aus weiter Ferne . Es sprach eine unbekannte Sprache und seine edlere Form ließ es zu besserem Dienst berechtigt erscheinen . Es blickte nicht hinaus auf die Ebene , sondern sah herein gegen die niederen Häuser und in die krummen , winkeligen Gassen von Fürth . Unfern rauschte der Fluß hinunter ins Bistum Bamberg , und wenn er im Herbst die gelben Fluten zum Uferrand und noch weit darüber hinauswälzte , so mußten bisweilen einige Linden am Schießanger ihr Leben lassen . Das Wasser brach sie wie dürre Zweiglein und trieb sie ins Mainland hinab , innig gesellt mit Balken und Astwerk und Hausgeräten und allerlei spaßhaften Dingen , die der wildgewordene Strom aus der Stadt Nürnberg mit sich führte . Wenn der Stein des schönen Joseph an Gottesfrieden verlor , so gewann er hingegen an Weltweisheit und Kenntnis der Dinge und Menschen . Ernst besah er sich das Treiben der Leute , die um ihn herumwandelten wie Sperlinge um einen gedeckten Tisch ; Gewitter und Schneegestöber , Regen und Sonnenhitze , er hielt sie mit gleicher Geduldigkeit aus , und wenn die sanfte Nacht seine graue Stirn beschattete , so schien darauf noch ein süßer Abglanz der letzten purpurnen Sonnenröte zu haften oder ein Vorglanz des kommenden Morgenrots . Denn die Sonne strahlt diesem Erdstrich beim Aufgang und beim Niedergang mit einer unerhörten Glut , was die Gelehrten dem Dünstereichtum des Landes zuschreiben . Fest , Tanz und Kirmesspiel waren von jeher üblich bei den Fränkischen , die einen leichten Sinn haben und ihre Pfennige gern zum Schenkwirt tragen . An einem Kirchweihtag im Oktober , siebzehn Jahre nach dem großen Friedenspakt , - das Volk jubelte auf dem Schießanger , zum Tanze schwangen sich die Mädchen und lustige Weisen spielten die Zigeuner und Spielleute - ging ein alter Mann , nachdem er lange Zeit nachdenklich vor der jüdischen Inschrift am Schwedenstein gestanden , gegen den Anger zu . Der Abend sank schon herab und der Himmel war von einem matten Rot getränkt . Blaue Schatten fielen auf den rauschenden Fluß , Schmiedehämmer tönten von fernen Gassen her , und der schrille Laut verklang erst weit draußen in den Wiesen . Dann setzte wieder die Musik ein : Orgel und Fiedelbögen , die Maultrommel und die Wasserpfeife . Die Buben lachten und sprangen wild um die alten Bäume , und die Mädchen hatten glänzendere Augen an diesem festlichen Tag . Die Nürnberger Kaufleute boten niegesehene Waren aus , und Seiltänzer , Taschenspieler und Zigeuner versprachen Wunder ihrer Kunst zu bieten . Als die Dämmerung herabsank , wurden Pechfackeln an die Stämme und die fahrenden Häuser der Komödianten befestigt , und der schwere braune Rauch erhob sich in weiten Wellungen , zog hinüber gegen den Strom , zog über die Wiesen hin , und einzelne Funken sprangen knisternd in die Lindenäste . Die dumpfe Glut gab den Gesichtern der Menschen ein abenteuerliches Farbenspiel und die Sterne am Himmel verblaßten für jeden , der sich in dem trüben Lichtkreis befand . Der alte Jude hielt die rechte Hand wie einen Schirm über die Augen und blickte finster und forschend in das heitere Getümmel . Sein Gesicht war von grünlich-weißer Färbung und ein roter Bart floß mager um Wangen und Kinn , so daß er nur eigentlich eine Art von Rahmen bildete und dem Gesicht etwas Fremdes , etwas erschreckend Deutliches verlieh . Die braunen Sterne seiner Augen irrten unruhig in dem geröteten Weiß umher , und bisweilen erweiterten sich die Pupillen rasch wie die eines Raubtieres . Es waren Judenaugen : voll Hast , voll Unfrieden , voll von unbestimmtem Flehen , von einer gedrückten Innigkeit , bald in Leidenschaft flackernd , bald in Schwermut alle Glut verlierend , die Augen des gehetzten Tieres , das angstvoll und kraftlos die Blicke dem Verfolger zuwendet , oder in bebender Sehnsucht hinausstarrt in das ferne Land der Freiheit . » Das Volk ist wild , « murmelte er , » da tanzen sie und blasen Schalmeien und morgen schon wird Gott ein Gericht halten . « Er blieb stehen , verbeugte sich tief nach Osten und lispelte ein kurzes Gebet durch die schmalen Lippen . Unter den Linden des Angers tanzte ein Zigeunermädchen einen wunderlichen Tanz und zwei Burschen spielten die Geige dazu . Eine Menge von Zuschauern hatte sich im weiten Kreis versammelt und alle waren atemlos vor Schaubegierde . So war es immer in den Tagen Remigius , Leodegar und Lukretia in Fürth ; die Menschen erwachten aus dem drückenden Traum ihrer Sorgen und dünkten sich freigeboren und glückbestimmt einmal im Jahr . Nach der Zigeunerin kam ein junges Mädchen von großer Schönheit langsam in die Mitte des Kreises . Sonderbar irrten schmale Schatten auf ihren bleichen Wangen und auf ihrer Stirn , und sie war schlank wie jene Frauen , die man zu Florenz malte . Ein langes Gewand floß an ihrem Leib herab , und sie begann , ohne die Arme zu bewegen , ohne die Augen vom Boden zu erheben , mit klagender Stimme ein Rezitativ : Ich weiß nicht , wo ' s Vögelein ist , ich weiß nicht , wo ' s pfeift . Hinterm kleinen Lädelein , Schätzlein , wo leist ? Es sitzt ja das Vögelein nicht alleweil im Nest , schwingt seine Flügelein , hüpft auf die Äst ' . Wo ich gelegen bin , darf ich wohl sagen . Hinterm grün Nägeleinstock zwischen zwei Knaben . Doch sang sie diese Worte leise und melancholisch . Ihre Lippen zitterten und sie senkte den Kopf tief gegen die Brust . Der Harlekin kam und äffte sie , aber sie blieb starr wie eine Bildsäule ; er begann an ihr herumzuschnuppern und erklärte endlich grinsend , das sei ein feines Aschenputtel für sein Ehegespons . Er wollte sie umfassen und davontragen , da kam ein Ritter in glänzender Rüstung , um sie zu befreien . Der Hanswurst verwandelte sich und stand nun in seiner wahren Gestalt da : als der Teufel . Er kämpfte mit