es alle Welt im Geiste des Herrn erleuchte . Der Name dieses irdischen Lämpchens aber wurde vom Himmel herabgestohlen , damit der Klempner die Herrlichkeit Gottes zwingen könne , sich für ihn und seinesgleichen in ein gutes , einträgliches Geschäft zu verwandeln . « Da fiel ihm ein , daß meine Fassungskraft doch nicht der seinigen gleiche . Darum fuhr er fort : » Wenn du im Leben die Augen auch fernerhin so offen hältst wie jetzt , so wirst du das , was ich jetzt sagte , begreifen lernen . Dieser Klempner ist nicht der einzige Mensch , dem der Herrgott ruhig herzuhalten hat . Es giebt noch ganz andere Kostgänger , die von dem wohlgedeckten Tische des Himmels speisen , obgleich ihre Berechtigung dazu nur eine angemaßte ist . Im göttlichen Astrallichte wandeln nur erhabene Geister . Im Lichte dieser Lampen aber sonnen sich meist nur die winzig kleinen Geisterlein , welche sich bei dem Oele des Rübsamens und des Rapses einbilden , von ihrem Tische aus das ganze All ergründen zu können . Und wenn sich ja einmal ein bedeutender Mann an diesem Tische niedergelassen haben sollte , so stehen tausende der Kleinen auf der Lauer , ihm selbst auch diese Lampe auszublasen ! « Ich verstand dieses Letztere ebensowenig wie das Vorhergehende ; aber das Leben hat mich dann gelehrt , den alten , erfahrenen Rektor zu begreifen . Und als ich nun hier im hohen Hause vor der Lampe des Ustad stand , da war es mir , als ob es ein vielgestaltiges Weben von lauter , lauter Geisterwinzigkeiten um mich her gebe und als ob eine unsichtbare , hundertstimmige Schadenfreude mir in die Ohren raune : » Da steht sie noch , die wir ihm ausgeblasen haben . Wir dulden Geister , aber keinen Geist ! « Ich nahm sie vom Tische weg , um die beiden Nebenräume anzusehen , welche rechts und links an dieses Zimmer stießen . Der eine war zum Schlafen bestimmt . Ein weiß überzogenes Bett . Ich fühlte das Leinen an und war geneigt , es für europäisches zu halten . Die Wände zeigten keinen andern Schmuck als nur ein einziges , primitiv eingerahmtes Bild von sehr bescheidener Größe . Es hing der Fensterseite gegenüber . Als ich die Lampe hoch hielt , um es zu betrachten , sah ich , daß es eine mit großer Liebe ausgeführte Federzeichnung war und eine auf Bergeshöhe stehende kleine Dorfkirche vorstellte . Es handelte sich hier augenscheinlich nicht um ein Werk der Phantasie , sondern dieses Gotteshäuschen war ohne allen Zweifel hier nach der Wirklichkeit wiedergegeben . Unter dem Bilde standen einige geschriebene Zeilen . Ich las : » Kirchlein mein , Kirchlein klein , Könnt so fromm wie du ich sein ! Deine Höhe zu erreichen , Will ich dir an Demut gleichen . Kirchlein mein , Kirchlein klein , So wie du will stets ich sein ! « Wer hatte das geschrieben ? Und für wen war es geschrieben worden ? Wenn der Schreiber ein Dichter war , so hatte es ihm hier sehr fern gelegen , mit seinem Geiste zu prahlen . Wo gäbe es wohl einen Menschen , der einem gottgeweihten Hause gegenüber sich nicht klein zu fühlen hätte ! Selbst der größte der Dichter würde wissen , daß er dem prunkenden Reime zu entsagen habe , falls er im Geiste zur Kirche gehen wolle . Der wirklich Größeste wird hier am feinsten sein . Der Raum , den ich nun betrat , war die Bibliothek . Ihr Vorhandensein konnte mich nicht überraschen , obgleich nicht anzunehmen war , daß Pekala , die von den Büchern des Ustad gesprochen hatte , hier oben nach Belieben schalten und walten dürfe . An allen vier Wänden gab es hohe Stellagen , welche mit Büchern , Karten und wohlumschnürten Paketen gefüllt waren . Diese letzteren lagen nach Jahren und Monaten geordnet , und ihre Aufschriften sagten mir , daß sie Briefe enthielten . Es gab auch mehrere am Boden stehende , offene Kästen , welche bis an den Rand mit Briefen oder Zeitungen gefüllt waren . In der Mitte des Zimmers stand ein ungewöhnlich großer Tisch . Er war mit Büchern , Karten und Skripturen belegt und sehr bequem für einen geistig arbeitenden Mann , der es liebt , viel Platz zu haben . Die Fenster der ganzen Wohnung waren hoch und breit , um möglichst viel Licht einzulassen . Aus dem mittelsten Gemache , welches ich zuerst betreten hatte , führte eine Thür hinaus ins Freie . Ich öffnete sie , um mich draußen umzusehen . Wie froh überrascht war ich , als ich sah , daß ich mich auf einem platten Dache befand , unter welchem jedenfalls die Wohnung des Ustad lag . Hier oben gab es nichts als nur die von mir beschriebenen drei Stuben . Sie waren von der Vorderfront des Hauses so weit zurückgesetzt , daß man diesen schönen Vorplatz gewonnen hatte , welcher mir die allerfreieste Aussicht nach Norden , Osten und Süden bot , während auf der Westseite der Weg hinauf nach der Glockenhöhle an mir vorüberführte . Es ist eine meiner Eigenheiten , so viel wie möglich im Freien zu arbeiten , selbst auch des Abends und des Nachts . Ich kann sagen , daß ich meine glücklichsten , geistig belebtesten und fruchtbarsten Zeiten auf den platten Dächern des Morgenlandes verlebt habe . Wer des Nachts unter funkelndem Sternenhimmel von den Dächern Siuts hinauf nach der Höhe des Stabl Antar , von Jerusalem hinüber nach Mar Eljas , von Tiberias über den Genezareth , vom herrlichen Brummana des Libanon hinunter auf die Lichter und den Hafen von Berut geschaut hat , dem werden diese Stunden lebenslang im Gedächtnisse bleiben . Und nun auch hier vom hohen Hause aus der unbeschreiblich schöne Blick hinaus und hinein in die orientalische Nacht , die nicht so , wie die abendländische , nur vom Abend nach dem Morgen schreitet , sondern vom Paradiese nach dem Paradiese wandelt