durch gemeinsamen Schmerz . Es war ein Band , dessen Knoten unter dem Deckel eines Sarges verborgen war , das Herz eines Mannes , den sie beide einst glühend geliebt - Alice bis zur Verachtung der Männer , Lydia bis zum Wahnsinn . » Jetzt habe ich Ihnen Alles mitgetheilt « - fuhr der Pater nach einer Pause sein Gespräch wieder aufnehmend fort - » Alles wenigstens , was Ihnen zu wissen nöthig . Hier sind die beiden Briefe . Diesen hier geben Sie in dem ersten Städtchen jenseits der Grenze auf die Post , - den zweiten an den Probst Bergmann müssen Sie bis nach Berlin mitnehmen und dort eigenhändig Seiner Hochwürden überreichen . - Wann werden Sie reisen ? « - » Wenn es nothwendig ist , noch heute Abend - doch wie ? dieser Brief lautet , wie ich sehe , an die Herzogin von Nagas - « Ein lautes Gelächter schien zu dieser mit unendlichem Muthwillen accentuirten Frage einen Commentar zu liefern , dessen Sprache dem gelehrten Pater jedoch völlig fremd war . Indessen verschmähte er es , sich durch eine Frage darüber aufzuklären , sondern wiederholte nur , indem er Anstalt machte , von seinen Begleiterinnen Abschied zu nehmen , noch einmal die Worte Alicens : » Also noch heute Abend . « » Wenn es nothwendig ist , habe ich gesagt . Und dann , ich besinne mich eben , - nein , heute Abend geht es nicht , aber morgen früh bestimmt . « Eine kleine Falte legte sich bei diesen Worten Alicens zwischen die dunkeln Augenbrauen des Paters . Nach einer Pause sagte er , einen kurzen aber forschenden Blick auf das Gesicht seiner schönen Begleiterin werfend : » Verzeihen Sie meine Indiscretion - aber bei den großen Ereignissen , denen wir in kurzer Zeit entgegen gehen , müssen dergleichen kleinliche Bedenken wichtigeren Motiven nachstehen - Sie haben heute Abend um 9 Uhr ein Rendez-vous verabredet . Darf ich fragen , mit wem ? « Die flüchtige Röthe , welche Alicens Wangen bei Erwähnung des Rendez-vous bedeckte und welche mehr durch Ueberraschung über die Mitwissenschaft des Paters , als durch die Verlegenheit , in welche sie etwa hätte gesetzt werden können , hervorgerufen schien , machte bald ihrer gewöhnlichen , halb schalkhaften , halb schwermüthigen Miene Platz , als sie mit dem natürlichsten Tone der Welt erwiederte : » Glauben Sie , daß ich conspirire , Pater ? « » Ich habe das nicht gesagt . Indessen liegt darin nichts Unwahrscheinliches . Sie wollen mich also in dies Geheimniß nicht einweihen ? « » Du lieber Himmel - - das große Geheimniß , was zwischen der liebenswürdigen Alice und dem ebenso liebenswürdigen Fürsten Lizinsky verhandelt werden könnte . « Der Name Lizinsky brachte eine ebenso plötzliche als gewaltige Veränderung in dem Antlitz des Paters hervor . Sein früher bleiches Gesicht verlor alle noch übrige Farbe . Seine bisher marmornen Züge wurden plötzlich beweglich , als zuckten in seinem Innern Blitze , deren Widerschein in ihnen abglänzte . - Doch bedurfte dieser gegen Aufregungen aller Art abgehärtete Mann nur eine kurze Minute , um über die Gewalt der Leidenschaften , welche jener Name in ihm entfesselt , vollständig Herr zu werden . Nur einige Schweißtropfen , welche auf seiner Stirne perlten , ließen die Größe des innern Kampfes ahnen . » Also der Fürst - Lizinsky ist hier ? « - sprach er mit der ihm eigenthümlichen Ruhe in Ton und Geberde . » Und was finden Sie Auffallendes darin , daß Lizinsky in Wien ist ? « fragte Alice , die sich die ungeheure Aufregung , in die ihr geistlicher Freund durch jenen Namen versetzt wurde , gar nicht erklären konnte . - » Steht etwa der Fürst bei Ihnen ebenfalls in dem Verdachte , daß er conspirire - - vielleicht mit mir conspirire ? « - setzte sie laut lachend hinzu . Der Pater blickte sich besorgt um . Es war Niemand in der Nähe , der die letzten Worte hätte hören können . » Sprechen Sie nicht so laut . Sie wissen noch nicht , was zuweilen an einem Namen hängt , doch das ist jetzt Nebensache . « Es trat eine Pause ein , in welcher der Pater über das nachzudenken schien , was er in Folge der eben gemachten Entdeckung gegen Alice beobachten müsse . Noch war er zweifelhaft , ob Alice wüßte , daß eine Beziehung zwischen dem Fürsten Lizinsky und der Herzogin von Nagas existire . Wüßte sie hievon Nichts , so wäre es vielleicht besser , darüber zu schweigen , wenn nicht die Möglichkeit zu nahe lag , daß dem Fürsten bei dem heutigen Rendez-vous der Brief an die Herzogin zufällig in die Augen fallen könnte . Er hätte den Brief zurückfordern können , allein dies würde Alicen jedenfalls aufmerksam gemacht und sie vielleicht zur unmittelbaren Entdeckung geführt haben . Auch hatte sie ja die Adresse bereits gelesen und konnte sich durch eine einzige Frage an den Fürsten völlig darüber aufklären . Dies aber mußte unter jeder Bedingung verhindert werden . Andrerseits aber schien Alice in der That etwas davon zu wissen . Wenigstens sprach für diese Vermuthung der Umstand , daß das Lesen der Adresse an die Herzogin sie zugleich an das auf heute Abend mit dem Fürsten verabredete Rendez-vous erinnerte . - Des Paters Entschluß war gefaßt . » Sie kennen « - sprach er mit so leiser Stimme , daß Lydia , auch wenn sie , statt ihrer völligen Indifferenz , dem Gespräche die gespannteste Aufmerksamkeit gewidmet hätte , keinen Laut davon vernahm - » Sie kennen das Verhältniß , welches zwischen dem Fürsten und der Herzogin besteht ? « » Besteht ? - bestand wollen Sie sagen , frommer Vater - « erwiederte sie mit schelmischer Miene . Der Pater sah sie mit großen Augen an . Darauf schüttelte er unter ironischem Lächeln den Kopf : » Sie dürften sich diesmal im Irrthum befinden , theuerste Freundin . Die Bande ,