des Weltheilands . Meines Herzens sehnlichster Wunsch und Gebet ist , daß mein Volk selig werde . Amen . « Über einer anderen Tür ist ein großes Herz gemalt , und wieder fallen Blutstropfen hernieder über die helle Wand . In großen Buchstaben liest man geschrieben : » Süßes Herz Jesu , sei meine Liebe ! « Neben der Treppe ist ein kleiner Altar aufgebaut ; davor leuchtet eine rote Ampel still und feierlich in dem Frieden dieses Hauses . Aber heute wurde es mit einem Male laut . Jemand riß heftig an der Glocke , daß sie durch den Gang schrillte , und als die Köchin Maria Lechner beim Öffnen der Türe den Ruhestörer zurechtweisen wollte , stapfte er schon an ihr vorbei auf genagelten Stiefeln . Die Schritte hallten an den Wänden wider , und bei dem ungewohnten Lärm zitterten die Heiligenbilder in ihren Rahmen , und die Englein flüchteten erschrocken durch das geöffnete Fenster . Auch Fräulein Lechner war aus ihrem Gleichmaße gebracht ; während sie sonst , wenn Besuch kam , die Hände sittsam zum Gebete faltete , stemmte sie diesmal die Arme in die Seiten und fragte mit fetter Stimme : » Was ist denn das für ein Lümmel ? « Es war Andreas Vöst , der Schullerbauer von Erlbach , und er stieß jetzt an alle Stufen an , daß die alte Stiege krachte und seufzte . Denn sie war an solche Tritte nicht gewöhnt . Oben unterbrach der Kooperator sein Gebet und schaute entsetzt auf den Gang hinaus . » Gelobt sei Jesus Christus ! « sagte er ; der Schuller achtete nicht darauf und ging weiter bis zur vordersten Türe . Er hatte kein Empfinden für die Heiligkeit dieses Hauses , er klopfte mit groben Knöcheln an und wartete kaum auf das » Herein « . Und drinnen stand er breitbeinig vor seinem Seelsorger und sah ihn mit Blicken an , die keine Demut verrieten . Herr Georg Baustätter , Pfarrer in Erlbach und Kämmerer des Kapitels Berghofen , ging ihm entgegen und lächelte . Aber es lag Trauer in diesem Lächeln . Und er sagte : » Ich weiß , warum Ihr kommt , Vöst . « » Dös is net schwaar zum derraten , « erwiderte der Schullerbauer , » also is ' s jetzt soweit , daß ma dös kloa Kind eigrabt , als wia r ' an Hund ? « » Es ist die Vorschrift unserer heiligen Religion . « » So , heilig is dös ? « » Werdet nicht heftig ! « sagte der Pfarrer und sah auf seine gefalteten Hände nieder , » ich bin doch heute morgen bei Euch gewesen und habe Euch alles auseinandergesetzt . « » Ja , aba i hab gmoant , es kunnt no anderst wer ' n. Jetzt hat da Kaspar scho ' s Loch aufgraben . Mei Knecht hat ' n g ' sehg ' n. « » Wir dürfen über die Gesetze unserer Kirche nicht murren ; wir müssen bedenken , daß sie unsere Mutter ist und unser Bestes will ... « » Und mi müaßten ins no bedanka ... « » Unterbrecht mich nicht ! Es geht Euch wie dem Sohne , der die Strenge der Mutter fühlt , aber nicht sieht , daß sie heilsam ist . « » Also is jetzt da gar nix mehr z ' macha ? « » Wir wollen hoffen , daß Gott dieses Kindlein in den Vorhof der Seligkeiten gelangen läßt ; wir wollen darum beten , aber es steht nicht in unserer Macht , dasselbe in geweihter Erde zu begraben . « » Aba sinscht grabt ' s an jeden ei , und bal oana köpft werd , nacha grabt ' s ' n aa ' r ei , und bal ... « » Ihr versündigt Euch , aber ich will es verzeihen , weil Ihr schmerzlich bewegt seid . « » I hab koan Schmerz durchaus gar net , « sagte der Schuller und zog seinen ledernen Geldbeutel aus der Tasche . » I hab durchaus koan Schmerz net . Was koscht ' s , bal ' s Kind in Freithof a richtig ' s Grab kriagt ? « » Es sind Worte genug geredet , Vöst . Geht jetzt heim ! « Die Stimme des Pfarrers klang noch immer sanft , aber seine Augen waren zornig . Der Schullerbauer achtete es nicht . » Wos ? « sagte er , » ös mögt ' s mei Geld aa net ? Dös muaß des erscht Mal sei , daß a Bauernmensch sei Geld net o ' bringt . « » Geht heim , Vöst ! Ich sage es zum letztenmal . Eure Gesinnung ist mir nicht unbekannt ; ich weiß wohl , in welchem Hause die schlechtesten Reden geführt werden , und wo der Geist der Auflehnung waltet . « Der geistliche Hirte war heftig geworden , und er hatte alle Sanftmut verloren . Er hielt seine Hände nicht mehr gefaltet , sondern streckte die Rechte gebieterisch gegen die Türe aus . Der Schuller blickte ihn an