Quelle der Erheiterung für ihn war , zu zerstören . Und wie denn alles hier herum den Namen Stechlin führte , so natürlich auch der Schloßherr selbst . Auch er war ein Stechlin . Dubslav von Stechlin , Major a. D. und schon ein gut Stück über Sechzig hinaus , war der Typus eines Märkischen von Adel , aber von der milderen Observanz , eines jener erquicklichen Originale , bei denen sich selbst die Schwächen in Vorzüge verwandeln . Er hatte noch ganz das eigentümlich sympathisch berührende Selbstgefühl all derer , die » schon vor den Hohenzollern da waren « , aber er hegte dieses Selbstgefühl nur ganz im stillen , und wenn es dennoch zum Ausdruck kam , so kleidete sich ' s in Humor , auch wohl in Selbstironie , weil er seinem ganzen Wesen nach überhaupt hinter alles ein Fragezeichen machte . Sein schönster Zug war eine tiefe , so recht aus dem Herzen kommende Humanität , und Dünkel und Überheblichkeit ( während er sonst eine Neigung hatte , fünf gerade sein zu lassen ) waren so ziemlich die einzigen Dinge , die ihn empörten . Er hörte gern eine freie Meinung , je drastischer und extremer , desto besser . Daß sich diese Meinung mit der seinigen deckte , lag ihm fern zu wünschen . Beinah das Gegenteil . Paradoxen waren seine Passion . » Ich bin nicht klug genug , selber welche zu machen , aber ich freue mich , wenn ' s andre tun ; es ist doch immer was drin . Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht , und wenn es welche gibt , so sind sie langweilig . « Er ließ sich gern was vorplaudern und plauderte selber gern . Des alten Schloßherrn Lebensgang war märkisch-herkömmlich gewesen . Von jung an lieber im Sattel als bei den Büchern war er erst nach zweimaliger Scheiterung siegreich durch das Fähnrichsexamen gesteuert und gleich darnach bei den brandenburgischen Kürassieren eingetreten , bei denen selbstverständlich auch schon sein Vater gestanden hatte . Dieser sein Eintritt ins Regiment fiel so ziemlich mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. zusammen , und wenn er dessen erwähnte , so hob er , sich selbst persiflierend , gerne hervor , » daß alles Große seine Begleiterscheinungen habe « . Seine Jahre bei den Kürassieren waren im wesentlichen Friedensjahre gewesen ; nur Anno vierundsechzig war er mit in Schleswig , aber auch hier , ohne » zur Aktion « zu kommen . » Es kommt für einen Märkischen nur darauf an , überhaupt mit dabeigewesen zu sein ; das andre steht in Gottes Hand . « Und er schmunzelte , wenn er dergleichen sagte , seine Hörer jedesmal in Zweifel darüber lassend , ob er ' s ernsthaft oder scherzhaft gemeint habe . Wenig mehr als ein Jahr vor Ausbruch des vierundsechziger Kriegs war ihm ein Sohn geboren worden , und kaum wieder in seine Garnison Brandenburg eingerückt , nahm er den Abschied , um sich auf sein seit dem Tode des Vaters halb verödetes Schloß Stechlin zurückzuziehen . Hier warteten seiner glückliche Tage , seine glücklichsten , aber sie waren von kurzer Dauer - schon das Jahr darauf starb ihm die Frau . Sich eine neue zu nehmen widerstand ihm , halb aus Ordnungssinn und halb aus ästhetischer Rücksicht . » Wir glauben doch alle mehr oder weniger an eine Auferstehung « ( das heißt , er persönlich glaubte eigentlich nicht daran ) , » und wenn ich dann oben ankomme mit einer rechts und einer links , so is das doch immer eine genierliche Sache . « Diese Worte - wie denn der Eltern Tun nur allzu häufig der Mißbilligung der Kinder begegnet - richteten sich in Wirklichkeit gegen seinen dreimal verheiratet gewesenen Vater , an dem er überhaupt allerlei Großes und Kleines auszusetzen hatte , so beispielsweise auch , daß man ihm , dem Sohne , den pommerschen Namen » Dubslav « beigelegt hatte . » Gewiß , meine Mutter war eine Pommersche , noch dazu von der Insel Usedom , und ihr Bruder , nun ja , der hieß Dubslav . Und so war denn gegen den Namen schon um des Onkels willen nicht viel einzuwenden , und um so weniger , als er ein Erbonkel war . ( Daß er mich schließlich schändlich im Stich gelassen , ist eine Sache für sich . ) Aber trotzdem bleib ich dabei , solche Namensmanscherei verwirrt bloß . Was ein Märkischer ist , der muß Joachim heißen oder Woldemar . Bleib im Lande und taufe dich redlich . Wer aus Friesack is , darf nicht Raoul heißen . « Dubslav von Stechlin blieb also Witwer . Das ging nun schon an die dreißig Jahre . Anfangs war ' s ihm schwer geworden , aber jetzt lag alles hinter ihm , und er lebte » comme philosophe « nach dem Wort und Vorbild des großen Königs , zu dem er jederzeit bewundernd aufblickte . Das war sein Mann , mehr als irgendwer , der sich seitdem einen Namen gemacht hatte . Das zeigte sich jedesmal , wenn ihm gesagt wurde , daß er einen Bismarckkopf habe . » Nun ja , ja , den hab ich ; ich soll ihm sogar ähnlich sehen . Aber die Leute sagen es immer so , als ob ich mich dafür bedanken müßte . Wenn ich nur wüßte , bei wem ; vielleicht beim lieben Gott , oder am Ende gar bei Bismarck selbst . Die Stechline sind aber auch nicht von schlechten Eltern . Außerdem , ich für meine Person , ich habe bei den sechsten Kürassieren gestanden , und Bismarck bloß bei den siebenten , und die kleinere Zahl ist in Preußen bekanntlich immer die größere ; - ich bin ihm also einen über . Und Friedrichsruh , wo alles jetzt hinpilgert , soll auch bloß ' ne Kate sein . Darin sind wir uns also gleich . Und solchen See , wie den Stechlin , nu , den hat er schon ganz