ihr zur Seite stehen , und weil dieser guten Freundin Geburtstag heuer just auf den sechsten Sonntag nach Trinitatis , will sagen auf den Perikopentag von dem brüderlichen Versöhnungsopfer , Pastor Blümels Leibtext fiel , war es seiner Gattin leicht geworden , ihn zum Verschieben des Weiheaktes bis auf diesen Festtag zu bestimmen . Als sie nun aber auch den Namen des Täuflings in Erwägung stellte , da hatte der Vater lächelnd erwidert : » Wähle ihn nach deinem Gefallen , liebe Hanna ! « » Nach ihrem Gefallen ! « deutlicher hätte er doch wahrhaftig seine Gleichgültigkeit nicht ausdrücken können ! Und das inmitten des üppigsten Juniflors ! Er hatte in seinem Treibbeet zum ersten Male eine neue Sommerpflanze zum Blühen gebracht ; wäre es ihm beigekommen , sein Töchterchen nach ihr Gloxinia zu taufen , Frau Hanna würde kein Wort dagegen erhoben und für den Hausgebrauch dem Linchen und Minchen ein Sinchen angereiht haben . » Nach deinem Gefallen ! « sie empfand die Kränkung ihres unschuldigen Lämmchens bis in den Muttergrund hinein , ja als sie heute , zum ersten Male seit zwei Wochen , den hartherzigen Töchtervater mit so viel Sorgfalt zwischen seinen Blumenkindern walten und dabei so achtlos an der kleinen Menschenblüte in der Wiege vorüberschlendern sah , da hätte sie vor Entrüstung Tränen vergießen mögen ; und Frau Hanna Blümel hatte wohl schon manchmal Kummertränen und öfter noch Freudentränen geweint , eine Träne der Entrüstung aber hatte ihr noch nie die guten , klugen Augen getrübt . Sie beugte sich über die Wiege und küßte ihr kleines Mädchen so ungestüm , als ob sie es durch doppelte Zärtlichkeit für den Abbruch an Vaterfreude entschädigen müsse . Aber die Liebe macht schlau und Mutterliebe am schlausten . Als sie den grausamen Vater sich wieder einmal der Laube nähern hörte , zog Frau Hanna das Gesicht hastig unter dem Wiegenhimmel hervor , lehnte sich auf der Bank zurück und setzte ihre Stricknadeln in Bewegung . In ihrem anschlägigen Haupte war ein verwogenes Stratagem reif geworden ; in heller Kampfeslust hatten die Wangen sich noch eine Schattierung höher als in Friedenszeiten gefärbt , und aus den blauen Augen blitzte ein lächelnder Trotz : » Dir soll und wird zu deinem Recht verholfen werden , du unschuldige Kreatur ! « Die unschuldige Kreatur unterstützte die mütterliche Kriegslist durch verdrießliches Gemurr . Ob sie der Schlummerruhe , die durchaus nicht in ihrem Temperament zu liegen schien , überdrüssig , ob sie durch den ungestümen Kuß vor der Zeit aus derselben geweckt worden war : kurzum sie murrte , und das Murren schlug in Greinen um , just als der Vater herantrat , seine Rosenernte darzubieten . Frau Hanna beachtete weder das Greinen noch die Ernte ; die Stirn in krause Falten gezogen , strickte sie mit Vehemenz . » Die Kleine verlangt nach dir , Hanna , « mahnte der Vater . Frau Hanna nahm die fünfte Stricknadel zwischen die Lippen , zog die Brauen in die Höhe und zählte die Maschen ihres Strumpfes . Pastor Blümel schob das schwarze Käppchen von der Stirn zurück , wischte die Brillengläser mit dem Taschentuche ab und blickte in hellem Wunder auf das befremdliche Gebaren . Er stand noch mehr wie seine Gattin in dem Alter , wo Elternfreuden , selber bei einem Landpfarrer , Ausnahmen werden ; er schaute auf eine mehr als zwanzigjährige Ehe zurück , aber noch nie hatte er sein frohgewilltes Weib ärgerlicher Laune gesehen , noch niemals seine Stirn gefurcht und die Lippen mißmutig herabgezogen wie heute . Und das umwogt von Balsamdüften und bei einem Anlaß , der das Mutterherz zu inbrünstigem Danke stimmen mußte ! Das Kind schrie jetzt jämmerlich ; die Mutter schien über dem Klappern der Stricknadeln taub geworden zu sein . » Die Kleine verlangt nach dir , Hanna ! « wiederholte der Vater mit ängstlicher Miene . Sie biß die Lippen übereinander und strickte , als ob es auf der Welt nichts so Wichtiges wie eine Strumpfhacke fertigzubringen gäbe . Der Vater setzte sich an ihre Seite und begann die Schaukel der Wiege zu treten ; das Kind schrie und strampelte merklich mit den Beinchen . » Die Kleine verlangt nach dir , Hanna ! « sagte der Vater zum dritten Male , diesmal mit vorwurfsvollem Klang . » So laß doch den Schreihals ! « versetzte die Mutter , ohne aufzublicken . » Mädchen querelen allemal ärger als Knaben ! « Pastor Blümel schüttelte den Kopf und trat die Schaukel immer eifriger . Er beugte sich über die Wiege , versuchte die Bänder des Wickelbettchens zu lösen und betrachtete aufmerksam das kleine , vom Schreien kirschrote Gesicht . » Ein herziges Püppchen ! « meinte er nach einer Weile . » Es sieht dir ähnlich , liebe Hanna . « » Mir ? « widersprach sie . » Dir ists wie aus den Augen geschnitten , Konstantin . « Der Pastor schüttete seinen Rosenkorb über die Wiegendecke und kitzelte das kindliche Stumpfnäschen mit einer Zentifolie ; die Kleine ward für einen Moment still , nieste dann und verzog die Lippen zu einem Lächeln , was bei Wickelkindern ein Zeichen des Unbehagens ist und einen demnächstigen Ausbruch gewärtigen läßt . Der Vater aber erwiderte das Lächeln , nickte seinem Töchterchen zu und sagte : » Die Kleine spürt wahrlich schon den Rosenduft ! Oder meinst du , Hannchen , daß sie auf dem Weiß der Decke die bunten Farben unterscheidet ? « » Sie wird eine Blumennärrin werden , « spottete die Mutter . » Derlei unnütze Steckenpferde sind fast immer ein Tochtererbe . Wäre es ein Knabe - - « » Würde er jetzt schon mit Stricknadeln spielen , gelt ? « unterbrach sie lächelnd der Vater . » Wie vereitelte Wünsche dich doch betören , Hanna ! « » Dich etwa nicht , Konstantin ? « » Gott verhüte es ! Nun ja , warum sollte ich es leugnen ? Ich habe bei jeder Aussicht auf Elternfreuden , also