gesessen ? « » Auch nicht . Im Abendlande reist man nicht per Kamel , sondern in der Karrusa 3 oder in dem Katr4 . « » Allah ! Wer darf im Katr fahren ? « » Jeder , der seinen Tiskri5 bezahlt hat . « » Auch Frauen ? « » Ja . « » Aber neben dem Weibe eines andern zu sitzen , das ist doch wohl sehr streng verboten ? « » Nein . « » Unmöglich ! Sihdi , sag aufrichtig , ob du , nämlich du auch schon einmal im Katr neben einer Frau gesessen hast , welche in den Harem eines andern Mannes gehörte ! « » Schon oft ! Ich bin nicht nur mit fremden Frauen , sondern sogar mit fremden Töchtern gefahren . « » Und wie steht es mit deiner Emmeh , der jugendlich schönen Bewohnerin deines Frauenzeltes , hat die auch schon neben andern Männern sitzen müssen ? « » Ja . « » So verderbe Allah eure Eisenbahnen bis in den allertiefsten Abgrund der Hölle hinab ! Wenn nicht nur mein Weib , welches ich allein besitze , sondern auch alle meine Töchter , die ich glücklicherweise noch nicht habe , es sich gefallen lassen müssen , daß jeder fremde Stadtbewohner und jeder unbekannte Beduine sich im Katr an ihre Seite setzen darf , so mag ich von eurem Abendlande kein Wort weiter hören ! Sihdi , du weißt , wie sehr ich dich liebe und wie hoch ich dich achte ; aber nun ich weiß , daß du neben fremden Frauen und Töchtern gesessen hast , die nicht in deinem Zelte geboren worden sind , und daß du sogar auch deiner Emmeh erlaubst , mit Männern zu reisen , an welche sie kein Akd en Nikah6 bindet , nun wird es mir wohl nicht mehr leicht sein , dich als meinen besten Freund , den ich im Herzen trage , mit Anerkennung zu beehren ! Die Schienen eurer Eisenbahn haben sich zwischen mich und dich gelegt , und unsere Herzen sind einander so entfremdet worden , daß sie durch keinen Wabur7 wieder verbunden werden können . Ich lasse dich allein und gehe zu meiner Hanneh , um in meiner großen Betrübnis Trost bei ihr zu finden ! « Wer meinen lieben , kleinen Halef kennt , dem kommt dieses Verhalten nicht fremd vor ; für diejenigen , welche noch nichts über ihn gelesen haben , seien folgende kurze Bemerkungen bestimmt : Hadschi Halef Omar , jetzt der oberste Scheik der Haddedihn-Beduinen , vom großen Stamme der Schammar , war früher ein blutarmes Kerlchen gewesen . Er stammte aus der westlichen Sahara , hatte mich als mein Diener nach Osten begleitet und war da so glücklich gewesen , die Tochter eines Scheikes der Ateïbeh-Araber zur Frau zu bekommen . Dieser letztere wurde später von den Haddedihn zum Scheik gewählt und bekam , da er keinen Sohn hatte , meinen Halef als seinen Schwiegersohn zum Nachfolger . Dieser war von Person sehr klein und hager , dabei aber von ungewöhnlicher Tapferkeit und von einem Mute , der sehr gern verwegen wurde und darum von mir oft in die Zügel genommen werden mußte . Ein guter Schütze , auch sonst sehr waffengewandt , ausdauernd , körperkräftig , außerordentlich mäßig , ein vortrefflicher Reiter , pfiffig und mutterwitzig , besaß er ein treues , goldenes Herz , in welchem keine Spur von Falschheit entdeckt werden konnte . Früher war ich seine einzige Liebe gewesen ; später mußte ich diese Liebe mit seinem Weibe und seinem Sohne teilen , wodurch mir aber kein Verlust geschah . Die Zärtlichkeit , mit welcher er an Hanneh , seiner Frau , hing , war nicht nur rührend sondern fast beispiellos zu nennen . Sein erster Gedanke früh und sein letzter abends gehörten ihr . Es war ihm beinahe unmöglich , ihren Namen auszusprechen , ohne ihm einige der vorzüglichen Eigenschaften anzuhängen , welche sie in seinen Augen besaß . Kara Ben Halef , sein und ihr Sohn , ihr einziges Kind , zählte jetzt schon fast zwanzig Jahre , und die Frauen des Orientes altern bekanntlich sehr schnell ; aber dennoch war » meine Hanneh , die herrlichste Rose unter allen Blüten des Blumenreiches « , für ihn genau so jung und schön geblieben , wie er sie vor dieser langen Zeit bei ihrem ersten Zusammentreffen gesehen hatte ; ja , seine Liebe zu ihr schien gewachsen zu sein . Sie war aber auch - ich möchte mich so ausdrücken : eine Prachtfrau ! Ich glaube nicht , daß eine andere den kleinen , voll bunter Raupen steckenden Hadschi so richtig behandelt hätte , wie sie es that . Sie beherrschte ihn vollständig , doch mit einer so liebevollen , stets freundlichen , scheinbar nachgebenden Klugheit , daß er ihr Pantöffelchen gar nicht fühlte und auch nicht die geringste Ahnung davon hatte , daß nicht er , sondern eigentlich sie der Scheik des Stammes war , wobei sich die Haddedihn allerdings sehr wohl befanden . Eine seiner Eigentümlichkeiten war , daß er sich nicht nachhaltig in die Verhältnisse des Abendlandes denken konnte . Ich hatte es ihm in unzähligen , verschiedenen Bildern beschrieben , hatte ihm die zwischen dem europäischen und dem orientalischen Leben vorhandenen Unterschiede bei tausend Gelegenheiten geschildert , sah aber nicht den geringsten Erfolg davon . Er sprach trotzdem immer von meinen Zelten , von meinen Kamelen und von meinen Dattelpalmen . Eine weitere Eigenheit von ihm war , daß er gern sprach , besonders sehr gern erzählte , und zwar in jenen orientalischen Redeblumen , welche gern zu Uebertreibungen werden . Wenn ich ihn in dieser Weise sprechen lasse , ohne seine Vergrößerungen auf das richtige Maß zurückzuführen , so geschieht dies , um ihn nach der Wahrheit zu zeichnen , keineswegs aber um mich mit seiner Ausdrucksweise einverstanden zu erklären . Besonders wenn er von unsern Erlebnissen erzählte , nahm er den Mund in einer Weise voll , daß ich ihn