in der ganzen katholischen , sondern merkwürdiger Weise auch in der protestantischen Christenheit , die doch sonst alles Katholische verabscheuete und zwar mit solchem fanatischen Eifer inquirirt wurde , daß die Protestanten es weit den Katholiken an Grausamkeit zuvor taten , bis katholischer Seits der edle Jesuit J. Spee und protestantischer obgleich erst siebzig Jahre später , der treffliche Thomasius dem Unwesen allmählich Einhalt thaten . Nachdem ich mich auf das Eifrigste mit dem Hexenwesen beschäftigt hatte , sah ich bald ein , daß unter allen diesen , zum Theil so abenteuerlichen Geschichten , keine einzige an lebendigem Interesse meine » Bernsteinhexe « übertreffen würde , und ich nahm mir vor , ihr Schicksal in die Gestalt einer Novelle zu bringen . Doch glücklicher Weise sagte ich mir bald : aber wie ? ist ihre Geschichte denn nicht schon an und für sich die interessanteste Novelle ? Laß sie ganz in ihrer alten ursprünglichen Gestalt ; laß fort daraus , was für den gegenwärtigen Leser , von keinem Interesse mehr , oder sonst allgemein bekannt ist , und wenn du auch den fehlenden Anfang und das fehlende Ende nicht wiederherstellen kannst , so siehe zu , ob der Zusammenhang es dir nicht möglich macht , die fehlenden Blätter aus der Mitte zu ergänzen , und fahre dann ganz in dem Ton und der Sprache deines alten Biographen fort , so daß wenigstens der Unterschied der Darstellung und die gemachten Einschiebsel nicht gerade ins Auge fallen . Dies habe ich denn mit vieler Mühe und nach mancherlei vergeblichen Versuchen gethan , verschweige aber , an welchen Orten es geschehen ist , um das historische Interesse der größten Anzahl meiner Leser nicht zu trüben . Für die Kritik jedoch , welche nie eine bewundernswürdigere Höhe als in unserer Zeit erreicht hat , wäre ein solches Geständniß hier vollends überflüssig , da sie auch ohne dasselbe gar leichtlich unterscheiden wird , wo der Pastor Schweidler , oder wo der Pastor Meinhold spricht4 . Von dem jedoch , was ich fortgelassen , bin ich dem Publikum noch eine nähere Nachricht schuldig . Dahin gehören : 1 ) lange Gebete , insofern sie nicht durch christliche Salbung ausgezeichnet waren . 2 ) allgemein bekannte Geschichten aus dem dreißigjährigen Kriege . 3 ) Wunderzeichen in den Wolken , die hie und da sollten geschehen sein , und die auch anderepommersehe Schriftsteller dieser Schreckenszeit berichten , wie z.B. Micrälius5 ; Standen jedoch solche Angaben in Verbindung mit dem Ganzen , z.B. das Kreuz auf dem Streckelberge , so habe ich sie natürlich stehen lassen . 4 ) die Specifikation der ganzen Einnahme der Coserower Kirche vor und während der Schreckenszeit des dreißigjährigen Krieges . 5 ) die Aufzählung der Wohnungen , die nach den Verheerungen des Feindes in jedem Dorf der Parochie stehen geblieben . 6 ) die Angabe der Oerter , wohin dieses oder jenes Mitglied der Gemeinde ausgewandert sei . 7 ) Ein Grundriß und eine Beschreibung des alten Pfarrhauses usw. Auch mit der Sprache habe ich mir hin und wieder einige Veränderungen erlaubt , wie denn auch mein Autor in Sprache und Orthographie nicht recht constant ist . Letztere habe ich mit geringen Ausnahmen beibehalten . Und somit übergebe ich denn dies vom Feuer des Himmels wie der Hölle glühende Werk dem geneigten Leser . Meinhold . Fußnoten 1 Und in der That kommen im Original einige Rechnungen vor , die wohl beim ersten Anblick zu diesem Irrthum verleiten konnten , und außerdem ist die Handschrift schwer zu lesen , und an einigen Stellen vergilbt und verrottet . 2 Auch diesen Prozeß gedenke ich noch herauszugeben , da er ein ungemeines psychologisches Interesse hat . 3 Horst , Zauberbibliothek , VI , 231 . 4 Vorläufige Proben des Ganzen befanden sich bereits in der Christoterpe von 1841 und 42. 5 vom alten Pommernlande , Buch V. Einleitung . Die Abkunft unsers Biographen kann bei dem verloren gegangenen Anfange seiner Schrift nicht mehr mit Genauigkeit bestimmt werden . Er scheint jedoch jedenfalls kein Pommeraner gewesen zu sein , denn einmal spricht er von Schlesien , wo er in seiner Jugend sich befunden ; nennt sodann weit zerstreute Verwandte , nicht blos in Hamburg und Cöln sondern sogar in Antwerpen und verräth vor allen Dingen durch seine süddeutsche Sprache seine auswärtige Abkunft . Hieher rechne ich besonders Ausdrücke als : eim für einem , und die eigne Derivation mancher Adjective z.B. tänein von Tanne , seidin von Seide , eine Sprechweise , die , so viel ich weiß , niemals in Pommern , wohl aber in Schwaben vorgekommen ist . Doch mußte er bei Abfassung seiner Schrift schon lange Zeit in Pommern gelebt haben , weil er fast noch häufiger plattdeutsche Ausdrücke einmischt , ganz wie dies eingeborne Pommersche Schriftsteller der damaligen Zeit auch wohl zu thun pflegen . Da er von altadlicher Herkunft ist , wie er bei verschiedenen Gelegenheiten sagt ; so möchte man vielleicht in den Adelsregistern des siebzehnten Jahrhunderts etwas Näheres über das Geschlecht der Schweidler finden , und mithin auch über sein wahrscheinliches Vaterland ; allein ich habe mich vergebens in den mir zugänglichen Quellen nach jenem Namen umgesehen , und möchte daher vermuthen , daß unser Autor , wie dies so häufig geschah , bei seinem Uebergange zur Theologie , seinen Adel mit Abänderung seines Namens ablegte . Genug ich will hier nicht weitere Hypothesen wagen . Unser Manuscript , in welchem die ansehnliche Zahl von sechs Kapiteln fehlt , und welches auf den nächst vorhergegangenen Blättern unstreitig sich über den Ausbruch des dreißigjährigen Krieges auf der Insel Usedom verbreitet hat , beginnt mit den Worten : » Kaiserliche gehauset « und fährt dann fort wie folgt : - - Koffer , Truhen , Schränke waren allesammt erbrochen und zuschlagen , auch mein Priesterhemd zurissen , so daß in großen Aengsten und Nöthen stände . Doch hatten sie mein armes Töchterlein nit gefunden , maßen ich sie in einem Stall , wo es dunkel war , verborgen , denn sonst