was Anständiges , und man kann sich überall sehen lassen . Und drum bin ich auch in die Kirche mit ihm gefahren und nich bloß Standesamt . Bei Standesamt reden sie immer noch . « Die Nimptsch nickte . Frau Dörr aber wiederholte : » Ja , in die Kirche , in die Matthäikirche un bei Büchseln . Aber was ich eigentlich sagen wollte , sehen Sie , liebe Frau Nimptsch , ich war ja woll eigentlich größer und anziehlicher als die Lene , un wenn ich auch nicht hübscher war ( denn so was kann man nie recht wissen , un die Geschmäcker sind so verschieden ) , so war ich doch so mehr im Vollen , un das mögen manche . Ja , soviel is richtig . Aber wenn ich auch sozusagen fester war un mehr im Gewicht fiel un so was hatte , nu ja , ich hatte so was , so war ich doch immer man ganz einfach un beinah simpel , un was nu er war , mein Graf , mit seine fuffzig auf ' m Puckel , na , der war auch man ganz simpel und bloß immer kreuzfidel un unanständig . Und da reichen ja keine hundert Mal , daß ich ihm gesagt habe : Ne , ne , Graf , das geht nicht , so was verbitt ich mir ... Und immer die Alten sind so . Und ich sage bloß , liebe Frau Nimptsch , Sie können sich so was gar nich denken . Gräßlich war es . Und wenn ich mir nu der Lene ihren Baron ansehe , denn schämt es mir immer noch , wenn ich denke , wie meiner war . Und nu gar erst die Lene selber . Jott , ein Engel is sie woll grade auch nich , aber propper und fleißig un kann alles und is für Ordnung un fürs Reelle . Und sehen Sie , liebe Frau Nimptsch , das is grade das Traurige . Was da so rumfliegt , heute hier un morgen da , na , das kommt nicht um , das fällt wie die Katz immer wieder auf die vier Beine , aber so ' n gutes Kind , das alles ernsthaft nimmt und alles aus Liebe tut , ja , das ist schlimm ... Oder vielleicht is es auch nich so schlimm ; Sie haben sie ja bloß angenommen un is nich Ihr eigen Fleisch und Blut , un vielleicht is es eine Prinzessin oder so was . « Frau Nimptsch schüttelte bei dieser Vermutung den Kopf und schien antworten zu wollen . Aber die Dörr war schon aufgestanden und sagte , während sie den Gartensteig hinuntersah : » Gott , da kommen sie . Und bloß in Zivil , un Rock un Hose ganz egal . Aber man sieht es doch ! Und nu sagt er ihr was ins Ohr , und sie lacht so vor sich hin . Aber ganz rot is sie geworden ... Und nu geht er . Und nu ... wahrhaftig , ich glaube , er dreht noch mal um . Nei , nei , er grüßt bloß noch mal , und sie wirft ihm Kußfinger zu ... Ja , das glaub ich ; so was laß ich mir gefallen ... Nei , so war meiner nich . « Frau Dörr sprach noch weiter , bis Lene kam und die beiden Frauen begrüßte . Zweites Kapitel Andern Vormittags schien die schon ziemlich hoch stehende Sonne auf den Hof der Dörrschen Gärtnerei und beleuchtete hier eine Welt von Baulichkeiten , unter denen auch das » Schloß « war , von dem Frau Nimptsch am Abend vorher mit einem Anfluge von Spott und Schelmerei gesprochen hatte . Ja , dies » Schloß « ! In der Dämmerung hätt es bei seinen großen Umrissen wirklich für etwas Derartiges gelten können , heut aber , in unerbittlich heller Beleuchtung daliegend , sah man nur zu deutlich , daß der ganze , bis hoch hinauf mit gotischen Fenstern bemalte Bau nichts als ein jämmerlicher Holzkasten war , in dessen beide Giebelwände man ein Stück Fachwerk mit Stroh- und Lehmfüllung eingesetzt hatte , welchem vergleichsweise soliden Einsatze zwei Giebelstuben entsprachen . Alles andere war bloße Steindiele , von der aus ein Gewirr von Leitern zunächst auf einen Boden und von diesem höher hinauf in das als Taubenhaus dienende Türmchen führte . Früher , in vordörrscher Zeit , hatte der ganze riesige Holzkasten als bloße Remise zur Aufbewahrung von Bohnenstangen und Gießkannen , vielleicht auch als Kartoffelkeller gedient , seit aber , vor soundso viel Jahren , die Gärtnerei von ihrem gegenwärtigen Besitzer gekauft worden war , war das eigentliche Wohnhaus an Frau Nimptsch vermietet und der gotisch bemalte Kasten , unter Einfügung der schon erwähnten zwei Giebelstuben , zum Aufenthalt für den damals verwitweten Dörr hergerichtet worden , eine höchst primitive Herrichtung , an der seine bald danach erfolgende Wiederverheiratung nichts geändert hatte . Sommers war diese beinah fensterlose Remise mit ihren Steinfliesen und ihrer Kühle kein übler Aufenthalt , um die Winterzeit aber hätte Dörr und Frau , samt einem aus erster Ehe stammenden zwanzigjährigen , etwas geistesschwachen Sohn , einfach erfrieren müssen , wenn nicht die beiden großen , an der andern Seite des Hofes gelegenen Treibhäuser gewesen wären . In diesen verbrachten alle drei Dörrs die Zeit von November bis März ausschließlich , aber auch in der besseren und sogar in der heißen Jahreszeit spielte sich das Leben der Familie , wenn man nicht gerade vor der Sonne Zuflucht suchte , zu großem Teile vor und in diesen Treibhäusern ab , weil hier alles am bequemsten lag : hier standen die Treppchen und Estraden , auf denen die jeden Morgen aus den Treibhäusern hervorgeholten Blumen ihre frische Luft schöpfen durften , hier war der Stall mit Kuh und Ziege , hier die Hütte mit dem Ziehhund , und von hier aus erstreckte sich auch das wohl fünfzig Schritte lange Doppelmistbeet , mit einem schmalen Gange dazwischen , bis