sagst du . Allen Respekt davor . Aber du wirst doch nicht verlangen , daß ich mein Schloß am Meer nicht bauen solle , bloß weil aus einem erdichteten Schloß am Meer , auch wenn von Uhland erdichtet , ein Klagelied aus der Halle klang ? « » Nein , Helmuth , das verlang ich nicht . Aber ich bekenne dir offen , ich bliebe lieber hier unten in dem alten Steinhause mit seinen Unbequemlichkeiten und seinem Spuk . Der Spuk bedeutet mir nichts , aber an Ahnungen glaub ich , wiewohl die Herrnhuter auch davon nichts wissen wollen , und werden wohl auch recht damit haben . Trotzdem , man steckt nun mal in seiner menschlichen Schwachheit , und so bleibt einem manches im Gemüt , was man mit dem besten Spruche nicht loswerden kann . « So war damals das Gespräch gegangen , auf das man nicht wieder zurückkam , ein einziges Mal ausgenommen , wo beide ( die Sonne war schon unter ) die Düne hinaufstiegen , um nach dem Neubau , der inzwischen begonnen hatte , zu sehen . Und als sie oben waren , lächelte Holk und wies auf die Wolken , die gerade » golden und rosig « über ihnen standen . » Ich weiß , was du meinst « , sagte die Gräfin . » Und ... « » Ich habe mich inzwischen meiner widerstreitenden Wünsche begeben . Damals , als du zuerst von dem Neubau sprachst , war ich trüben Gemüts ; du weißt weshalb . Ich konnte das Kind nicht vergessen und wollte der Stelle nahe sein , wo es liegt . « Er küßte ihr die Hand und gestand ihr dann , daß ihre Worte während ihres damaligen Gesprächs doch einen Eindruck auf ihn gemacht hätten . » Und nun bist du so gut . Und wie schön du dastehst in dem goldenen Abendrot . Ich denke , Christine , wir wollen hier glücklich sein . Willst du ? « Und sie hing sich zärtlich an seinen Arm . Aber sie schwieg . Das war das Jahr vor Abschluß des Baues gewesen , und bald danach , weil ' s in dem alten Schloß unten immer unwohnlicher wurde , war Holk mit seinem Schwager übereingekommen , Christine und die Kinder nach Arnewiek zu schicken und sie daselbst bis nächste Pfingsten , um welche Zeit alles fertig sein sollte , zu belassen . Und das war denn auch geschehen . Und nun kam Pfingsten heran , und der Tag zur Beziehung des neuen Schlosses war da . Der Garten am Rückabhange der Düne zeigte sich freilich nur halb bepflanzt , und überhaupt war vieles erst im Werden . Aber eines war doch fertig geworden : die schmale , säulenumstellte Front nach dem Meere zu . Hier waren schon Bosquets und Blumenrondels , und weiter hin , wo sich die Düne nach vorn zu senken begann , stieg eine Treppenterrasse zum Strande hinunter und setzte sich unten in einer Stegbrücke fort , die , weit ins Meer hinaus gebaut , zugleich als Anlegestelle für die zwischen Glücksburg und Kopenhagen fahrenden Dampfer dienen sollte . Christine war voller Bewunderung und Freude , weit über ihr eigenes Erwarten hinaus , und als sie , nach einem Umgang um das Haus , das Flachdach erstiegen hatte , vergaß sie angesichts des sich vor ihr ausbreitenden herrlichen Panoramas alles , was sich auch nach der vorjährigen Aussöhnung mit dem Neubau noch immer wieder von Sorgen und Ahnungen in ihrer Seele geregt hatte ; ja , sie rief die Kinder , die noch unten an der Terrasse standen , herbei , daß sie mit teilnehmen möchten an ihrer Freude . Holk sah ihre tiefe Bewegung und wollte sprechen und ihr danken . Sie kam ihm aber zuvor und sagte : » Bald ist es ein Jahr nun , Helmuth , daß wir zuletzt hier auf der Düne standen und du mich fragtest , ob ich hier glücklich sein wolle . Ich schwieg damals ... « » Und heute ? « » Heute sag ich ja . « Zweites Kapitel So schloß der Tag , an dem die Gräfin in das neue Schloß einzog . Einige Wochen später war auch eine Freundin aus den zurückliegenden Gnadenfreier Pensionstagen her auf Holkenäs eingetroffen , Julie von Dobschütz , ein armes Fräulein , bei deren Einladung zunächst nur an einen kurzen Sommerbesuch gedacht worden war . Bald aber regte sich der Wunsch , das Fräulein als Gesellschafterin , Freundin und Lehrerin im Hause verbleiben zu sehen , ein Wunsch , den Holk teilte , weil ihn Christinens Einsamkeit mitunter bedrückte . So blieb denn die Dobschütz und übernahm den Unterricht Astas und Axels , der beiden Kinder des Hauses . Asta ward ihr auch weiterhin anvertraut . Axel aber wechselte mit dem Unterrichte , als Kandidat Strehlke ins Haus kam . Das alles lag jetzt sieben Jahre zurück , Graf und Gräfin hatten sich eingewöhnt , und die » glücklichen Tage « , die man dort oben leben wollte , man hatte sie wirklich gelebt . Die herzlichste Neigung , die beide vor einer Reihe von Jahren zusammengeführt hatte , bestand fort , und wenn es namentlich in Erziehungs-und religiösen Fragen auch gelegentlich zu Differenzen kam , so waren sie doch nicht angetan , den Frieden des Hauses ernstlich zu gefährden . An solchen Differenzen war nun freilich neuerdings , seit die Kinder herangewachsen , kein Mangel gewesen , was bei der Verschiedenheit der Charaktere von Graf und Gräfin nicht wundernehmen konnte . Holk , so gut und vortrefflich er war , war doch nur durchschnittsmäßig ausgestattet und stand hinter seiner Frau , die sich höherer Eigenschaften erfreute , um ein beträchtliches zurück . Darüber konnte kein Zweifel sein . Aber daß es so war , was niemand mehr einsah als Holk selber , war doch auch wieder unbequem und bedrücklich für ihn , und es kamen Momente , wo er unter den Tugenden Christinens geradezu litt und sich eine weniger