rasseln diplomatische Fremdlinge über die Brücken in wunderlichem Aufputze , und ihre komischen Livreen ergötzen , wie billig , einen Augenblick lang das einfache Volk . Zwischendurch steuert der deutsche Gelehrte mit gedankenschwerer Stirne nach seinem Hörsaal ; sein Herz ist nicht hier , es weilt im Norden , wo seine tiefsinnigen Brüder , in zerrissenen Pergamenten lesend , finstere Dämonen beschwörend , sich ein Vaterland und ein Gesetz zu gründen trachten . Ausgeworfen von der Gärung dieses großen Experimentes , begegnet ihm der Flüchtling mit unsichern , zweifelhaften Augen und kummervollen Mienen und vermehrt die Mannigfaltigkeit und Bedeutung dieses Treibens . Jetzt ertönt das Getöse des Marktes von einer breiten Brücke über unserm Kopfe ; Gewerk und Gewerb summt längs des Flusses und trübt ihn teilweise , bis die rauchende Häusermasse einer der größten industriellen Werkstätten voll Hammergetönes und Essensprühen das Bild schließt . Aus dem pfeilschnell vorübergeflossenen Gemälde haben sich jedoch zwei Bilder der Vergangenheit am deutlichsten dem Sinne eingeprägt rechts schaute vom Münsterturme das sitzende riesige Steinbild Karls des Großen , eine goldene Krone auf dem Lockenhaupt , das goldene Schwert auf den Knien , über Strom und See hin ; links ragte auf steilem Hügel , turmhoch über dem Flusse , ein uralter Lindenhain , wie ein schwebender Garten und in den schönsten Formen , grün in den Himmel . Kinder sah man in der Höhe unter seinen Lautgewölben spielen und über die Brustwehr herabschauen . Aber schon fährt man wieder zwischen reizenden Landhäusern und Gewerben , zwischen Dörfern und Weinbergen dahin , die Obstbäume hangen ins Wasser , zwischen ihren Stämmen sind Fischernetze ausgespannt . Voll und schnell fließt der Strom , und indem man unversehens noch einmal zurückschaut , erblickt man im Süden die weite schneereine Alpenkette wie einen Lilienkranz auf einem grünen Teppich liegen . Jetzt lauscht ein stilles Frauenkloster hinter Uferweiden hervor , und da nun gar eine mächtige Abtei aus dem Wasser steigt , so befürchtet man die schöne Fahrt wieder mittelalterlich zu schließen ; aber aus den hellgewaschenen Fenstern des durchlüfteten Gotteshauses schauen statt der vertriebenen Mönche blühende Jünglinge herab , die Zöglinge einer Volkslehrerschule . So landet man endlich zu Baden , in einer ganz veränderten Gegend . Wieder liegt ein altes Städtchen mit mannigfachen Türmen und einer mächtigen Burgruine da , doch zwischen grünen Hügeln und Gestein , wie man sie auf den Bildern der altdeutschen Maler sieht . Auf der gebrochenen Veste hat ein deutscher Kaiser das letzte Mahl eingenommen , eh er erschlagen wurde ; jetzt hat sich der Schienenweg durch ihre Grundfelsen gebohrt . Denkt man sich eine persönliche Schutzgöttin des Landes , so kann die durchmessene Wasserbahn allegorischerweise als ihr kristallener Gürtel gelten , dessen Schlußhaken die beiden alten Städtchen sind und dessen Mittelzier Zürich ist , als größere edle Rosette . So haben Luzern oder Genf ähnliche und doch wieder ganz eigene Reize ihrer Lage an See und Fluß . Die Zahl dieser Städte aber um eine eingebildete zu vermehren , um in diese , wie in einen Blumenscherben , das grüne Reis einer Dichtung zu pflanzen , möchte tunlich sein indem man durch das angeführte , bestehende Beispiel das Gefühl der Wirklichkeit gewonnen hat , bleibt hinwieder dem Bedürfnisse der Phantasie größerer Spielraum , und alles Mißdeuten wird verhütet . Unser See bildet scheinbar ein weites ovales Becken , welches aus den bläulichen Farbenabstufungen des umgebenden Gebirges nur ahnen läßt , daß in der Ferne da und dort das Wasser in Buchten ausläuft und in den verschiedenen Seitentälern neue Seen bildet . Aus dem Hintergrunde der klaren Gewässer steigt die mächtige Gletscherwelt empor , senkt sich dann , im Kranze um den See herum , zum flachern Gebirge herab , bis sich dieses in zwei schönen Bergen schließt , welche den mäßigen Strom zwischen sich durchtreten lassen , in das ebene Land hinaus . Am jenseitigen Berge , der seinen sonnigen runden Abhang , dem Süden zugewendet , aus dem See erhebt , liegt die Stadt hingegossen , fast von seinem Scheitel bis in das Wasser herunter , daß ihr steinerner Fuß sich noch in die spülende Flut hineintaucht . Vom diesseitigen Berge aber , welcher aus schroffen waldbewachsenen Felsen besteht , kann man in die Stadt hinein und hinüber schauen , wie in einen offenen Raritätenschrein , so daß die kleinen fernen Menschen , die in den steilen alten Gassen herumklimmen , sich kaum vor unserm Auge verbergen können , indem sie sich in ein Quergäßchen flüchten oder in einem Hause verschwinden . Es ist eine seltsame Stadt , mit einem altergrauen Haupte und neuen glänzenden Füßen . Denn der Verkehr und das tätige Leben haben unten am Ufer , wo die befrachteten Schiffe ab- und zugehen , nichts Altes und Unbequemes gelassen und die Steinmasse fortwährend erneuert , während das Alter sich am Berge hinaufflüchtete , mitten an demselben , auf einem platten Vorsprunge in der kühlen byzantinischen Stadtkirche ausruhte und oben zuletzt auf der halbzerfallenen Burg stehenblieb . Seinen innigen Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Leben beweist es jedoch in den riesenhaften Burglinden , welche ewig grün ihre Aste zu einem mächtigen Kranze verschlingen hoch über der Stadt , unmittelbar unter dem Himmel . Wo der Fluß sich schon merklich verengt und seine eigene Strömung annimmt , steht noch ein malerisches festes Brückentor und sendet eine lange hölzerne Brücke herüber , bedeckt von einem altertümlichen Dache , dessen Gebälke mit Schnitzwerk und verblichenen Schildereien überladen ist . Diesseits empfängt sie wieder ein grauer Turm , und aus diesem hervor führen mehrere Wege , teils dem Flusse entlang nach der Fläche hinaus , teils auf jähen Steigen auf den Felsenberg . An dessen Mitte ragt ebenfalls ein beträchtliches Plateau hinaus ; es trägt , wie es oft bei Flußstädten vorkommt , eine Art Anhängsel oder kleinern Teil der Stadt , bestehend aus einem Kastell und ehemaligen Kloster , deren innere Räume und Höfe vollständig mit Gräbern angefüllt sind , da sie der Stadt schon seit Jahrhunderten zum Kirchhofe dienen . Die