die Sachsen zur guten Sache übertraten , und befand sich in Leipzig , wo die Polizei , aufgeklärt durch die Verlagsartikel einiger hundert Buchhändlerfirmen und tolerant gemacht durch das dreimal im Jahre wiederkehrende Meß-Völkergewimmel , ihn zum erstenmal seit seiner Ankunft auf dem Territorium des Deutschen Bundes ungeschoren ließ und über die Unzukömmlichkeit seiner Angaben im Fremdenbuch hinwegsah . Wir sind ihr sehr dankbar dafür , denn sie hat uns dadurch einen Ruhepunkt verschafft , von welchem aus wir die fernern Erlebnisse und Abenteuer unseres interessanten Fremdlings durch einige wenige erklärende Worte einleiten können . Auf unserer wenn auch nicht langen , so doch unzweifelhaft ungemein verdienstvollen literarischen Laufbahn haben wir uns arg und viel geplagt , verkannte Charaktere , allerlei Spiegel der Tugend und der guten Sitte , abschreckende Beispiele des Trotzes , des Eigensinns und der Unart , lehrreiche , liebliche Exempel aus der Geschichte und aus der Naturgeschichte , sei es in alten oder neuen Dokumenten , sei es in den Gassen oder den Gemächern , auf dem Hausboden oder im Keller , in der Kirche oder in der Kneipe , im Walde oder im Felde , aufzustöbern und sie nach bestem Vermögen abgestäubt , gewaschen und gekämmt in das rechte Licht zu stellen . Da ist uns seit dem Jahre achtzehnhundertvierundfünfzig mancher Schweißtropfen entfallen und manche Dummheit entfahren . Hier waren wir zu breit , dort zu flach , hier zu flüchtig , dort zu reflexiv , hier zu hoch , dort zu tief . Hier waren wir affektiert , dort manieriert , hier zu sentimental , dort zu trivial , hier zu transzendental , dort zu real , und unser einziger Trost bleibt nur , daß wir überall und immer zu bescheiden gewesen sind . Seien wir letzteres heute einmal nicht , sondern rühmen wir uns nach unserm Verdienste ! Wieder liegt ein recht maulwurfsartiges Suchen und Wühlen hinter uns , und vor uns liegen die Materialien der sehr wahrhaften Begebenheiten , deren Zusammenstellung wir jetzt unternehmen . Mit dem unbedingtesten Vertrauen auf die Teilnahme und Anerkennung der Leser werfen wir unsern Hügel auf : » Allerseits schönsten guten Morgen ! « Ah , welch ein Vergnügen , wieder einmal die Nase aus der Tiefe emporzurecken ! In welcher Pracht und Herrlichkeit steht der Garten der deutschen Literatur ! Wie blitzt der Tau aus den Augen des gefühlvollen Publikums an jeder schönen Blüte , wie jubilieren die lyrischen Lerchen in der blauen Luft , wie jauchzt der Kuckuck , wie freut sich der humoristische Frosch aus dem Grunde seines gesprenkelten Bauches ! Wahrlich , es ist eine Lust , sich noch lebendig zu fühlen in seiner Haut und in seiner Nation ; aber wie haben wir auch gesucht und gewühlt ! Man gebe uns das uns von Rechts wegen gebührende Lob und gebe es uns um so willfähriger , als wir doch wieder eingestehen , daß alles menschliche Wissen und Wollen nur Stückwerk sei : unsere über alle Begriffe reichhaltigen Materialien sind lange nicht so vollständig , wie wir es im Interesse der Nachwelt wünschen möchten . Verschiedene alte Tanten und Basen haben in keiner Weise bewogen werden können , ihre Schränke , Kommoden und Strickbeutel zu öffnen ; die wichtigsten Papiere sind auf eine schmähliche Art zugrunde gegangen , und mehr als eine löbliche Verwaltungs- oder Justizbehörde mehr als eines hochlöblichen deutschen Bundesstaates hat es schroff von der Hand gewiesen , uns einen Blick in ihre Archive zu gestatten . Wir waren auf Vermutungen angewiesen , wo wir Gewißheit wünschten , und unsere Phantasie fand häufig einen viel weiteren Spielraum als unser Verstand oder das , was wir unsere Vernunft zu nennen belieben . Wir nehmen unser Lob scheffelweise und löffelweise ; - wir haben das möglichste geleistet in bezug auf Wahrheit , Ernst und Unparteilichkeit ; wir haben uns weder durch den Geschmack des Tages noch durch die glückliche Leichtigkeit unseres literarischen Handwerks zu Ausschreitungen verführen lassen . In jeder Beziehung haben wir uns bestrebt , dem großen Vorwurf nachzuwachsen , und weder häusliches noch öffentliches Ungemach haben uns je länger als eine Erdumdrehung in unserm Vorwärtsschreiten aufgehalten ; ja wir haben sogar jede schlaflose Nacht für einen Segen erachtet ; denn sie beförderte uns gewöhnlich wenigstens einen Schritt weiter auf unserm hohen Pfade . Niemals aber wurde auch ein schwierigeres , verantwortungsvolleres Werk von uns unternommen als diese Geschichte der Heimkehr Leonhard Hagebuchers . Und sie war um so schwieriger , je leichter sie im Anfange erschien ! Es war recht angenehm , einen Helden frisch , fromm und frei aus dem allerunbekanntesten , allerinnersten Afrika in Triest landen zu lassen . Man hätte glorreich lügen können , ohne die mindeste Gefahr zu laufen , dessen überführt zu werden , und wir hatten uns entschlossen , es zu tun . Was alles hätten wir mit unserer bekannten Gefälligkeit über den Gorilla , die Tsetsefliege , den Tsadsee , den Sambesi und dergleichen Kuriositäten sagen können ! Überall hatten wir es mit Dingen zu tun , von welchen jedermann etwas gehört hat , ohne jedoch etwas Genaueres darüber zu wissen . Wie gesagt , nachdem unser literarisches Schicksal uns die Gunst hatte zuteil werden lassen , die Bekanntschaft unseres Freundes Hagebucher zu machen , waren wir anfangs fest davon überzeugt , daß eine solche Art , ihn nach seiner langen Abwesenheit der erstaunten europäischen Welt von neuem bekannt zu machen , die einzig richtige sei , und unser entzücktes Herz schlug und flatterte wie ein betrunkener Schmetterling über den tausend Blumen des Mondgebirges - Dschebel al Komri . Wie jedoch auf jeden Rausch binnen kurzem die Ernüchterung folgt , so trat dieselbe auch sehr bald nach dieser ersten gehobensüßen schriftstellerischen Betäubung ein . Je bekannter wir mit dem vielgewanderten trefflichen Manne wurden , desto mehr griff in unserer Seele die Gewißheit Platz , daß er seine mannigfaltigsten , buntesten , gefahrvollsten , geheimnisvollsten Abenteuer nicht in Ägypten , Nubien , Abyssinien und im Königreich Dar-Fur erlebte , sondern da , wo aus alter