mir alleene kochen , nee , det wär nischt . « Hildegard schüttelte den Kopf . » Die Thüre da drüben führt wohl zu Fräulein Schulzes Zimmer ? « » Ja det thut se . « » Und wo schlafen Sie ? « » Hier uf ' m Sofa . « Das Vorzimmer war eng , aber anständig möbliert ; Sofa , Tisch , und einige Stühle bildeten seine Einrichtung . Am Fenster befand sich ein Nähtisch . In einer Ecke stand ein Kleiderrechen , daneben ein Reisekorb . » Viel Licht haben Sie hier nicht . « Hildegard sah in den engen Schacht hinab , der den Hof vorstellte . » Brauch ick ooch nich ; dafor jiebts Lampen . « Ob die Dienstmädchen hier alle so impertinent waren ? Frau Wallner maß mit leichtem Stirnrunzeln die Magd . Es schien ihr , als habe sie noch nie ein so häßliches Gesicht gesehen . Um den breiten Mund gegen das Kinn hin befand sich eine Menge kleiner Warzen und erinnerte an die Haut der Kröten . Die Nase glich einem birnförmigen Fleischklumpen ; die Augen stachen zwischen weißlich blonden Wimpern klein und tückisch hervor . Unendlich spärliches semmelfarbenes Haar umgab die niedere Stirn . Armes Geschöpf , dachte die schöne junge Frau ; dann sagte sie mit freundlicherer Stimme als vorher : » Wie soll ich Sie rufen ? Fräulein , ist auf die Dauer doch zu langweilig . « » Find ick nich . Ick heeße Anna Niehm . Aber ick höret lieber , wenn Se mir bloß Freilein rufen . « Hildegards Wangen röteten sich leicht ; dann wandte sie sich zum Ausgang . » Richtig , der Schlüssel . Ich habe noch keinen Korridorschlüssel . « Die Magd erhob sich träg und langte von dem Bordbrett neben dem Sofa einen Schlüssel herab . Hildegard ging vorsichtig die steile enge Wendeltreppe hinab . Unten blieb sie einen Augenblick stehn , um sich das Haus näher zu betrachten . Es war ein ganz schmaler , alter , spitz zulaufender Bau , vielleicht eines der ältesten Häuser Berlins . Das höchst gelegene Fenster , dort bald unterm Giebel , war das ihre . Als sie , noch von Konstanz aus , hier in einer Tageszeitung ihr Wohnungsgesuch einrücken ließ , hatte sie ein besseres Resultat ihres Suchens erwartet . Sie hatte aus einem Wust angebotener möblierter Zimmer gerade dieses hier gewählt , weil die Straße , in der es sich befand , Unter den Linden hieß , und sie sich unter dieser Straße Herrliches vorstellte . Nun , vielleicht würde sie sich auch hier einleben . Fräulein Schulze , die Wohnungsinhaberin kam immer erst abends nach Hause . Sie war von neun Uhr morgens an in einem Geschäfte . Hildegard würde heute Abend mit ihr sprechen . Hoffentlich war sie anmutiger als ihre Dienerin . Das Mittagessen beim » Franziskaner « verlief überaus peinlich für Frau Wallner . Man starrte sie an ; sie errötete , geriet in Verlegenheit und gab so Veranlassung , daß man sich über sie lustig machte und sie noch mehr anstarrte . Nach dem Essen unternahm sie einen Spaziergang , verirrte sich natürlich , mußte in eine Droschke steigen , und kam schließlich gegen Abend heim . Sie war todmüde geworden , warf sich auf das Sofa und schlief ein . Ein starkes Klopfen an der Thür erweckte sie . Eine Dame trat herein . » Verzeihen Sie , daß ich den Schlüssel als Klopfer benutzt habe . Aber wenn man nicht mit etwas Derberem als dem Finger anpocht , hört mans hier innen nicht . « Hildegard , noch ganz verschlafen , lächelte . » Fräulein Schulze , nichtwahr ? O bitte setzen Sie sich . « Sie zog die Andere neben sich auf das Sofa . » Na , ich wünschte bloß , daß es Ihnen bei mir gefällt . Ich habe immer vornehme Mieter gehabt . Es ist sehr ruhig hier ; ich bin den ganzen Tag nicht zu Hause . « » Das thut mir leid , « meinte Hildegard , ihre Hausfrau von der Seite betrachtend , » ich hätte Sie gerne um allerlei gefragt , mir Ihren Rat erbeten . « » Das können Sie ja , liebes Frauchen . « Das gutmütige , volle , stark gepuderte Gesicht der Vermieterin verzog sich zu einem freundlichen Lächeln . » Ich komme jeden Abend gegen elf Uhr nach Hause . Da können wir nachher immer noch ein Weilchen plaudern . « » So spät erst « meinte Hildegard . Das Fräulein zupfte sich die leicht angegrauten blonden Löckchen in die Stirn . » Das nennen Sie spät ? Aber ich bitte Sie , das ist ja ganz zeitig . Um acht Uhr schließen wir das Geschäft , dann gehe ich mit Bekannten soupieren . Dann - übrigens wie ists denn , haben Sie gar Niemand hier in Berlin ? « Frau Wallner schüttelte den Kopf . » Keinen Menschen . « » Das ist traurig , aber - Sie werden mehr Bekanntschaften machen , als Ihnen angenehm ist . « » Wieso ? « fragte Hildegard etwas brüsk . » Ich bin hierhergekommen , um mir eine Stellung zu suchen , nicht um mich zu unterhalten . « » Sie sind von Ihrem Mann geschieden , wie mir Ihr Brief andeutete . « » Getrennt . « Hildegards Wangen färbten sich purpurn . » Und ich wünschte schnell irgend eine Beschäftigung zu finden ? « » Hm . « Fräulein Schulze betrachtete die hübsche junge Frau . » Als was möchten Sie denn angestellt werden ? « » Als was ? Ach , vielleicht als Sekretärin oder so . Ich weiß selbst nicht . Ich spreche französisch und englisch . « » Verstehen Sie die Buchführung ? « » Nein . « » In ein Geschäft möchten Sie nicht . « » In ein Geschäft ? Nein . « Hildegards Augen drückten Befremden aus . » Na ich meinte