, und der Mensch auf Erden ist darauf angewiesen , gegen alles und also auch gegen das » Übermaß der Sterne « zu reagieren . Jaja , und wenn man auch noch ein Deutscher älterer Generation ist , so bleibt man doch am liebsten bei dem Nächstliegenden , dem angenehmen Abend , der guten Gesellschaft , und was sonst so dazu gehört , wenn man sich auch , der Abwechselung wegen , einmal auf » Siriusweiten « in das Glitzern und Flimmern überm Kopfe davon entfernt . Und das ist unser gutes Erdenrecht . Es ist uns , wenigstens fürs erste , wichtiger , zu wissen , was für Menschen hier mit uns leben und mit welchen von ihnen man es zu tun gekriegt hat , eben kriegt und morgen kriegen wird , als herauszukriegen , ob der Mond und der Mars bewohnt sind und von wem oder was . - Nun mußte mir aber die Weggenossenschaft grade dieses Abends näherliegen als alles , was auf dem Mars , dem Monde , dem Sirius und der Beteigeuze , der Venus und dem Jupiter herumlaufen konnte . Es waren die Leute , mit denen man ging , die einem in der Fremde im Wachen und im Träumen , vorzüglich jedoch im Halbwachen und im Halbtraume , plötzlich vorübergleiten oder sich in den Weg stellen ! Die , an welche man lange Jahre nicht gedacht und an die man dann um so intensiver zu denken hat : I , der und der ! Ob der gute alte Kerl wohl noch lebt und es ihm nach Verdienst wohl ergeht ? ... Und nun - da - guck den Stänker - den hämischen Schulbankpetzer ! Wie kommt mir der Bursche in seinen zu kurzen Hosen und Rockärmeln grade jetzt , hier an dieser Straßenecke am Hafen , in den Sinn , hier unter den Palmen und Sykomoren und andern Mohren und bei der äquatorialen Hitze ? Aber es freut einen doch , grade bei der Hitze und unter dem exotischen , heidnischen Niggerpack , daß man in kühlerer Zeit mal mit dem heimatländischen , germanischen Christen zu tun gehabt hat und von ihm mit der Nase drauf gestoßen worden ist , wie treuherzig es in der Welt und unter den Leuten zugeht ! ... Herrgott , da kommt ja Meier ! ... Meier ! Aber wie von einer Teekistenbemalung , mit dem seligen Porzellanturm von Nanking hinter sich ! Wie kommt denn der liebe alte Junge und Schafskopf zu dem wundervollen Zopf und dem Mandarinenknopf vierter Rangklasse ? ... Herrje , und Stopfkuchen ? Wie komme ich denn grade hier auf Stopfkuchen , auf meinen dicken Freund Stopfkuchen , den ersten auf unserer Bank in der Tertia von unten auf gerechnet ? Ei , Stopfkuchen ! ... Stopfkuchen ! Ich hatte weder in der Stadt noch im Brummersumm alle wieder beieinander angetroffen . Den einen hatte der Tod , den andern das Leben daraus weggeholt . Und was den Brummersumm im besondern anbetraf , so war der eine zu gut verheiratet und der andere zu schlecht , als daß sie noch die gehörige Stimmung für die abendliche , ja manchmal auch nächtliche Gesellschaft und Geselligkeit dort aus ihrem Eheleben hätten herausschlagen können . Einer aber von uns hatte auf den Brummersumm Verzicht geleistet und blieb bei seinem Weibe aus ganz besonderm Grunde , und sein Name oder vielmehr sein Spitzname war : Stopfkuchen . Er wird sehr häufig auf diesen Blättern das Wort haben ; es war aber auch eine längere Zeit in der alten Schenke die Rede von ihm gewesen und auf dem Heimwege unter dem glitzernden Sternenhimmel und in der langen Pappelallee auch . Ich aber war eine geraume Zeit hinter den andern gegangen , ohne an der Unterhaltung teilzunehmen , und hatte nur wiederum alte Erinnerungen lebendig werden lassen und hatte nur gedacht : Stopfkuchen ! Und Stopfkuchen auf der Roten Schanze ! Eduard , solltest du das dir als den besten Bissen vom Kuchen bis zuletzt aufgehoben haben ? Welch ein Gott hat dir den wunderlichen Gesellen und guten Jungen hier bis jetzt aus dem Wege geschoben ? Also Stopfkuchen wirklich auf der Roten Schanze ! Und wenn sich Afrika und Europa dir morgen in den Weg stellt : du schiebst sie zur Seite und bist morgen so früh als möglich auf dem Wege nach der Roten Schanze und zu deinem dicksten Freunde Stopfkuchen . Also Stopfkuchen wirklich und wahrhaftig auf der Roten Schanze ! Ich war , wie gesagt , nach Jahren der Abwesenheit einmal wieder ihr Gast , der Gast der Heimatstadt , im Kruge zum Brummersumm gewesen oder hatte vielmehr endlich einmal wieder daselbst einen Stuhl eingenommen . Natürlich könnte man hier Gedanken , Gefühle , Stimmungen und Anmerkungen aus der Tiefe des deutschen Herzens , Busens und Gemütes heraus noch recht erklecklich weiter , und zwar ins Behaglichste ausmalen ; man tut es aber nicht , sondern bemerkt nur das Notwendige . Nämlich als Kind schon begleitete ich meinen jetzt längst verstorbenen Vater dorthin . Er hatte seine Pfeife da stehen , doch dann und wann hatte ich ihm auch eine neue hinauszutragen . Viele Leute werden nun sagen : Der selige alte Herr gab da seinem Jungen ein recht sauberes Beispiel ! Und sie haben recht und wissen gar nicht , wie sehr sie recht haben . Er tat es auch und gab mir ein nettes Beispiel - freilich nicht bloß in dieser Hinsicht . Ich bin also Stammgast des Brummersumms von Kindsbeinen an gewesen und habe schon um dessentwegen mit geheiratet , um gleich dem wackern alten Vater allerlei von dorther an meine eigenen Jungen drunten im » heißen Afrika « weitergeben zu können . Die verwilderten , halbschlächtig deutsch-holländischen Schlingel geben gottlob unter den Buren , Kaffern und Hottentotten manch ein Kulturmoment weiter , was aus dem Brummersumm stammt . Sie sagen dann gewöhnlich dabei : Mein Vater hat ' s gesagt , und der hat ' s schon von seinem Vater ,