dem Halstuchzipfel an den Gläsern herum und begann endlich , nachdem er noch den neben ihm sitzenden Gemeinderäten die großmächtige Schnupftabakdose vorgehalten hatte , mit Gemeindedienerstimme zu lesen . Der Brief erzählte viel von Hunger und Kummer ; doch , schrieb Jörg unter anderem , werde das nun bald überstanden sein . In einigen Wochen bekomme er Urlaub und könne dann heim , wenn man so gut sei , die Zehrung zu überschicken . Es werde wohl noch etwas da sein von dem , wofür er verkauft worden sei . Die Heimat habe er übrigens noch nicht vergessen und fluche noch täglich , allen , die ihn unter die Soldaten gebracht oder doch dabei ein Auge zugedrückt hätten . Besonders für den Vorsteher sei es eine Schande , daß - Mit den Worten : » Er ist noch immer ein Lümmel « , warf der Letztgenannte das Schreiben auf den Tisch ; unmutig verließ er das noch volle Glas und die Stube . Gar so große Eile hatten die anderen freilich nicht ; aber keiner mochte den Brief zu Ende lesen , und wer den letzten Tropfen aus dem Glase hatte , machte sich schweigend heim . Nur der junge Erbe des Stighofes , Stighans genannt , rückte gegen das Jösle hinüber und bestellte für sich und seinen ehemaligen Schulfreund eine Halbe Roten , ohne noch daran zu denken , daß er eigentlich mit der Wirtin allein bleiben wollte . Jörgs Brief hatte ihn ganz aus dem Zeug gebracht . Er mußte gleich etwas Gutes tun , um mit sich selbst wenigstens wieder zufrieden zu werden ; darum hatte er für das schon seit Jahren fast ängstlich gemiedene Schneiderlein eine Halbe Roten bestellt , und darum wohl rief er jetzt dem Mathisle , welches , schon unter der Türe , den wieder sorgfältig zusammengelegten Brief in die Tasche schob , mit emporgehobenem Glase zu : » Komm noch und trink , und wenn du ihm schreibst , so sag ' es mir , daß ich ihm auch einen Gruß oder so etwas mitschicken kann . « » Ist schon gut , recht gut « , rief das Mathisle zurück . » Will schon einmal kommen , wenn ' s die Alte , will sagen deine Mutter , nicht merkt . Jetzt aber muß ich dem Vorsteher nach und ihn um Verzeihung bitten wegen dem Brief . Ich bin sehr erschrocken , denn unsereiner weiß nie , wo er so einen Mann wieder braucht . « Hans warf dem Männchen einen verächtlichen Blick nach und lief dann in der Stube umher , daß die Gläser auf den Tischen klirrten . Dann begann er auf dem großen Backtrog neben dem hintern Tisch einen wilden Marsch zu trommeln , wobei er von Zeit zu Zeit verstohlen nach dem Jösle hinüberschielte . Dieses saß immer wie angefroren beim Glase , welches kaum aller fünf Minuten ein wenig leerer wurde , wie etwa das Schoppenglas eines armen Studentleins , welches gern um ein billiges im Wirtshause sitzen und die neuesten Zeitungen lesen möchte . Endlich sagte Stighans , ihn dünke , daß es nun heut , am Feierabende , denn doch die höchste Zeit zum Heimgehen sei . Jos gab ihm von Herzen recht , während er das allmählich denn doch etwas erleerende Weinglas mit Wasser wieder füllte . Stighans bereute , wieder einmal einer augenblicklichen Stimmung nachgegeben und alles andere dabei vergessen zu haben , selbst den Zweck seines Kommens , den kein Mensch als die Wirtin erfahren durfte . Jos hatte wohl bemerkt , daß dem Hans etwas fehle , daß aber er ihm da im Wege sei , fiel ihm um so weniger ein , da ja Hans selbst ihn dableiben hieß . Vielleicht , meinte er , müsse er hier auf jemand warten helfen , und da könne er dann , wenn Hans einmal hinausstürmen sollte , auch seine Frage an die Wirtin richten . Aber Hans ging nie hinaus . Immer stärker trommelte er auf dem Backtrog herum , während Jos mit der gähnenden Wirtin von allem Erdenklichen zu reden begann , endlich auch von der nun wieder überstandenen Fastenzeit . Es sei doch nicht zu leugnen , sagte er , daß in jedem Menschen etwas von der Eva stecke , die am liebsten nach den verbotenen Früchten lange . Da seien viele , denen das Fastengebot ungemein viel Redens und Klagens gebe , obwohl man ja so vielerlei kochen könnte , ohne daß man zuerst rauben und morden müßte . Er würde für die Erlaubnis , auch an gebotenen Fasttagen Fleisch zu essen , keine fünf Gulden zahlen , denn ihm sei immer besonders wohl , wenn er nicht an Messer und Blut zu denken brauche . Auch beim Essen komme viel auf die Einbildung an . Daheim bei der Mutter sei ihm an manchem Fasttag wohler gewesen als jetzt beim Krämer , obwohl es dort nicht einmal Eier gegeben habe . » Machest jetzt du da ein Schüsseln- und Tellergeklapper ! « fuhr der Stighans den Schulfreund an . Doch schon im nächsten Augenblick zuckte etwas wie ein Lächeln über sein breites Gesicht . Stighans konnte überhaupt nie lange sich über jemand ärgern ; er selbst hätte das noch viel weniger ausgehalten , als wer zufällig eben darunter litt . Nach einer Weile fuhr er lächelnd fort : » Man könnte glauben , daß Essen dir die liebste Arbeit wär ' , wenn man dich heute das erstemal hörte . So schwätzt allenfalls eine Herrenköchin , und ich weiß wahrhaftig nicht , was du damit willst . « » Warten will ich - bis du endlich gehst « , sagte Jos mit kaum verhaltenem Lachen . Es wäre nicht ratsam , jedem Hansen , der eine Halbe zahlt , so zu antworten . Unserem Hans aber tat diese Offenheit recht in der Seele wohl , und fröhlich sagte er : » Da haben wir ' s. Beide wollen das gleiche . Da sieht man nun , daß gleich