einsamen Spatzen schlucken , so gewohnt war sie ihn , » Virgilius , schreiben Sie mir an meinen Sohn seine Mutter , aber gelten ' s , Wort für Wort , wie ich ' s Ihnen vorsag ? « » Ja , Jungfer Mutter « , sagte er fein lächelnd und setzte sich zurecht . Die Hanne streifte mit beiden Händen über ihre Schürze , räusperte sich und begann : » Frau Magdalena Weisin ! Ich danke dir für deinen guten Willen , aber derweil ist kein Geld nicht notwendig , die selige Großmutter vom Poldl hat seinem gottseligen Vatern auch nichts mitgeben können als ihren Segen , und um den tät ich dich für unsern Sohn recht schön bitten , den einen Segen von mir hat er eh ' schon , kriegt er deinen dazu , so hat er zweimal so viel als sein gottseliger Vater kriegt hat . Indem ich dir die beste Gesundheit wünschen tue , schließe ich mein Schreiben und danke dir mein Lebtag . Mit Achtung Johanna Walter . « Die Frau Mutter legte den Brief hübsch zu manchen andern und wartete mit ihrem Segen , bis der Leopold kam und ihn holte und damit versehen nach Bosnien marschierte . Für die » Jungfer Mutter « begann eine schwere Zeit , aber sie hielt sich aufrecht und still wie allzeit . Sie saß am Fenster bei ihrer längst neumodischen Handmaschine und dachte an den fernen Sohn ... Ach , wie oft tauchte sein Vater , der tote Leopold , vor ihr auf ... der hatte nur einen Arm mit heimgebracht von Italien ; sie dankte Gott demütig , daß ihr Poldl noch mit zwei Armen Krieg führte in Bosnien . Jeden Abend fuhr sie mit leichter Hand über die alte Wiege , die noch bei ihrem Bett stand , genau wie vor fünfundzwanzig Jahren , als das Kind immer neben ihr schlief . Fünfundzwanzig Jahre ! Heute ist sein Geburtstag , und heute soll er heimkommen aus Bosnien , das hat er seiner Jungfer Mutter sogar von der vorletzten Station noch telegrafiert . Die ganze Blaue Gans lief zusammen über das Ereignis - ein Telegrafenbrief ! Und nun sitzt sie am Fenster , wartet und murmelt vor sich hin : » Ob er daran denkt , daß heut sein Geburtstag ist ? « Sie läßt die Hand von der Maschine gleiten , hält den Atem ein und lauscht . Ein kleines , blondes , zerzaustes Mädel kommt zum Fenster gesprungen und plappert hastig : » Laß mich die schönen Blumen sehn , Jungfer Mutter , für den Leopold sein ' s , gelt ? « Sie steckt das Köpfchen ins Fenster , bläht die feingeschwungenen Nüstern , schnuppert und guckt hastig um und um wie ein Eichkätzchen . Die Hanni lacht . » Wart nur , bis mein Sohn wieder da ist , dann zeig ich dir alles . « » Ja - nein - aber , weißt , die Laternenanzünder-Godel erzählt ' s schon allen großen Leuten , daß ' s den Rosenbuschen von seiner Frau Mutter g ' sehn hat , und alle Kinder haben ihn unterm Haustor g ' rochen , gleich wie ihn der Dienstmann bracht hat , mit ein ' seidernen Papier ! Das seiderne Papier will ich aber auch sehn ! « schreit sie herausfordernd und springt wieder davon . Die alte Jungfer streicht ihre Scheitel zurecht , glättet ihre frische Schürze und schaut wieder auf den Torbogen . » Er müßt schon da sein , der Eisenbahnzug ist gewiß in Wien ... wenn er keine Verspätung hat « , fügt sie in Gedanken bei . Sie soll ihm nicht auf dem Bahnhof entgegenkommen , hat er sie in seinem letzten Briefe gebeten , nicht unter den vielen Leuten , die sie hin und her stoßen , weil sie sich nirgends auskennt , sie soll ihn nur zu Hause erwarten und sich keine Sorgen machen , wenn er etwas später kommt . Und sie wartet ... wartet ... wartet . Sie sucht die Zeit hinzubringen , wie es nur angeht . Sie hat viel gearbeitet , gebetet , mit den Nachbarn geplaudert , die sich zu ihrem Fenster stellten , sie hat sogar gesungen ! Alle die lustigen und empfindsamen Wiener Lieder , die er als Kind mit ihr zwitscherte , und so ist der Tag hingegangen , sie aber lauscht und wartet . Draußen im Hof verklingen die schrillen Kindersrimmen , der Tageslärm erstirbt , und der Herbstabend fällt ein , schnell , düster , wie von dem wimmernden Wind heruntergedrückt , der noch in der Höhe saust . Jetzt fährt er schon über die Dächer , mit einmal aber stürzt er sich herab , springt durch den Hof und jagt pfeifend alle Papierfetzen , Taubenfedern , Haarbüschel und wirren Kram vor sich her , erwischt die Brunnenstange und schüttelt sie , daß sie wie ein Uhrpendel hin und her baumelt und angstvoll knarrt . Da schlurft ein Mensch über den Hof - hopp ! - Der Wind wirft sich über den greisen Laternenanzünder , packt den langen grünen Kittel , zerrt an ihm und bläht ihn auf wie ein Segel . Der Alte stößt atemlos einen Dragonerfluch nach dem andern aus , und der Wind fliegt jählings davon , wieder hoch über die dunklen Hausdächer hinweg . Seit langer Zeit brennt in dem großen Hof der Blauen Gans das Gaslicht , aber es brennt in so kleinen Flämmchen , daß es schwer zu unterscheiden ist , ob die dünnen Lichter nicht doch verkappte Öllampen sind . Die junge Brut der Blauen Gans behauptet steif und fest : » Der Laternenanzünder-Göd vernagelt die Gasbrenner , so daß nur ein Viertellicht heraus kann , und nachher schimpft er , daß bei dem Luftlicht sich alle Leut die Füß brechen müssen . « Der alte Mann schleppt seinen Lampenstock bis zu dem Fenster der Hanni ; als er ihr blasses verfallenes Gesicht sieht , sagt er gutmütig : » Mußt