sprachen sie französisch , und zwar so vorzüglich , daß eine langjährige Uebung mit Gewißheit anzunehmen war . Was ihre Gesichter betrifft , so trat der mongolische Schnitt derselben nur wenig hervor . Bei dem Sohne mochte diese Milderung eine Folge der Jugend sein ; bei dem Vater aber war es ganz entschieden der Wirkung geistiger Tätigkeit zuzuschreiben , daß ihn fast nur der echt chinesisch gepflegte Bart als einen » Sohn der Mitte « verriet . Man brauchte kein Menschenkenner zu sein , um diesem Manne anzusehen , daß sein Arbeitsfeld wohl kaum jemals ein materielles gewesen sei . Nach Tische wurde draußen im Flur während des allgemeinen Speech die Tatsache festgestellt , daß die beiden Chinesen erstens aus Canton , zweitens Onkel und Neffe und drittens in Paris gewesen seien , um dort ein Geschäft für Chinawaren einzurichten , dessen Leitung der Neffe übernehmen werde . Er habe den Onkel nur nach Aegypten zurückbegleitet , um die Trennung zu verzögern , werde aber hier von ihm Abschied nehmen und dann , direkt nach Paris zurückkehren . Es war mir gleichgültig wer diese Entdeckung gemacht hatte . Ich konnte mir nicht denken , daß dieser so eigenartig , ich möchte sagen , geheimnisvoll geistreich aussehende » Monsieur Fu « ein Kaufmann sei , dessen Bestreben darin bestehe , billige chinesische Fächer und Vasen in Paris teuer an den Mann zu bringen . Der Zufall war so gütig , mich schon am nächsten Morgen einen heimlichen Blick in diese Verborgenheit tun zu lassen . Ich logierte , um möglichst viel Luft und Licht zu haben , zwei Treppen hoch und saß , mit Briefen beschäftigt , auf dem Balkon , als ich die Chinesen aus dem Hotel treten und hinüber zu Sejjid Omar gehen sah . Dieser besorgte ihnen zu seinem noch einen zweiten Esel , worauf er mit ihnen davontrabte . Dann hörte ich unter mir klopfen und bürsten . Das störte mich und wollte kein Ende nehmen . Ich bog mich über die Brüstung vor und schaute hinab . Es war nicht , wie ich vermutet hatte , das Zimmermädchen , sondern ein chinesischer Diener , welcher einen Koffer geöffnet hatte , um den Inhalt desselben einer Besichtigung resp . Säuberung zu unterwerfen . Die Chinesen wohnten also eine Treppe hoch grad unter mir . Ich ließ den Mann weiter klopfen und bürsten , ohne den Attentäter , was ich eigentlich beabsichtigt hatte , zur Ruhe zu verweisen . Dann wurde es still unter mir , doch verriet mir wiederholtes Räuspern , daß der Diener noch da sei . Ich schaute wieder hinab . Er war jetzt mit einem andern , kleinen Koffer beschäftigt , den er geöffnet hatte . Er ordnete da verschiedene Gegenstände mit einer Behutsamkeit , die auf ungewöhnlichen Wert schließen ließ , und versicherte sich von Zeit zu Zeit durch einen Blick nach den benachbarten Balkonen , daß er nicht beobachtet werde . Der Inhalt dieses Koffers schien also Dinge zu enthalten , von denen nicht Jedermann wissen durfte . Eben jetzt hatte er einen Gürtel in der Hand , an welchem eine goldene , mit Rubinen besetzte Schnalle glänzte . Diese Art von Schnallen dürfen nur Mandarinen ersten und zweiten Ranges tragen ! Dann sah ich ein Putsu1 erscheinen , dessen Stickerei einen Storch vorstellte . Nach einer Kugelkette , einer Pfauenfeder und verschiedenen anderen Gegenständen , welche ich wegen ihrer Kleinheit nicht deutlich erkennen konnte , kam einer jener Beamtenhüte zum Vorschein , welche nur im Sommer getragen und darum » warme « Hüte genannt werden . Er hatte einen glatten , roten , ungeblümten Korallenknopf . Kugelketten dürfen nur von Mandarinen ersten bis fünften Grades um den Hals getragen werden . Pfauenfedern sind besondere Auszeichnungen ; aber der Korallenknopf ist nur den Mandarinen ersten Ranges erlaubt . Diese sind entweder Zivil- oder Kriegsmandarinen . Die ersteren haben ein Putsu mit Storch , die letzteren ein dergleichen Schild mit dem Bilde des Einhorns zu tragen . Die Zivilbeamten werden mehr als die militärischen geehrt . Ich hatte also erfahren , daß » Monsieur Fu , « denn nur auf ihn konnten sich diese Auszeichnungen beziehen , ein Zivilmandarin allerhöchsten Ranges war , und nahm mir selbstverständlich vor , dies keinem Menschen mitzuteilen . Mehr zu sehen , wurde mir durch meinen Bleistift unmöglich gemacht . Ich hatte ihn hinter das Ohr gesteckt ; er verlor dadurch , daß ich den Kopf vor und nach unten gebeugt hatte , den Halt , fiel hinab und traf grad vor dem Diener auf das Balkongeländer auf . Der Chinese stieß einen Ruf des Schreckens aus , raffte Alles schnell zusammen und war im nächsten Augenblicke verschwunden . Auch dieser sein Schreck war ein Beweis , daß seine beiden Herren ihren Stand nicht zu verraten wünschten . Wir befanden uns im Vorsommer , also in der Zeit , in welcher der Khamsin jährlich gegen fünfzig Tage lang der höchst ungern gesehene Gast Aegyptens ist . Dieser heiße , trockene Südwestwind , welcher den feinen Staub der Wüste mit sich führt , kann , wenn er stark auftritt , so erschlaffend wirken , daß sowohl der Einheimische als auch der Fremde Alles meidet , was mit einer körperlicher Anstrengung verbunden ist . Am Tage nach der soeben erzählten Entdeckung wehte er ganz besonders entkräftend von Gizeh und Aryahn herüber . Man mied die Straßen , und die sonst so gern besuchten Plätze vor den Kaffeehäusern waren noch um die Zeit des Asr , des täglichen Nachmittagsgebetes , unbesetzt . Dies veranlaßte mich , nach dem Dschebel Mokattam zu reiten . Ich war den Khamsin längst gewohnt ; er konnte mich nicht belästigen und hielt im Gegenteile andere Leute ab , mich da oben in dem mir lieb gewordenen Genuß zu stören . Der Blick vom Mokattam und dem Dschebel Giyuschi ist unbeschreiblich schön , mir aber doppelt wert , wenn beim Sonnenuntergange die Beleuchtung der Stadt und ihrer Umgegend durch den in der Luft schwebenden Khamsinstaub zu