wenn ich an den Mann nur denke , von dem man so viel Unheimliches sagt , dessen ganzes Wesen mir widerwärtig ist . Aus seinen Zügen spricht ein Geist , der mir ewig fremd bleiben wird , den ich nicht verstehe , nicht verstehen will , der mir wie eine feindliche Macht gegenübertritt und mein Gefühl empört . Nie , nie könnte ich diesem Manne angehören ! D ' rum , laß mir mein Glück , meinen Frieden , Vater ! Sieh ' , ich bin noch so jung ! Du hast mich so oft Deine holde Blume genannt ! O laß ' mich hier fortblühen ungestört bei Dir , und wachsen und werden , was der innere Trieb gebietet . Dort muß ich verwelken , verdorren - ich fühl ' s - dort ist meine Heimath nicht . Und dann , « fuhr sie fort mit lieblicher Schüchternheit , » Du weißt es ja mein Vater , ich liebe , heiß und innig , habe dem Geliebten das Wort gegeben , ihm allein auf immer anzugehören . Und Du willst mich zwingen , meineidig zu werden , Du , ein Diener des Herrn ? Du mußt es ja wissen , wie fluchwürdig eine Untreue vor Gott ist . « Der Greis hörte in höchster Aufregung die Worte der Tochter an ; doch er bekämpfte die Aufwallung seines Innern , die aus seinen feurigen Blicken und seinen Zügen sprach , und erwiederte ruhig : » Höre aufmerksam zu , Johanna ! Was ich Dir jetzt sage , wird Dir jede weitere Einrede ersparen . Ich tadle Dich nicht ; denn auch mir war die Liebe , als ich noch jung war , das Höchste , das einzig Begehrenswerthe , dem man jedes Opfer willig bringen muß . Ich war sehr arm , hatte früh die Eltern verloren , und stand unter der Aufsicht eines Vormundes , eines redlichen , aber strengen Mannes , der mich für den Handwerkerstand bestimmte , weil mir die Mittel zu einer höheren Ausbildung fehlten . Doch ich traute mir Kraft und Talente zu , eine andere Laufbahn zu wählen : und brachte es durch eifriges Studium dahin , daß ich die Universität zu H. beziehen konnte . Ohne Geld , ohne Connexionen , mit dem bittersten Mangel kämpfend , verlebte ich meine Studienjahre . Die Freuden der Jugend , das Glück eines frischen Lebens , die ungehemmte Freiheit der Existenz - mir war das alles unbekannt . Ich suchte diesen Verlust zu verschmerzen , in eifrigem Studium , in begeistertem wissenschaftlichen Streben Ersatz zu finden für ein sonst freudloses Dasein . Aber auch die Schätze der Wissenschaft sind der Armuth verschlossen ; und nur das Gold ist die Zaubersalbe des Abdallah , welche den Zutritt zu ihnen öffnet , und dem Auge erlaubt , in ihre Tiefen zu schauen . Mit großer Mühe mußte ich mich durchkämpfen zu den Quellen des Wissens , welche den begüterten Studenten mühlos und leicht zuflossen . Da schien mir dieses Metall eine Zaubermacht , gegen die anzukämpfen , nutzlos ist , mit der man sich verbünden muß , um das Leben zu besiegen . Seit jener Zeit ist mir der Reichthum ein hohes Gut , das ich gehaßt und doch mit Gier erstrebt ; dem ich nachjagte , während es mich floh , wie mein eigener Schatten . Du , mein Kind , kennst die Noth und den Hunger nicht ! Das waren die Gefährten meiner Jugend , die mich von Tag zu Tag hetzten durch ein Leben , das keinen andern Zweck kannte , als den , sich selbst zu behaupten , sich selbst fortzufristen . Wie oft schlich ich mich des Nachts auf die Aecker der begüterten Bürger , um mit den Früchten des Feldes , dem fremden Eigenthum , mich vor dem Hungertod zu erretten . - Doch auch diese qualvolle Zeit ging vorüber . Ein glänzendes Examen , das ich nach dreijähriger Studienzeit zurücklegte , verschafte mir die Gunst und Empfehlung eines Professors und durch dieselbe eine Hauslehrerstelle in einer gräflichen Familie . Ein achtjähriger Knabe wurde meiner Sorgfalt anvertraut , während ich der fünfzehnjährigen Tochter nur Musikunterricht ertheilen sollte . Hier in diesem Hause war ich täglich den empfindlichsten Demüthigungen ausgesetzt . Die ungebildete , hochmüthige Familie behandelte mich , den Erzieher ihres Kindes , gleich einem Domestiken . Wenn ich oft nahe daran war , das Haus zu verlassen - da tödtete der Gedanke an meine Armuth , an eine Zukunft ohne Mittel und Aussicht , den freien Entschluß . Allmählig fand ich in meinen Zöglingen Ersatz für die bittern Kränkungen , welche die Eltern mir zufügten . Elise , die Tochter des Hauses , machte mir das Leben zum erstenmale wünschenswerth . Unsere gegenseitige Neigung wurde bald zur Liebe ; die Liebe zur heftigsten Leidenschaft , die nicht nur über mich , sondern auch über die Schülerinn maßlosen Jammer brachte . Die Mutter , eine herzlose Kokette , eifersüchtig auf die Reize der Tochter , entdeckte bald mein Verhältniß zu Elisa . Ich wurde in einer entehrenden Weise , die meinen Namen an den Pranger stellte , aus dem Hause gejagt . Ohne eine andere Stellung zu finden , irrte ich lange Zeit in der Welt umher , im Herzen verzehrende Liebe , von Noth und Sorge treu begleitet . Die bewegtesten Schicksale waren an mir vorübergegangen ; - Jahre voll Arbeit und Mühe lagen hinter mir ; - ich hatte tüchtig mit dem Leben gerungen , bis ich diese Pfarrstelle erhielt , ein bescheidenes Loos , das meine Existenz sicherte ; ohne mein Streben nach höheren Lebensgenüssen jener Welt , die der Reichthum zu schaffen vermag , zu befriedigen . Meine Liebe war nicht erloschen - unter allen Kämpfen des Lebens dachte ich mit Sehnsucht an den kurzen Traum meines Glücks . Sechs Jahre lang hatte ich nichts von der Gräfinn gehört ; ich glaubte sie längst vermählt , und hätte ihr keinen Vorwurf daraus gemacht , wenn sie mir ihr