an . » Nein , « antwortete sie , » ich freue mich nicht . Wie sollte ich auch ? Während Du hier warst , konnte ich doch hoffen , daß irgend ein Zufall , irgend eine dienstliche oder andere Veränderung in Deinem Dasein auch das meine mit freundlicher gestalten könne . Nun Du gehst , wird meine Abgeschiedenheit vollends zur Klausur werden . « » Liebes Kind , « sagte er mit Milde , » ich will Dir nicht wiederholen , was wir schon bis zum Ueberdruß besprochen haben , daß es nämlich durchaus unnötig , ja , daß es geradezu eigensinnig von Dir war , auf all die kleinen Freuden des Lebens verbittert zu verzichten , die doch auch andere Menschen in gleich unseren bescheidenen oder noch bescheideneren Verhältnissen finden . Eine Aenderung von außen erhoffen , hieße ein Wunder vom Himmel erwarten . « » Ja , « rief sie , während allmälich zwei rote Fleckchen auf ihren Wangen entbrannten , » ja , es war ein Wahnsinn , dergleichen zu hoffen . Unabänderlich - unabänderlich ! Das ist das krächzende Wort , das mir jeder Tag zuschreit . Du wirst in Deiner Berufslaufbahn den Schneckengang , den üblichen , vorwärts gehen , trotz allem Ernst , trotz aller Fähigkeit . Während wir noch jung sind , während wir genießen könnten , heißt es , mit der kleinen Gage reichen und noch davon zu erübrigen , um Deinem Bruder Zuschüsse zu gewähren . Du bist arm , ich bin arm , und von keiner Seite haben wir Erbschaften zu erwarten . Nein , Arnold , ich wollte die kleinen , kargen , lügnerischen , mühselig ersparten Vergnügungen nicht , mit denen andere in solcher Lage das Dunkel ihres Daseins erleuchten wie mit Talglichtern . Ich will ein ganzes , ein helles , großes Glück . « Sie brach in Thränen aus und legte die Stirn auf die Fensterbank . Arnold trat zu ihr und streichelte ihr mitleidig das Haar . » Armes Kind , « sagte er mit seiner tiefen Stimme , » armes , irrendes Kind ! Du liebst mich nicht , deshalb kann Dich auch meine Liebe nicht reich machen . « » Du liebst mich ? « rief Adrienne mit bitterem Auflachen . » Seltsame Art , mir das zu zeigen . Fürwahr , ein strenger , nie befriedigter Erzieher warst Du mir ; von Liebe , von jener heißen , nie ermüdenden Liebe , die ich geträumt habe und in deren Glanz ich auch mit trockenem Brot hätte zufrieden sein wollen , von jener Liebe , die im andern den Gegenstand höchster Anbetung sieht , habe ich nie etwas bemerkt . « » Weshalb hätte ich Dich denn aber zur Gattin gewählt ? « fragte er mit mehr Sanftmut , als ihm sonst bei solchen Scenen eigen war . » Weil Du ein großmütiger Mensch bist und das arme junge Ding Dich dauerte , welches bei Deinem Vorgesetzten die unartigen Kinder beaufsichtigen mußte und sich ihr karges Brot selbst zu verdienen hatte , was ihr auch nicht an der Wiege gesungen worden war . Und diese Deine Großmut blendete mich , ich sah in Dir einen Helden und Gott ... bis ... ja , bis ich in der schnell geschlossenen Ehe erkannte , daß Du ein Pedant bist ... was sag ' ich , ein Pedant ? eine Statue ohne Wärme , schön und mannhaft anzuschauen , aber kalt ! « sprach die junge Frau . » Die Liebe eines Mannes , ich habe es Dir oft gesagt , kann sich nicht in steten Versicherungen und Schwüren , nicht in immer neuen Huldigungen und Umwerbungen äußern . Sieh , in unserer eisernen Zeit , in der Ueberfülle von Existenzen , wo immer eine die andere verdrängen möchte , weil ihrer zu viele sind für die Aufgaben der Menschheit , in unserer Zeit der Arbeit ist nur wenigen Männern die Muße vergönnt , die Ritterlichkeit , die auch in ihrer Liebe wohnt , dem Weibe so unermüdlich zu zeigen , wie ihr Geschlecht mit natürlichem Wunsch zu begehren gewohnt ist . Der Mann von heute muß von dem Weib von heute mehr Vertrauen fordern , als unsere Vorfahren zu beanspruchen brauchten . Ihr müßt uns auch ohne immerwährende Beweise glauben , und wir können von euch leichter verraten werden . Bedenke die Einrichtungen des modernen Lebens und gib mir Recht . Ich hatte in meinem angestrengten Dienst und meinen außerdienstlichen wissenschaftlichen Arbeiten keine Zeit , mit Dir zu tändeln , ich mußte auf Dein Vertrauen zu meiner Liebe rechnen . Du aber mußt hinwieder auf mein Vertrauen zu Deiner Liebe zählen , nun , da ich fern bin und Du mir weder Liebe noch Treue augenfällig beweisen kannst . So , Hand in Hand , Vertrauen fest an Vertrauen gefügt , so ist die Liebe der Menschen von heute , so sollte sie sein , und im Getümmel des Daseinskampfes genügt ihr ein treuer Blick als Verständigung . « Auf seinem Gesicht lag ein feierlicher Ernst . Sein Weib neigte das Haupt . Was sollte sie ihm antworten ? Daß er in der Zeit , wo er ihr diese und ähnliche lange , ohne Zweifel kluge und wahre Reden gehalten hatte , sie lieber hätte herzlich küssen und mit ihr scherzen sollen ? Scherzen ? Arnold ? Undenkbare Vorstellung ! Kaum daß sein Ernst je einmal durch ein Lächeln unterbrochen wurde . » Und daß ich Dich häufig tadelte , « fuhr er liebevoll fort , » das , mein Kind , wirst Du mir danken , wenn dieser da , der sein Leben vorderhand noch verschläft , ein erziehungsbedürftiger Mensch wird . Du hattest keine Mutter gehabt seit Deinem zehnten Jahr , Du wuchsest in einer Pension auf , die Dein älterer , reicher Stiefbruder aus Gnade bezahlte , denn auch Dein Vater war verarmt , noch ehe er starb , und das große Vermögen seiner ersten Frau ging auf deren einzigen Sohn