, was er gesagt ; es sei so fremdartig mit meiner bisherigen Denkart , und doch scheine mir es so natürlich , als wär es bis jetzt mein einziger Gedanke gewesen . So kann ich ja wohl noch mehr wagen , rief er traut und heiter , doch erinnre mich zu rechter Zeit ! - Als unser Geist , fuhr er nun lächelnd fort , sich aus dem freien Fluge der Himmlischen verlor , und sich erdwärts neigte vom Aether , als der Überfluß mit der Armut sich gattete , da ward die Liebe . Das geschah am Tage , da Aphrodite geboren ward . Am Tage , da die schöne Welt für uns begann , begann für uns die Dürftigkeit des Lebens . Wären wir einst mangellos und frei von aller Schranke gewesen , umsonst hätten wir doch nicht die Allgenügsamkeit verloren , das Vorrecht reiner Geister . Wir tauschten das Gefühl des Lebens , das lichte Bewußtsein für die leidensfreie Ruhe der Götter ein . Denke , wenn es möglich ist , den reinen Geist ! Er befaßt sich mit dem Stoffe nicht ; drum lebt auch keine Welt für ihn ; für ihn geht keine Sonne auf und unter ; er ist alles , und darum ist er nichts für sich . Er entbehrt nicht , weil er nicht wünschen kann ; er leidet nicht , denn er lebt nicht . - Verzeih mir den Gedanken ! er ist auch nur Gedanke und nichts mehr . - Nun fühlen wir die Schranken unsers Wesens , und die gehemmte Kraft sträubt sich ungeduldig gegen ihre Fesseln , und der Geist sehnt sich zum ungetrübten Aether zurück . Doch ist in uns auch wieder etwas , das die Fesseln gerne trägt ; denn würde der Geist von keinem Widerstande beschränkt , wir fühlten uns und andre nicht . Sich aber nicht zu fühlen , ist der Tod . Die Armut der Endlichkeit ist unzertrennlich in uns vereiniget mit dem Überflusse der Göttlichkeit . Wir können den Trieb , uns auszubreiten , zu befreien , nie verleugnen ; das wäre tierisch . Doch können wir auch des Triebs , beschränkt zu werden , zu empfangen , nicht stolz uns überheben . Denn es wäre nicht menschlich , und wir töteten uns selbst . Den Widerstreit der Triebe , deren keiner entbehrlich ist , vereiniget die Liebe , die Tochter des Überflusses und der Armut . Dem Höchsten und Besten ringt unendlich die Liebe nach , ihr Blick geht aufwärts und das Vollendete ist ihr Ziel , denn ihr Vater , der Überfluß , ist göttlichen Geschlechts . Doch pflückt sie auch die Beere von den Dornen , und sammelt Ähren auf dem Stoppelfelde des Lebens , und wenn ihr ein freundlich Wesen einen Trank am schwülen Tage reicht , verschmähet sie nicht den irdnen Krug , denn ihre Mutter ist die Dürftigkeit . - Groß und rein und unbezwinglich sei der Geist des Menschen in seinen Forderungen , er beuge nie sich der Naturgewalt ! Doch acht er auch der Hülfe , wenn sie schon vom Sinnenlande kömmt , verkenne nie , was edel ist , im sterblichen Gewande , stimmt hie und da nach ihrer eignen Weise die Natur in seine Töne , so schäm er sich nicht der freundlichen Gespielin ! Wenn deine Pflicht ein feurig Herz begleitet , verschmähe den rüstigen Gefährten nicht ! Wenn dem Geistigen in dir die Phantasie ein Zeichen erschafft , und goldne Wolken den Aether des Gedankenreichs umziehn , bestürme nicht die freudigen Gestalten ! Wenn dir als Schönheit entgegenkömmt , was du als Wahrheit in dir trägst , so nehm es dankbar auf , denn du bedarfst der Hülfe der Natur . Doch erhalte den Geist dir frei ! verliere nie dich selbst ! für diesen Verlust entschädiget kein Himmel dich . Vergiß dich nicht im Gefühle der Dürftigkeit ! Die Liebe , die den Adel ihres Vaters verleugnet , und immer außer sich ist , wie mannigfaltig irrt sie nicht , und doch wie leicht ! Wie kann sie den Reichtum , den sie tief im Innersten bewahrt , in sich erkennen ? So reich sie ist , so dürftig dünkt sie sich . Sie trägt der Armut schmerzliches Gefühl , und füllt den Himmel mit ihrem Überfluß an . Mit ihrer eignen Herrlichkeit veredelt sie die Vergangenheit ; wie ein Gestirn , durchwandelt sie die Nacht der Zukunft mit ihren Strahlen , und ahndet nicht , daß nur von ihr die heilige Dämmerung ausgeht , die ihr entgegenkömmt . In ihr ist nichts , und außer ihr ist alles . Ihre Männlichkeit ist hin . Sie hofft und glaubt nur ; und trauert nur , daß sie noch da ist , um ihr Nichts zu fühlen , und möchte lieber in das Heilige verwandelt sein , das ihr vorschwebt . Aber sie fühlt sich so ferne von ihm ; die Fülle des Göttlichen ist zu grenzenlos , um von ihrer Dürftigkeit umfaßt zu werden . Wunderbar ! vor ihrer eignen Herrlichkeit erschrickt sie . Laß ihr das Unsichtbare sichtbar werden ! es erschein ihr im Gewande des Frühlings ! es lächl ' ihr vom Menschenangesichte zu ! Wie ist sie nun so selig ! Was so fern ihr war , ist nahe nun , und ihresgleichen , und die Vollendung , die sie an der Zeiten Ende nur dunkel ahndete , ist da . Ihr ganzes Wesen trachtet , das Göttliche , das ihr so nah ist , sich nun recht innig zu vergegenwärtigen , und seiner , als ihres Eigentums , bewußt zu werden . Sie ahndet nicht , daß es verschwinden wird im Augenblicke , da sie es umfaßt , daß der unendliche Reichtum zu nichts wird , sowie sie ihn sich zu eigen machen will . In ihrem Schmerze verläßt sie das Geliebte , hängt sich dann oft ohne Wahl an dies und das im Leben , immer hoffend und immer getäuscht ; oft kehrt sie