dreht sie sich um , zieht aus der Rocktasche ihres gelbseidenen Kleides zwei grosse Gewichte hervor , die viele Centner schwer zu sein scheinen , und hantelt mit den Centnergewichten , dass ihr die blauen Adern auf der Stirn und an den Schläfen anschwellen . Ich frage sie , was das soll . Da thun sich die Centnergewichte auf , und es fallen lauter Botokudenregimenter mit Schornsteinfegern untermischt aus den Gewichten heraus . Die Kerls sehen so klein und drollig aus , dass ich herzlich lachen muss . » Gefall ich dir jetzt endlich ? « Also fragt sie nun sehr rauh . Und ich muss noch mehr lachen , bewege aber gleichzeitig wieder meine Zehen , um höher zu kommen . Die Riesendame verschwindet unten , und ich denke mir , dass sie nicht so schnell fliegen kann - da sie ja so dick ist . Doch ich irre mich , denn ich fühle sehr bald , trotzdem ich mit rasender Hast höher steige , ihre Nähe wie zuvor . » Du entfliehst mir doch nicht ! « flüstert sie hinter mir - mit einer ganz anderen Stimme . Ich drehe mich rasch um und blicke in ein kleines , feines , sanftes Gesicht mit grauen Augen , die so ernst und milde glänzen - wie ein guter Geist . Und sie flüstert : » Ich will so sein , wie du es willst . Ist dir das noch immer nicht genug ? « Es liegt so viel Sehnsucht in diesen Worten , ich werde weich und sage sanft : » So schaff mir neue Welten - ganz neue , die ich mir noch niemals ausgedacht habe und auch gar nicht ausdenken kann . « Und ich höre die Liwûna erwidern : » Liwûna thut alles . « Und dann verlässt sie mich . In der Ferne höre ich sie rufen : » Kaidôh ! Kaidôh ! « Es wird alles dunkel und zuletzt ganz schwarz vor meinen Augen . Das Schwarze bleibt lange . Allmählich wirds aber drüben an einer Stelle heller , und ich sehe einen Stern - der sieht aus wie ein riesiger Diamant mit tausend feingeschliffenen Ecken und Kanten . Und der Sterndiamant dreht sich um sich selbst . Und seine Farben brennen . Mächtige , prächtige Lichtkegel in allen möglichen Farben drehen sich zuckend und zitternd durch die schwarze Nacht . Und die Farben brennen sich mir ins Auge , dass ich geblendet werde . Diamantenbrand ! Ein buntes , ecken- und kantenreiches Farbenfeuer mit glitzernden Flächen , die sich immerfort durcheinander schieben . Und die spitzen Funken sind so grell . Ich muss die Augen zumachen . Ich halts nicht aus . Ich fühle , dass Liwûna mich fortzieht - ich bewege krampfhaft die Zehen . » Du kannst das nicht aushalten , « sagt sie mitleidig . Und ich werde sehr unruhig ; Angstgefühle klemmen mir die Brust zusammen . » Ich kann das nicht aushalten , « spreche ich tonlos nach . Wir schweben weiter . Ich kneife die Augen fest zu ; sie thun mir weh . Und dann bitte ich die Liwûna , mir andre Welten zu zeigen , die ich wenigstens ansehen kann . Sie redet mit sanfter Stimme lange Zeit auf mich ein , und ich wage es danach , wieder die Augen zu öffnen . Ich schwebe in einem zerklüfteten , schwarzen Gebirge . Die steilen Felswände sind so hoch , dass ich oben Stein und Himmel nicht mehr unterscheiden kann . Der Himmel wird immer dunkler . Und unter uns ist alles sehr tief , und in der Tiefe ziehen sich graue Nebelstreifen wie Schlangen hin . » Langsam ! « ruft mir meine Begleiterin zu . » Ich weiss , « fährt sie fort , » dass du etwas suchst , aber ich weiss auch , dass du noch nicht weisst , wie das aussieht , was du suchst . « » Ja , « versetzte ich rauh , » ich weiss nicht , was ich suche . Dass ich aber etwas suche , das weiss ich . Ich suche ? « Es umweht mich kühlende Luft . Liwûna sehe ich nicht , ich fühle nur ihre Nähe - und das thut sehr wohl . Da entdecke ich in der schwarzen Felsenwand einen Spalt , der hell ist . Ich nähere mich dem Spalt und blicke in ein grünes Wunderreich . Lauter grüne Pilze ! Sehr grosse Riesenpilze mit wunderlichen Pilzdächern - gezackten und gespreizten ! Und auch viele kleinere Pilze in allen denkbaren Grüns . Viel giftiges und viel glänzendes Grün - helles und dunkles - totes Grün und ein Grün , das so voll echter Lebensgier ist . Diese grüne Welt kann ich ruhig anschauen . Das Auge wird beruhigt durch das viele Grün . Kleine , weisse Elephanten mit hellgrünen Libellenflügeln fliegen emsig von Pilz zu Pilz . Und es strömt überall ein scharfes Licht aus dieser grünen Pilzenwelt . Die weissen , fliegenden Elephanten krümmen drollig ihre Rüssel , als wenn sie lachen möchten . Sie lachen aber nicht - ich kanns wenigstens nicht hören . Vielleicht lachen sie innerlich - wie die falschen Narren . Ich wende mich ab und schwebe weiter durch eine grosse , schwarze Schlucht . Die schwarzen Felsen sind nur ganz matt erleuchtet . Das Licht kommt aus der Tiefe , in der sich die grünen Nebel zusammenballen wie Fäuste . Oben sind keine Sterne . Der Himmel ist so schwarz wie die Felsen . Ich möchte hinaus aus der schwarzen Schlucht . Liwûna will aber nicht . Sie hat jetzt ein so gelbes , glattes , hartes Antlitz , als wärs aus Elfenbein . Und sie zeigt mit der Rechten auf ein rundes Loch in der Felsenwand . Ich sehe durch und - wieder was andres . Da drinnen ist alles bunt und glitzernd . Eine Glanzwelt ! Blumen sinds nicht , Blätter auch nicht . Es sieht aus , als seien da Milliarden