Hauses , einer derben und verläßlichen Person von zweiundzwanzig Jahren , mit Namen Bozena . Für diese äußerte das Kind schon zu Lebzeiten seiner Mutter eine zärtliche Liebe , welche die arme Verstorbene oft eifersüchtig gemacht hatte . Rosa nannte die Dienerin , wie sie es wohl von andern gehört hatte , » die schöne Bozena « und ertrug die rauhe Behandlung , die sie zeitweis von ihr erfuhr , mit fröhlicher Standhaftigkeit . Die schöne Bozena hätte sich an Größe und Stärke kühnlich mit einem Flügelmanne des Garderegiments Friedrich Wilhelms I. messen können . Dabei besaß sie ein ausdrucksvolles und gescheites Gesicht , in dem ein Paar rabenschwarze Augen funkelten , die auch der mutigste Mann nicht ohne leises Grauen in Ungnaden auf sich gerichtet sah . Das Schönste jedoch an der schönen Bozena war die Röte ihrer Wangen und das blendende Weiß ihrer Zähne . Allerdings konnten die Lippen , hinter denen das prächtige Gebiß zum Vorschein kam , etwas schwellend genannt werden , und was die Nase betraf , so geschah ihr kein Unrecht , wenn man sie - wie ein launiges Mitglied der Paßbehörde » ex officio « getan - » landesüblich « nannte . Gegen alles Schmucke und Zierliche empfand Bozena Verachtung , aber mit der Reinlichkeit nahm sie es genau ; die Arbeit flog unter ihren Händen , und so blitzblankes Hausgerät , einen so nett gedeckten Tisch , so sauber gehaltene Stuben wie im Hause Heißenstein fand man auf Meilen in der Runde nicht wieder . Mit dem Kinde , das ihr nun ausschließlich anvertraut war , ging sie um , wie eine Bärin mit einem jungen Hündchen umgegangen wäre , für das sie eine mütterliche Zuneigung gefaßt hätte . Wenn sie ihre Riesenfaust gegen die Kleine ballte und sie mit einer Stimme anschrie , die aus der Brust eines Ogers zu kommen schien , dann lachte das verwegene Ding , aber es gehorchte . Bozena war sich wohl bewußt , das Kind und der Haushalt ihres Herrn könnten schwerlich besser betreut werden , als es durch sie geschah , und lebte in tätiger Ruhe dahin ; sehr zufrieden mit ihrem Lose , ohne Furcht , daß jemals eine Veränderung eintreten könnte . Indessen wurde sie , noch vor Verlauf eines Jahres nach dem Tode der Frau , welche sie so vollständig ersetzen zu können meinte , aus ihrer Sicherheit aufgeschreckt . Das Gerücht , Herr Heißenstein stehe im Begriffe , sich zum zweitenmal zu verheiraten , verbreitete sich , und Neugierige , die durch Bozena Bestimmteres darüber zu erfahren hofften , trugen es ihr zu . Sie wurden zwar mit ihrer Nachricht nicht viel besser empfangen als ein Zündfaden von einer Rakete , aber so fest überzeugt , als Bozena zu sein vorgab , ihr Herr werde » keine solche Dummheit « begehen , war sie doch nicht . Von Stunde an begann sie den Gebieter unter scharfer Aufsicht zu halten . Trotz der größten Aufmerksamkeit vermochte sie jedoch nicht die geringste Veränderung , weder in seiner Lebensweise noch in seiner Stimmung , wahrzunehmen . Höchstens daß sich die letztere in der jüngsten Zeit noch um etwas verschlechtert hatte . Und Bozena , deren Weise es sonst war , wenn sich eine Wolke auf dem Gesichte ihrer Herrschaft zeigte , auf dem ihren sofort ein ganzes Gewitter aufsteigen zu lassen , lächelte jetzt um so freundlicher , je finsterer der Kaufmann erschien . Als dieser eines Abends mit ganz besonders verdrossener Miene heimkam und , nachdem er Befehl gegeben , das für ihn bereitstehende Abendessen wieder abzutragen , sich in sein Zimmer begab , hatte Bozena Mühe , ihren Jubel zu unterdrücken . » Gute Nacht ! « rief sie Herrn Leopold mit ihrer süßesten Stimme nach und setzte für sich triumphierend hinzu : Er hat ihn , den Korb ! Sie schlief sehr gut in dieser Nacht und begab sich mit ausgezeichnetem Frohmut am nächsten Morgen an die Arbeit . Es war Sonntag , und da gestern besonders gründlich gescheuert worden war , genügte heute eine leichte Nachhilfe . Bozena beschäftigte sich eben mit Besen und Wischtüchern im Speisezimmer , da trat ihr Herr Heißenstein entgegen , glatt rasiert und stattlich , das Gebetbuch in der Hand . » Mach fertig « , sprach er , » kleide Rosa an . Ich werde nach der Messe meine Braut hierherbringen , damit sie das Haus und das Kind kennenlerne . « Nur ein König , dem Krone und Zepter plötzlich entrissen wurden , weiß , was Bozena bei diesen Worten empfand . Ihr Blick zuckte an Heißenstein wie ein Blitz vom Wirbel bis zur Sohle hinab , und unter der Fülle von Geringschätzung , die sich auf ihre Lippen gelagert hatte , erschienen dieselben noch dicker als sonst . » Braut ? « rief sie . » Sie wollen wieder heiraten ? ... Wozu denn ? « Herr Heißenstein richtete sich , so hoch er konnte , der Riesin gegenüber auf , knöpfte mit stolzer Entschlossenheit seinen neuen dunkelbraunen Winterrock zusammen und erwiderte : » Meine Tochter braucht eine Mutter , und ich brauche einen Sohn . « Damit verließ er wuchtigen Schrittes das Zimmer . 2 Die Braut , die der angehende Greis sich erkoren hatte , war die Tochter eines Professors am städtischen Gymnasium . Nach dem Tode ihres Vaters hatte sie sich in die Landeshauptstadt begeben , um dort eine Stelle als Erzieherin des Grafen Karl von Rondsperg anzutreten . Zehn Jahre hindurch wurde diese Position unter mancherlei Kämpfen siegreich von ihr behauptet . Nach dem Verlaufe jener Zeit war - wie die Gouvernante auf das bestimmteste erklärte - die Erziehung der Zöglinge vollendet . Aller Schmuck der Bildung setzte die angeborenen Vorzüge der jungen Komtessen in das hellste Licht . Fräulein Nannette hielt in Gegenwart der gräflichen Eltern und einiger hochgeborenen Angehörigen eine kleine Rede , in der sie den Satz verfocht , daß sagen zu sollen , was hier noch zu lehren sei , ihr die größte