als wenn er wirklich Eile hat . Währenddem hört man auch hier wieder heisre Zecherstimmen erschallen . Im Keller des Weinhändlers ruft man laut und herrisch nach dem christlichen Wein . Indeß - der Wirt zögert noch ; auf der andren Seite der Gasse sieht er zwei bekannte Dichter vorüberwandeln , die grüßt er erst noch - recht freundlich . Dann jedoch verschwindet der Christ ; er darf seine Gäste nicht warten lassen . Die beiden arabischen Dichter haben den Gruß des Christen garnicht erwidert . Sie sind mit ihren eigenen Gedanken so sehr beschäftigt , daß sie den allgemeinen Jubel nicht mehr mitempfinden . Suleiman , der ältere Dichter , träumte so im Gehen , er wäre der Chalif Harun und neben ihm plauderten indische Märchenerzählerinnen von den Tempeln ihrer Götter am fernen Ganges . Der alte Dichter glaubte zu hören , wie neben ihm die nackten Füße der Mädchen sich weich und gelenkig in den feuchten Sand schmiegten und wie unter den gekrallten kleinen Zehen die Steinchen knirschten . Dann dachte der Alte an die schlanken Tänzerinnen , die er gestern abend unter einem jener rotseidenen Zelte auf dem Karawanenplatze bewundert hatte . Die Tänzerinnen sahen sehr schön und prächtig aus . Er aber - ach ! - er hatte sich unter jenem rotseidenen Zelte seines alten geflickten Ehrenkleides geschämt - eine sehr peinliche Erinnerung ! Dieses Ehrenkleid war ein Geschenk des Chalifen Motawakkil . Doch der lag längst im Grabe . Suleiman seufzte , nickte mit dem Kopfe so vor sich hin und murmelte was . Safur , der den Suleiman begleitete , hörte das Murmeln und erriet gleich den Gedankengang des alten Freundes , denn sie gingen an einem seltsamen Hause vorüber . Über dessen Eingangspforte befanden sich kleine Fenster mit eisernen Stäben . Hinter den Stäben saßen Schneider bei hellem Lampenlicht und nähten fleißig . Sie nähten unzählige kostbare Gewänder für die Chalifenburg . Und diese kostbaren Gewänder blieben nicht in der Burg ; sie wanderten als Geschenke , als » Ehrenkleider « aus den großen Palästen hinaus in die weite Welt nach allen Himmelsrichtungen bis nach Ägypten und Persien , bis nach Indien und Afrika , ja - bis nach China und Spanien . Der Chalif hatte sehr sehr viel - zu verschenken . Safur , der jüngere Dichter , wußte das Alles , lächelte und fragte den älteren Dichter listig : » Nun ? Denkst Du an Dein Ehrenkleid ? « Suleiman , unter dessen braunem Gesicht ein gut gepflegter weißer Spitzbart glänzte , blickte traurig auf sein Gewand . Das war einst gute Seide gewesen - ledergelb mit großen lilafarbigen persischen Blumen . Auf dem Rücken des Ehrenkleides sah man noch das große Wappen des Chalifen - schwarze schwungvolle Schriftzüge . Die helleren Farben des Kaftans waren nicht mehr ganz reinlich , an vielen Stellen etwas blank und fettig , und an den Ärmeln und unter den Knieen zeigten sich kleine Löcher und große Flicken . Suleiman gürtete seinen alten lilafarbigen Seidengurt fester um die Lenden und schaute unter seinem nicht sehr reinen weißen Leinenturban dem jungen Safur lange nachdenklich ins Gesicht . Safur ging in Beduinentracht . Sein langes , hellblau und braun gestreiftes Gewand , das aus dünner Baumwolle bestand , hing ihm faltig ins Gesicht . Ein alter Lederriemen schnallte das Tuch um Stirn und Hinterkopf zusammen . Die hellblauen und braunen Streifen des feinen Kleides schlotterten lässig mitgezogen in unregelmäßigen Falten um Körper und Beine herum - was sehr reizvoll aussah - was Safur wußte . Die nächste Gasse ist leider sehr schmutzig , und die Sandalen der Dichter werden naß , ihre braunen Füße desgleichen . Safur flucht , hebt sein Kleid vorsichtig mit den braunen hagren Fingern höher und ärgert sich - über die Pfützen und über manches Andre . » Jetzt « , ruft er wütend , » macht ein grüner Schimmel ein größeres Aufsehen als die beste Kasside . Gute Verse werden heute schon schlechter bezahlt als rote Pantoffeln , die allerdings in den Pfützen Bagdads sehr wertvoll sind ... « Der gutmütige Suleiman hat seine Not mit dem Ärgerlichen , versteht es aber - zu trösten , sagt so ganz ruhig : » Sieh , Safur ! Der Schmutz der Gasse ist noch nicht das Schlimmste auf dieser schlimmen Welt . Was Besondres haben wir ja nicht vor . Unsre Sandalen werden schon wieder trocken werden . Nebenbei - wundern muß ich mich denn doch , daß Du Dich gleichzeitig über den geringen Preis ärgerst , den man heute für gute Verse zu erhalten pflegt . Warum machst Du nicht ein Lobgedicht auf unsern alten Geizhals Said ibn Selm ? Der ist doch für Lobgedichte immer zu haben , würde sich über Safurs Verse sehr freuen und sie sehr gut bezahlen . « » Das Lobgedicht kannst Du machen « , versetzt ingrimmig der jüngere Dichter . Und Suleiman meint drauf lächelnd : » Oh ! Oh ! Das will ich mir gesagt sein lassen . Hast Recht ! Ein alter Dichter braucht auch viel eher einen reichen Freund als ein junger Mensch , wie Du einer bist . « Die nächste Gasse ist wieder trockner , und Safur wird wieder freundlich . Er legt seinen rechten Unterarm auf den linken des alten Suleiman und plaudert - von Tarub . Dem Alten wird ein bißchen neidisch zu Mute , er spricht bitter : » Ja ! Wer eine Tarub hat , der kann stolz sein ! Der hats nicht nötig , einen Said ibn Selm zu loben . Aber erzähl mir nicht mehr von ihr ! Erzähl mir lieber , was Du jetzt als Dichter vorhast ! « Der zart empfindende Safur hört auch gleich von der Tarub auf und teilt seinem alten Freunde - fast zitternd vor Erregung - mit , daß er unter die Beduinen gehen möchte . Er habe kürzlich wieder die Antarsage gelesen und sei ganz toll geworden , schwärme nur noch für die blauäugigen Dschinnen , jene wilden