Pfaffen und die Pfaffenknechte , die ihn um seinen redlichen Broterwerb gebracht . Ein paar Schritte hinter ihm kam die Frau . Sie hatte die Stirn verbunden und schien sich selbst kaum schleppen zu können , schleppte aber doch ein Wägelchen , in dem sich Werkzeug und einiger Hausrat befand und Milada in eine Decke eingehüllt lag . Krank ? Zerbleut ? Man konnte das letztere wohl vermuten , denn vor der Abreise hatte Martin noch entsetzlich gegen die Seinen gewütet . Pavel schloß den Zug . Mit beiden Armen gegen die Rückseite des Wagens gestemmt , schob er ihn kräftig vorwärts und half auch mit dem tief gesenkten Kopfe nach , sooft Leute des Weges kamen , die den Auswandernden entweder mit einem Blick des Mitleids folgten oder einen Trumpf auf Holubs wilde Schimpfreden setzten . Einige Tage später , an einem stürmischen grauen Septembermorgen , fand der Kirchendiener , als er , sich ins Pfarrhaus begebend , um dort die Kirchenschlüssel zu holen , an der Sakristei vorüberkam , die Tür derselben nur angelehnt . Ganz erstaunt und erst nicht wissend , was er davon denken sollte , trat er ein , sah die Schränke offen , die Meßgewänder auf den Boden zerstreut und der goldenen Borten beraubt . Er griff sich an den Kopf , schritt weiter in die Kirche , fand dort das Tabernakel erbrochen und leer . Ein Zittern befiel ihn . » Diebe ! « stieß er hervor , » Diebe ! « und er meinte , es fasse ihn einer am Genick , und wußte nicht , wie er aus der Kirche und über den Weg zur Pfarrei gekommen ... Der Pfarrer pflegte seine Tür nicht zu versperren . » Was sollen die Leute bei mir suchen ? « meinte er ; so brauchte der Sakristan nur aufzuklinken . Er tat es ... Schreck und Grauen ! Im Flur lag die greise Magd des Pfarrers ausgestreckt , besinnungslos , voll Blut . Wie der scharfe Luftzug durch die offene Tür über sie hinbläst , regt sie sich , starrt den Kirchendiener an und deutet mit einer schwachen , aber furchtbar ausdrucksvollen Gebärde nach der Stube des geistlichen Herrn . Der Sakristan , der dem Wahnsinn nahe ist , macht noch ein paar Schritte , schaut , stöhnt - und fällt auf die Knie , aus Entsetzen über das , was er sieht . Eine Viertelstunde später weiß das ganze Dorf : der geistliche Herr ist heute nacht überfallen und , offenbar im Kampf um die Kirchenschlüssel , ermordet worden , im schweren Kampf , das sieht man , darauf deutet alles hin . Über den Urheber der gräßlichen Tat ist niemand im Zweifel . Auch wenn die Aussagen der Magd nicht wären , wüßte jeder : der Martin Holub hat ' s getan . In Soleschau wird zuerst auf ihn gefahndet . Er war vor kurzem da , hat seine Kinder beim Gemeindehirten in Kost gegeben und ist mit seinem Weibe wieder abgezogen . Nach kaum einer Woche wurde das Paar in einer Diebsherberge an der Grenze entdeckt , in demselben Moment , in welchem Holub einen Teil der in Stücke gebrochenen Monstranz aus der Kirche von Kunovic an einen Hausierer verhandeln wollte . Der Strolch konnte erst nach heftigem Widerstand festgenommen werden . Die Frau hatte sich mit stumpfer Gleichgültigkeit in ihr Schicksal gefügt . Bald darauf traten beide in B. vor ihre Richter . Die Amtshandlung , durch keinen Zwischenfall gestört , ging rasch vorwärts . Von Anfang an behauptete Martin Holub , nicht er , sondern sein Weib habe das Verbrechen ausgeheckt und ausgeführt , und sooft die Unwahrscheinlichkeit dieser Behauptung ihm dargetan wurde , sooft kam er auf sie zurück . Dabei verrannte er sich in sein eigenes grob gesponnenes Lügennetz und gab das widrige , hundertmal dagewesene Schauspiel des ruchlosen Wichtes , der zum Selbstankläger wird , indem er sich zu verteidigen sucht . Merkwürdig hingegen war das Verhalten der Frau . Die Gleichförmigkeit ihrer Aussagen erinnerte an das bekannte : Non mi ricordo ; sie lauteten unveränderlich : » Wie der Mann sagt . Was der Mann sagt . « In seiner Anwesenheit stand sie regungslos , kaum atmend , den Angstschweiß auf der Stirn , die Augen mit todesbanger Frage auf ihn gerichtet . War er nicht im Saale , konnte sie ihn nicht sehen , so vermutete sie ihn doch in der Nähe ; ihr scheuer Blick irrte suchend umher und heftete sich plötzlich mit grauenhafter Starrheit ins Leere . Das Aufklinken einer Türe , das leiseste Geräusch machte sie zittern und beben , und erschaudernd wiederholte sie ihr Sprüchlein : » Wie der Mann sagt . Was der Mann sagt . « Vergeblich wurde ihr zugerufen : » Du unterschreibst dein Todesurteil ! « - es machte keinen Eindruck auf sie , schreckte sie nicht . Sie fürchtete nicht die Richter , nicht den Tod , sie fürchtete » den Mann « . Und auf diese an Wahnsinn grenzende Angst vor ihrem Herrn und Peiniger berief sich ihr Anwalt und forderte in einer glänzenden Verteidigungsrede , in Anbetracht der zutage liegenden Unzurechnungsfähigkeit seiner Klientin , deren Lossprechung . Die Lossprechung nun konnte ihr nicht erteilt werden , aber verhältnismäßig mild war die Buße , welche der Mitschuldigen an einem schweren Verbrechen auferlegt wurde . Das Verdikt lautete : » Tod durch den Strang für den Mann , zehnjähriger schwerer Kerker für die Frau . « Barbara Holub trat ihre Strafe sogleich an . An Martin Holub wurde nach der gesetzlich bestimmten Frist das Urteil vollzogen . 2 An den Vorstand der Gemeinde Soleschau trat nun die Frage heran : Was geschieht mit den Kindern der Verurteilten ? Verwandte , die verpflichtet werden könnten , für sie zu sorgen , haben sie nicht , und aus Liebhaberei wird sich niemand dazu verstehen . In seiner Ratlosigkeit verfügte sich der Bürgermeister mit Pavel und Milada nach dem Schlosse und ließ die Gutsfrau bitten , ihm eine