der beklemmten Luft des fensterlosen Flurs . » Vater , « sagte eine Stimme hinter ihm , halblaut , wie eine Frage , auf die man keine Antwort hoffen darf . Plattner wendete sich um und streckte langsam die Hand aus , um die seiner Tochter zu erfassen . Wortlos gingen sie miteinander auf eine der gelben Türen zu , an der ein weißes Porzellanschild mit der Inschrift » Wartezimmer « schimmerte . Plattner zeigte im Hineingehen auf das Porzellanschild . » Warum nimmst du das nicht weg ? « sagte er streng . Es war das erste Wort , das er sprach . » Ja , ja , « erwiderte die Tochter bereitwillig und zerstreut . Ihre Blicke hingen an ihm . Als er sich auf einen der Rohrstühle setzte , wies sie auf das kleine Ledersofa . » Warum nicht hier ? Es ist bequemer ... Du kommst so früh , so früh zu mir , Papa ! « Er saß dicht an der Wand , den Stock zwischen den Knien , den Kopf gesenkt . In die tiefe Stille klang durchs offene Fenster Räderknarren , Flüche und der Gesang der Amseln . Die Frau schob mit abgewandtem Gesicht ihr weißes Tuch in die Tasche des schwarzen Kleides . Sie stand noch immer . » Nun , Josy , « begann Plattner , » sitz daher ! « » Ja . « Sie blieb stehen . » Und - also - eben - Josy - - es ist also eben aus ! Und fertig und aus . « » Ja . « » Schuft ! Schuft ! Niederträchtiger Schuft ! « brach der Mann aus und stieß den Stock nieder . » Vater ! « schrie Josy . Es war kein Wort , es war ein Hilfeschrei . Der alte Plattner zuckte den Kopf empor , schob sich den Hut in den Nacken und blickte seine Tochter an . Auf der schönen hellen Stirn , die der Hut verdeckt hatte , arbeitete es , die klaren Augen funkelten . » Nun ? « grollte er verwundert , » noch nicht Schuft genug ? Was meinst ? « Das Räderknirschen , die Fuhrmannsflüche , der Amselgesang erklang deutlich wie zuvor in der Stille . Josefine ächzte leise . » Ich mein , wenn einer emal fünf Jahr Zuchthaus überkommt , no braucht man sich nicht genieren , ihn Schuft zu heißen ! « schrie Plattner . » Bitte , Papa ! Nicht , nicht ! « Eine neue heftige Bestürzung überlief das Gesicht des Vaters . Er sprang auf , um der Tochter in die gesenkten , abgewendeten Augen zu sehen . » Das wäre noch besser ! « grollte er . » Wärst ihm etwa noch gut nach all der Schande ? Hör emal - - « Er faßte nach ihrem Ärmel , da drehte sie ihm selbst das leidende , verzerrte Gesicht mit den geschwollenen Augen zu . Eine kaum beherrschte Heftigkeit machte ihre Züge scharf , fast drohend . » Ach , Vater , kommst auch nur , um ihn noch mehr herunterzusetzen ? Gern haben ? Man kann fast nicht anders ! Wenn einer emal so tief drunten ist - - ach , was wollt ihr noch ! Er ist ja schon in der Höll , und ich - mit - ihm - « Sie schrie es heraus , dann erstarb ihre Stimme im Weinen . Das Gesicht mit den Händen verdeckt stand sie neben dem Vater , der sie lange betroffen , verständnislos anstarrte . » Bin nit herkommen derwegen , « begann er endlich mit schwerer Zunge , » derwegen nit , Josy . Herkommen bin ich , um dich heim zu holen mit deinen Kindern . Ich hab Retourbillet . « Er machte sich an seiner Brusttasche zu schaffen , indes er fort und fort ein gedankenloses » Ja , ja , ja ! « murrte . Als er der Tochter die grüne Fahrkarte reichte , bebte seine Hand immer noch . » Da siehst es . Heut oder morgen . Es läuft drei Tage . « Seine Stimme nahm einen gutmütig beruhigenden Ton an . Er las das Datum umständlich vor , Jahreszahl und alles . Ein zutrauliches Lächeln erschien auf seinem starken , grobgeschnittenen Gesicht . » Die Alte hat schon die ganze Nacht rumort . Gleich gestern abend , wie ' s Telegramm kommen ist vom Verteidiger , « - er seufzte - » daß es aus ist , hat ' s angefangen , Betten rüsten . Ich bin gewesen wie en Ochs - vor den Kopf geschlagen - wie ' s Telegramm kommen ist - aber es ging halt in Gottesnamen kein Zug mehr - wirst es begreifen , Josy . « Josefine preßte seine Hand . » Bist gütig , Vater ! « sagte sie in müdem , hoffnungslosem Ton , » einzig lieb und gütig . « Sie bückte sich , schluchzte auf und legte ihren Kopf auf seine Schulter . Steif und verlegen , ohne sich zu rühren , blickte Plattner gerade hin . Der dunkelblonde Scheitel , so nah seinem Gesicht , mahnte ihn an längst vergangene Zeiten und machte ihn weich vor Rührung . » Nun , nun ! « stotterte er . Und dann faßte er schnell nach einem Halt . » Und die ganz ' Nacht hat ' s kracht und wetteret - - und ich hab mir dacht , wenn ' s nur ihn in den Gottserdsboden hineinschmetteret hätt , den verfluchten Schuft ! « Josefine richtete sich steil auf und zog mit plötzlichem Besinnen ihren Arm zurück . In den verweinten Augen begann es leidenschaftlich zu glühen . » Ach , ihr ! Ach , ihr alle ! « rief sie schrill , » immer das gleiche ! Immer der Schuft ! Ich kann ' s nicht mehr hören ! Ich will ' s nicht mehr hören ! Es bringt mich um ! Er ist ja verurteilt ! Fünf