mußte . Nach dem Essen räumte die Mutter das gebrauchte Geschirr ab ; nur das Gedeck für den Vater ließ sie liegen , hob ihm auch in der Ofenröhre seinen Haferbrei auf . Dann war Hans wieder allein mit der Großmutter in der Stube . Da hatte sich die Katze hereingeschlichen , ging leise vor den Ofen , putzte sich mit Sorgfalt , und dann setzte sie sich mit rechter Behaglichkeit , schloß die Augen halb und spann ; Hans lag vor ihr auf der Erde und sah ihr ins Gesicht , so daß sie verlegen wurde ; er hätte gern gewußt , wie sie das Spinnen machte . Dann betrachtete er die beiden großen Bilder über dem Sofa ; das waren der Beerdigungszug des Jägers und der Beerdigungszug des Fischers . Dem Sarg des Jägers folgten alle Tiere auf der Erde , der Hirsch , das Reh , die Sau , der Fuchs und alle Vögel und ein kleines Eichhörnchen ; und bei dem Fischer folgten die Fische , denn es floß da ein Wasser . Er dachte sich immer , wie das sein müßte , wenn er auch ein Tier wäre und folgte da mit in dem Bilde ; man sah recht tief in einen schönen und saubern Wald hinein , in dem mußte es sich ganz gut lustwandeln lassen , und die Bäume waren ganz andrer Art , wie man sie sonst sah . Allgemach kam der Sandmann , und er rieb sich die Augen . Da ging er zur Großmutter , die sich die Lampe ganz nahe gerückt hatte und ihr Strickzeug ganz dicht vors Gesicht hielt , und bettelte , daß sie ihm die Geschichte von der weißen Schlange erzählen sollte . Da erzählte die Großmutter , wie ein Vorfahr der Grafen , denen die Wilder hier gehörten , ein Prasser und Schlemmer gewesen sei und ein böser Mann ; der habe einen guten und frommen Diener gehabt , der ihn oftmals zum Bessern ermahnt , aber niemals zur Umkehr habe bewegen können . Eines Tages habe der Diener dem Grafen eine verdeckte Schüssel müssen auf sein verschlossenes Zimmer bringen , und wie er , von besonderer Neugierde bewegt ( das zwar nicht ehrbar von ihm gewesen ) , die Schüssel aufgedeckt habe , sei eine gekochte weiße Schlange darin gelegen , in viele Stücke zerschnitten . Da habe er sich nicht mehr bezwingen können und sei ihm gewesen , als werde ihm befohlen , daß er eins der Stückchen heimlich habe nehmen müssen . Der Graf aber habe alles andere gegessen und nichts gemerkt . Wie nun der Diener am Fenster steht und in den Schloßgraben hinuntersieht , schwimmen da zwei weiße Enten , und er merkt , daß er ihre Sprache versteht , und sie erzählen sich , daß das Schloß noch diese Nacht untergehen soll ; der Herr aber stand auch am Fenster und lachte . Daraus merkte der treue Diener , daß der Graf etwas Falsches verstanden hatte für seine Sünden , verfiel rasch auf eine List und sprach , er habe sich eine lustige Jagd ausgedacht für diesen Abend ; nämlich alles Schloßgesinde solle mit Fackeln kommen , und der Herr mit seinem einzigen Töchterchen , denn seine Gemahlin war schon seit langem verstorben , solle auch kommen , und dann wollen sie Krebse fangen in einem Waldbach , den er wisse , weil es jetzt Zeit sei zum Krebsen . Dies gefiel dem Grafen und wurde so gemacht . Und wie alle aus dem Schloß gezogen waren und sich erlustigten und fröhlich waren , kamen Blitze und Donnerschläge und ein Erdbeben , und das Schloß versank , und an der Stelle ist jetzt die Elsgrube . Da wurde der Graf ganz blaß und ging in sich und ging in ein Kloster ; vorher aber verheiratete er seine Tochter mit dem frommen Diener und gab dem sein ganzes Gut , und von dem stammen in männlicher Reihenfolge die jetzigen Grafen ab , wiewohl der Name nicht gewechselt und noch der alte ist . Unter dem Erzählen war Hans fast eingeschlafen . Jetzt kam die Mutter , um ihn zu Bett zu bringen . In der schrägen Dachkammer , unter den kalkverputzten Ziegeln , zog er sich aus , dann faltete er die Hände und betete mit der Mutter zusammen sein Kindergebet : Abends , wenn ich schlafen geh , Vierzehn Engel bei mir stehn , Zwei zu meiner Rechten , Zwei zu meiner Linken , Zwei zu meinen Häupten , Zwei zu meinen Füßen , Zwei , die mich decken , Zwei , die mich wecken , Zwei , die mich weisen In das himmlische Paradeischen . Dann schlief er ein , und der Mond zog langsam weiter hinauf über den stillen Wald ; die Kuh klirrte einmal mit ihrer Kette und brüllte leise und behaglich , und dann legte sie sich schwer nieder zum Wiederkäuen ; kein Geräusch war im Haus wie zuweilen ein Klappern mit dem Geschirr aus der Küche , wo Dorrel abwusch . Wie die Mutter wieder in die Stube trat , hatte die Großmutter den Kopf auf den Tisch gelegt und schluchzte , daß das Licht der Lampe sich bewegte durch die Erschütterung . Die Mutter setzte sich still ans Fenster ; und so warteten die beiden Frauen in der Nacht , ob sie vielleicht einen Schuß hörten . Lange warteten sie so allein ; denn Dorrel kam nicht in die Stube , wie sonst immer nach der Abendarbeit , sondern sie tat , als habe sie heute mehr in der Küche zu verrichten wie gewöhnlich ; sie wußte , daß die beiden Frauen in Sorge saßen und wollte sie schonen ; sie selbst aber dachte immer hin und her : Was soll mit dem Kind werden , die Mutter kann den Jungen nicht erziehen , der braucht einen Vater ; und über ihrer nassen Planenschürze faltete sie ihre schwieligen Hände zu einem wortlosen Gebet für ihren Herrn . Es mochte gegen Mitternacht sein ,