und Baron Franz fand in sich kein Bedenken gegen eine Ehe mit einer nichtkatholischen Frau . Die Frauen des Berka ' schen Geschlechtes waren zudem fast alle schön , es umgab sie der Ruf strengen Wandels , und die Verehrung , welche sie genossen , hatte ihnen jene Ruhe und Sicherheit in der äußeren Erscheinung gegeben , welche den Frauen des hohen Adels so viel anmuthige Freiheit verleiht . Mit einer Gräfin Berka glaubte der Baron am wenigsten zu wagen . Die einzige Tochter des Hauses zeigte sich ihm nach kurzer Bewerbung geneigt , die Eltern gaben mit Freuden ihre Einwilligung ; noch ehe der Herbst herankam , wurde die Zeit der Hochzeit festgesetzt , und der erste Nachtreif ruhte auf dem Lande , als man in Berka eines Abends den Ehevertrag des Barons mit Comtesse Angelika unterzeichnete . Der Baron befand sich dabei in der angenehmsten Verfassung . Die zurückhaltende Zärtlichkeit seiner Braut hatte einen eigenthümlichen Reiz für ihn , die Aussicht , das schöne Mädchen bald sein eigen zu nennen , regte ihn angenehm auf . Er war von den mancherlei Festen hingenommen , welche man zu Ehren der Verlobten in den beiderseitigen Familien auf den verschiedenen Besitzungen derselben veranstaltete , und dazwischen beschäftigten ihn die Vorkehrungen , die er in seinem Schlosse traf , um es vor der Ankunft seiner jungen Gattin in einer Weise einrichten zu lassen , die ihrer und seiner Bequemlichkeit , ihrem und seinem Geschmacke genügen konnte . Etwa vierzehn Tage vor seiner Hochzeit befand er sich eines Mittags in dem für seine Frau bestimmten Wohnzimmer . Sein Caplan war bei ihm , und sie überlegten gemeinschaftlich , ob man die beiden antiken Statuen des Amor und der Venus , welchen man neue Postamente gegeben hatte , neben dem Kamine oder in den Ecken des Zimmers aufstellen lassen solle . Als der Baron sich eben für das Letztere entschieden hatte , weil Kunstwerke , wenn sie neben dem Kamin stehen , die Aufmerksamkeit , welche den Lebenden , welche der Gesellschaft zukommt , auf sich zu lenken pflegten , brachte der Diener ihm einen Brief . Der Freiherr blickte das Schreiben an , steckte es , ohne es zu öffnen , in die Tasche und versetzte kurz : Sag ' Er , ich sei beschäftigt ! Dem Diener schien diese Abfertigung des Briefes nicht aufzufallen , der Baron war offenbar in seiner heiteren Stimmung gestört worden . Er trat noch ein paar Mal hieher und dorthin , die Wirkung der Statuen zu beurtheilen , dann entließ er die Diener , welche dabei behülflich gewesen waren , und ging langsam im Zimmer auf und nieder , als wolle er den Eindruck prüfen , welchen es auf den Beschauer bei einem ersten Anblicke machen würde . Er war mit seiner Einrichtung zufrieden . Die gediegene Pracht that der Wohnlichkeit keinen Abbruch , es stimmte Alles zusammen , und was die Schönheit des Raumes noch erhöhte , das war der unbegrenzte Blick in die Ferne , den das Zimmer aus seinen hohen Bogenfenstern darbot . Der Tag war sonnig , die Luft so fein , daß sie dem Blicke nirgend ein Hinderniß entgegenstellte . Auf dem Rasenplatze vor dem Schlosse lag stellenweise noch der weiße Reif , unter welchem das Gras sommerlich grün und frisch hervorsah . Die weithin sich erstreckenden gradlinigen Hecken von Buchsbaum , die scharf zugespitzten Obelisken und Taxus-Pyramiden hatten durch die späte Jahreszeit noch nichts von ihrer Farbe und Form verloren . Sie entsprachen auch jetzt noch der architektonischen Absicht : die herrschaftliche Wohnung über die Grenze des Hauses hinaus in das Freie fortzusetzen , und am Ende des Gartens hoben sich die Bäume des sogenannten Bosquets empor , majestätische Kiefern , deren braunrothe Stämme , wie die Pinien , breite , grüne Kronen trugen , und prächtige Eichen , noch voll von ihrem üppigen und jetzt goldgelb gefärbten Laube . Der Baron ging an das eine , dann an das andere Fenster . Er hatte Neigung genug für seine Braut gewonnen , um sich von ihrer Zufriedenheit Genuß zu versprechen , und es freute ihn , seiner edlen Gattin diese Heimath bieten zu können . War es Zufall oder Absicht , sein Blick fiel in den Spiegel , als er sich zurück in ' s Zimmer wendete , und ohne daran zu denken , richtete er sich dabei mit Selbstgefühl empor . Er war ein Mann , der gefallen konnte , gefallen mußte . Die große , breitbrüstige Gestalt entsprach dem stolzen Kopfe vollkommen . Der prächtige Haarbeutel fiel vornehm über den kräftigen Nacken auf den niedrigen Kragen des gestickten , breitschößigen Tuchrockes herab ; die fein gepuderten Seitenlocken machten die Gesichtsfarbe noch brauner und frischer , die dunkeln Augen noch lebendiger aussehen , und als der Baron sich nach dieser unwillkürlichen Musterung der persönlichen Vorzüge , die er seiner Erwählten darzubieten hatte , auf dem Kanapee niederließ , hätte Jeder ihn in der besten Stimmung glauben müssen , der ihn weniger lange kannte , weniger genau zu beobachten gewohnt war , als sein Caplan . Nur um einige Jahre älter als der Baron , war er einst als Erzieher desselben in das von Arten ' sche Haus gekommen und hatte später den jungen Freiherrn als Gouverneur auf dessen erster großer Reise begleitet . Er war es denn auch gewesen , der den Geschmack des jungen Edelmannes für die schönen Wissenschaften und für die Künste entwickelt und gepflegt hatte . Was aber den gebildeten und ehrgeizigen jungen Geistlichen später bewogen , sein Leben ganz dem Dienste des freiherrlichen Hauses zu weihen , statt an irgend einem Collegium oder in der Kirche die Laufbahn zu verfolgen , für die er sich vorbereitet hatte und welche seinen Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechend gewesen wäre , das war eigentlich selbst der freiherrlichen Familie ein Räthsel geblieben . Indeß sie hatte zu benutzen gewußt , was sich ihr dargeboten hatte . Der Freiherr besaß in seinem Caplan neben einem sehr formvollen und gelehrten Gesellschafter zugleich einen