um den bösen Zwilling ein weniges zu zausen , worauf beide Brüder zu zetern und » Mama ! Mama ! « zu schreien begannen . » Isidor ! Julian ! Was gibt ' s denn , was habt ihr wieder ? « ließ sich eine Stimme vernehmen , und aus einem der Häuser kam eine rüstige Frau , unzweifelhaft vom Waschzuber weg . Die feuchte Schürze war zurückgeschlagen , auf der einen Faust hielt sie einen modisch mit Blumen und Seide aufgeputzten Strohhut vor sich hin , während sie mit dem andern rotbraunen Arm den Schweiß von der Stirn zu wischen suchte und der ihr folgenden Putzmacherin schmälend zurief , der Hut sei nicht geraten , die Blumen stellten nichts Rechtes vor , sie wolle ebenso schöne und große , wie andere Frauenzimmer , und weiße Bänder statt der braunen . Sie wüßte nicht , warum sie nicht ebensogut weiße Bänder tragen dürfte , wie diese und jene , und wenn sie auch keine Rätin sei , so werde sie dereinst vielleicht eines oder zwei solcher Stücke zu Schwiegertöchtern bekommen ! Die Modistin , welche ihr den Hut inzwischen abgenommen , versetzte bescheiden schnippisch , es sei gut , daß die Bänder nicht schon weiß gewesen , sonst würden sie von den nassen Händen der Frau bereits verdorben sein , und es frage sich , ob diese befleckten braunen sauber herzustellen seien . Sie wollte sehen , was die Meisterin dazu sage . Hiermit legte sie den Hut wieder in die Schachtel , in der sie ihn hergetragen , und begab sich verdrießlich hinweg , indessen die Waschfrau ihr nachrief , sie solle nur machen , daß sie den Hut bis nächsten Sonntag erhalte , denn sie wolle damit zur Kirche gehen . Dann sah sie endlich nach ihren Buben Julian und Isidor , welche zu schreien nicht aufhörten , obgleich der fremde Knabe sich an seinen Standort zurückgezogen hatte . » Was ist denn mit euch ? Wer tut euch was ? « rief sie , worauf jene schrien : » Der dort will uns hauen ! « Nun aber mischte sich der stets aufmerksame Wandersmann in den Handel und belehrte die Frau , die beiden Jungen hätten den andern zuerst mit Wasser begossen und ihn ausgelacht , weil er nur eine Mutter und keine Mama besitze . » Das ist nicht schön von euch ! « sagte die Frau mit milder Zurechtweisung zu ihren Sprößlingen ; » er ist nicht schuld , wenn er arme oder ungebildete Eltern hat , und ihr könnt Gott danken , daß es euch besser geht ! « Der mit der Reisetasche konnte sich nicht enthalten , zu fragen , ob es denn hierzulande ein Zeichen von Armut oder Verwahrlosung sei , wenn unter dem Volke die Eltern noch Vater und Mutter genannt werden , und er tat diese Frage mit anständiger Wißbegier , ohne Spott , gewärtig , schon wieder etwas Neues , vielleicht Günstiges und Rühmliches zu erfahren . Die Frau aber sah ihn groß an , besann sich ein wenig , bis sie zu erkennen glaubte , daß es sich um einen unvorgesehenen unbefugten Angriff handle , und erwiderte alsdann mit geschärfter Betonung : » Wir sind hier nicht Volk , wir sind Leute , die alle das gleiche Recht haben , emporzukommen ! Und alle sind gleich vornehm ! Und für meine Kinder bin ich die Mama , damit sie sich nicht vor dem Herrenvolk zu schämen brauchen und einst aufrechten Hauptes durch die Welt gehen dürfen ! Jede rechte Mutter hat die Pflicht , dafür zu sorgen , weil es Zeit ist ! « » Was machst du denn für einen Lärm , Frau ? « sagte der hinzugekommene Mann derselben ; er setzte einen großen Korb voll gelber Rübchen neben den Brunnen nieder , indem er beifügte : » Da ist Gemüse zu waschen ! Ich will gleich das Beet umgraben und wieder ansäen ; die Buben können das Zeug abspülen ! Damit sie das Wasser im Trog nicht verunreinigen , gib ihnen einen Zuber , Frau , und achte doch darauf , daß dem Vieh das Trinkwasser nicht immer getrübt wird von den Kindern ! « Hierdurch schien die wackere Frau , in Gegenwart des Fremden , noch gereizter zu werden . Die Knaben seien jetzt ordentlich angezogen und sollen sich nicht schon wieder versauen ! Sie wolle die Rübchen nachher schon abspülen , wozu noch alle Zeit sei , denn sie würden erst am nächsten Morgen geholt . Und die Zwillinge riefen ihrerseits : » Vater , die Mama sagt , wir dürfen uns nicht versauen ! Was sollen wir nun tun ? Können wir laufen , wo wir wollen ? « Ohne die Antwort abzuwarten , sprangen sie mit den anderen Kindern davon ; der Fremde aber , statt ihrem Beispiel zu folgen , blieb immer noch stehen , in Nachdenken verloren über die neue Tatsache , daß der Mann der Mama doch ein einfacher Vater sei vor seinen Kindern , dabei auch freilich nicht soviel zu gelten schien , wie jene . In diesen Gedanken unterbrach ihn der Landwirt oder Gemüsegärtner und fragte : » Und was ist ' s mit dem Herrn hier , was wünscht er ? « » Er wird wohl nichts zu wünschen haben ! « rief die Frau dazwischen ; » er hat uns bloß Volk genannt und sich verwundert , wieso die Buben mir Mama rufen sollen ! « » Das war nicht so gemeint ! « sagte der Fremde lächelnd , » ich habe mich ja im Gegenteil über die Verfeinerung der Sitte hierzulande gefreut , über die zunehmende Gleichheit der Bürger ; gewahre nun aber doch , daß das Familienhaupt noch Vater genannt wird und nicht Papa ! Wie darf ich mir nun das wieder erklären ? « Die Frau blickte ärgerlich auf ihren Mann , der ihr in diesem Punkte genugsam Verdruß gemacht haben mochte , und verhielt sich im übrigen still . Der