ausgesprochenen Bürgerlichkeit , immer noch mehr auf die pommersch-uckermärkischen Träger des berühmten Namens als auf die spätere oder , wenn man will , auch viel frühere posensche Linie hindeutete . » Liebe Corinna , wie nett du dies alles zu machen verstehst und wie hübsch es doch bei euch ist , so kühl und so frisch - und die schönen Hyazinthen . Mit den Apfelsinen verträgt es sich freilich nicht recht , aber das tut nichts , es sieht so gut aus ... Und nun legst du mir in deiner Sorglichkeit auch noch das Sofakissen zurecht ! Aber verzeih , ich sitze nicht gern auf dem Sofa ; das ist immer so weich , und man sinkt dabei so tief ein . Ich setze mich lieber hier in den Lehnstuhl und sehe zu den alten , lieben Gesichtern da hinauf . Ach , war das ein Mann ; gerade wie dein Vater . Aber der alte Rechnungsrat war beinah noch verbindlicher , und einige sagten auch immer , er sei so gut wie von der Kolonie . Was auch stimmte . Denn seine Großmutter , wie du freilich besser weißt als ich , war ja eine Charpentier , Stralauer Straße . « Unter diesen Worten hatte die Kommerzienrätin in einem hohen Lehnstuhle Platz genommen und sah mit dem Lorgnon nach den » lieben Gesichtern « hinauf , deren sie sich eben so huldvoll erinnert hatte , während Corinna fragte , ob sie nicht etwas Mosel und Selterwasser bringen dürfe , es sei so heiß . » Nein , Corinna , ich komme eben vom Lunch , und Selterwasser steigt mir immer so zu Kopf . Sonderbar , ich kann Sherry vertragen und auch Port , wenn er lange gelagert hat , aber Mosel und Selterwasser , das benimmt mich ... Ja , sieh , Kind , dies Zimmer hier , das kenne ich nun schon vierzig Jahre und darüber , noch aus Zeiten her , wo ich ein halbwachsen Ding war , mit kastanienbraunen Locken , die meine Mutter , soviel sie sonst zu tun hatte , doch immer mit rührender Sorgfalt wickelte . Denn damals , meine liebe Corinna , war das Rotblonde noch nicht so Mode wie jetzt , aber kastanienbraun galt schon , besonders wenn es Locken waren , und die Leute sahen mich auch immer darauf an . Und dein Vater auch . Er war damals noch ein Student und dichtete . Du wirst es kaum glauben , wie reizend und wie rührend das alles war , denn die Kinder wollen es immer nicht wahrhaben , daß die Eltern auch einmal jung waren und gut aussahen und ihre Talente hatten . Und ein paar Gedichte waren an mich gerichtet , die hab ich mir aufgehoben bis diesen Tag , und wenn mir schwer ums Herz ist , dann nehme ich das kleine Buch , das ursprünglich einen blauen Deckel hatte ( jetzt aber hab ich es in grünen Maroquin binden lassen ) , und setze mich ans Fenster und sehe auf unsern Garten und weine mich still aus , ganz still , daß es niemand sieht , am wenigsten Treibel oder die Kinder . Ach Jugend ! Meine liebe Corinna , du weißt gar nicht , welch ein Schatz die Jugend ist und wie die reinen Gefühle , die noch kein rauher Hauch getrübt hat , doch unser Bestes sind und bleiben . « » Ja « , lachte Corinna , » die Jugend ist gut . Aber Kommerzienrätin ist auch gut und eigentlich noch besser . Ich bin für einen Landauer und einen Garten um die Villa herum . Und wenn Ostern ist und Gäste kommen , natürlich recht viele , so werden Ostereier in dem Garten versteckt , und jedes Ei ist eine Attrappe voll Konfitüren von Hövell oder Kranzler , oder auch ein kleines Necessaire ist drin . Und wenn dann all die Gäste die Eier gefunden haben , dann nimmt jeder Herr seine Dame , und man geht zu Tisch . Ich bin durchaus für Jugend , aber für Jugend mit Wohlleben und hübschen Gesellschaften . « » Das höre ich gern , Corinna , wenigstens gerade jetzt ; denn ich bin hier , um dich einzuladen , und zwar auf morgen schon ; es hat sich so rasch gemacht . Ein junger Mister Nelson ist nämlich bei Otto Treibels angekommen ( das heißt aber , er wohnt nicht bei ihnen ) , ein Sohn von Nelson & amp ; Co. aus Liverpool , mit denen mein Sohn Otto seine Hauptgeschäftsverbindung hat . Und Helene kennt ihn auch . Das ist so hamburgisch , die kennen alle Engländer , und wenn sie sie nicht kennen , so tun sie wenigstens so . Mir unbegreiflich . Also Mister Nelson , der übermorgen schon wieder abreist , um den handelt es sich ; ein lieber Geschäftsfreund , den Ottos durchaus einladen mußten . Das verbot sich aber leider , weil Helene mal wieder Plättag hat , was nach ihrer Meinung allem anderen vorgeht , sogar im Geschäft . Da haben wir ' s denn übernommen , offen gestanden nicht allzu gern , aber doch auch nicht geradezu ungern . Otto war nämlich , während seiner englischen Reise , wochenlang in dem Nelsonschen Hause zu Gast . Du siehst daraus , wie ' s steht und wie sehr mir an deinem Kommen liegen muß ; du sprichst Englisch und hast alles gelesen und hast vorigen Winter auch Mister Booth als Hamlet gesehen . Ich weiß noch recht gut , wie du davon schwärmtest . Und englische Politik und Geschichte wirst du natürlich auch wissen , dafür bist du ja deines Vaters Tochter . « » Nicht viel weiß ich davon , nur ein bißchen . Ein bißchen lernt man ja . « » Ja , jetzt , liebe Corinna . Du hast es gut gehabt , und alle haben es jetzt gut . Aber zu meiner Zeit , da war es anders , und wenn