innen ! « herrschte er , » Beklemmung geziemt ihr , nicht mir , dem Richter ! « Zog die Klingel und eilte die Treppe hinauf , die Stufen überspringend . Es tue ihr leid , flötete das Dienstmädchen mit süßlicher Miene , Herr und Frau Direktor wären ausgegangen . Darob knirschte sein Unwille . Auf jeden Empfang war er gefaßt gewesen , nur nicht auf keinen . Überhaupt liebte er nicht , wenn jemand , den er besuchen wollte , nicht zu Hause war . » Ausgegangen ! « Die geht also am hellen , lichten Tage mit jenem aus ? ! Freilich , das Recht dazu hatte sie , allein es gibt nicht bloß ein Recht , es gibt auch eine Scham . » Hier meine Karte , und ich würde um drei Uhr nachmittag wieder vorsprechen . « » Frau Direktor werden schwerlich heute nachmittag zu Hause sein « , wagte das Dienstmädchen . » Sie wird zu Hause sein ! « befahl er , kehrte sich und ging . Was für eine boshafte Person , dieses Dienstmädchen ! Wie giftig sie das Wort Frau Direktor betont hatte , beinahe höhnisch . Auf der Treppe begegnete ihm der Briefträger . » Eine Postkarte für Frau Direktor « , meldete er nach oben . Der auch ! feiges Volk ! Tatsachenknechte ! Hätte ich sie geheiratet , so würden sie sie heute wahrscheinlich mit meinem Namen nennen . Auf der Straße zog er die Uhr : » Halb zwölf ; reicht zur Not gerade noch zu Frau Steinbach vor dem Mittagessen . Ein wenig weit zwar von der Münstergasse ins Rosental , allein wenn man ein bißchen auszieht ... « - und das trauliche Gärtchen mit den Astern im Herbstsonnenschein leuchtete ihm ins Gedächtnis . Rüstig machte er sich auf den Weg , glücklächelnd ob der Vorstellung , die Freundin wiederzusehen . Und je länger , desto rascher trieb ihn das Verlangen . Vor dem Gartentürchen jedoch stutzte er : » Natürlich wahrscheinlich ebenfalls nicht zu Hause , denn wenn das einmal anfängt , so geht es wie eine Seuche . « Doch nein , Wunder ! ein Freudenruf erscholl oben aus dem Fenster , und freundschaftstrahlend eilte sie ihm entgegen , die Treppe herab . Wenig fehlte , so wären sie sich um den Hals gefallen . An beiden Händen zog sie ihn mit sich : » Sind Sies auch wirklich ? - Und nun setzen Sie sich und erzählen Sie mir ! Vor allem , lieber Freund , wie geht es Ihnen ? « » Wie soll ich das wissen ? « Laut auf lachte sie vor Vergnügen : » Daran erkenne ich Sie wieder ! Also : reden Sie , sprechen Sie , einerlei was ! Nur daß man Ihre Stimme hört ! Damit man auch ganz sicher weiß , Sie sind es leibhaftig , und es ist nicht etwa bloß ein schönes Märchen . Denn bei Ihnen , mein Herr , geht ja Phantasie und Wirklichkeit derart durcheinander , daß man sich nicht wundern würde , wenn Sie einem plötzlich wieder unter den Augen verschwänden . « » Ein bißchen aus dem Geleise , der Gedankenzug « - scherzte er - » nicht ganz tadellos gekuppelt . Befehlen Sie übrigens , daß ich mich rundherum drehe , um Sie von meiner Leibhaftigkeit zu überzeugen ? « » Nein , geben Sie mir lieber noch einmal die Hand . - So ! Nun halte ich Sie aber fest . - Nein , diese Überraschung ! Wann sind Sie denn eigentlich angekommen ? « » Gestern abend . - Aber wissen Sie auch , daß Sie je länger , je jünger und hübscher werden ? Und - natürlich , das fehlt nicht , immer mit dem erlesensten Geschmack gekleidet ! « » O lala ! Schweigen Sie ! Eine alte dreiunddreißigjährige Witwe ! Und Sie - etwas kräftiger und männlicher , scheint mir , als vor vier Jahren ; wie soll ich sagen - sicherer , mutiger ! « » Übermütig sogar , unternehmend , angriffslustig ! « » Möge es so bleiben . Dann darf man also bald etwas Großes , Schönes von Ihnen erwarten ? Sie wissen , wie ich darauf zähle . « » Ach Gott , was das betrifft « - seufzte er und sann sorgenvoll vor sich hin . » Und wenn Sie noch so ein kummervolles Gesicht machen « - lachte sie - » so habe ich doch kein Mitleid mit Ihnen , nicht das mindeste . Vollendungswehen , Siegessorgen ! « Da summte vom Münster drüben die Mittagsglocke ihren tiefen Sang . » Wissen Sie was « - schmeichelte sie , während er sich erhob - » kommen Sie diesen Nachmittag zu einer Tasse Tee , ganz allein unter uns . « Schon wollte er freudig zusagen , da erinnerte er sich : » Leider schon anderswo verpflichtet « , bedauerte er verstimmt . » Ei , sieh doch ! Gestern abend erst angekommen und heute schon vergeben ? Indessen , ich will mich nicht in Ihre Geheimnisse drängen . « Ungern gestand er , doch gerade deshalb tat ers , denn er gestattete sich keine Feigheitchen . » Es ist kein Geheimnis « - sagte er - » für niemand , geschweige denn für Sie . Ich habe mich nämlich auf drei Uhr nachmittag bei Direktor Wyß angemeldet . « Befremdet schaute sie ihn an : » Was in aller Welt haben Sie in dem demokratischen Tugendtempel verloren ? Kennen Sie denn den Herrn Direktor ? « » Ihn nicht , hingegen sie . « Jetzt verwandelte sich ihr Gesicht und nahm einen kalten Ausdruck an . » Ich weiß , ich weiß « , sagte sie , sich abwendend , » Sie haben sie vor vier Jahren einmal flüchtig an einem Kurorte getroffen . Ein oder zwei Tage , glaub ich . « » Flüchtig ! « - rief er empört - » flüchtig ? Das sagen