sagte : » Der Teufelskerl von Zarlin ! Wenn ja der - aber es ist impossibel , ich behaupte trotz allen himmlischen Heerscharen , Sie sind der Maler , kein anderer ; auch läßt sich nicht annehmen , daß es etwa nur zum Teil Ihre Produktion wäre ; Sie haben sich in Ihrem Leben nie auf Fremdes verlegt . « Der Maler bat wiederholt um die Schilderung der befragten Stücke . » Ich beschreibe Ihnen also , weil Sie es verlangen , Ihr eigen Werk « , hub der alte Herr , sich niedersetzend , an , » aber kurz , und korrigieren Sie mich gleich , wenn ich wo fehle . - Das ausgeführte Ölgemälde zeigt uns , wie einer Wassernymphe ein schöner Knabe auf dem Kahn von einem Satyr zugeführt wird . Jene bildet neben einigen Meerfelsen linker Hand die vorderste Figur . Sie drückt sich , vorgeneigt und bis an die Hüften im Wasser , fest an den Rand des Nachens , indem sie mit erhobenen Armen den reizenden Gegenstand ihrer Wünsche zu empfangen sucht . Der schlanke Knabe beugt sich angstvoll zurück und streckt , doch unwillkürlich , einen Arm entgegen ; hauptsächlich mag es der Zauber ihrer Stimme sein , was ihn unwiderstehlich anzieht , denn ihr freundlicher Mund ist halb geöffnet und stimmt rührend zu dem Verlangen des warmen Blicks . Hier erkannte ich Ihren Pinsel , Ihr Kolorit , Ihren unnachahmlichen Hauch , o Tillsen , hier rief ich Ihren Namen aus . Das Gesicht der Nymphe ist fast nur Profil , der schiefe Rücken und eine Brust ist sichtbar ; unvergleichlich das nasse , blonde Haar . Bei der Senkung einer Welle zeigt sich wenig der Ansatz des geschuppten Fischkörpers , in der Nähe schlägt der tierische Schwanz aus dem grünen Wasser , aber man vergißt das Ungeheuer über der Schönheit des menschlichen Teils und der Knabe vergeht in dem Liebreiz dieses Angesichts ; er versäumt das leichte , nur noch über die Schulter geschlungene Tuch , das der Wind als schmalen Streif in die Höhe flattern läßt . Eine Figur von großer Bedeutung ist der Satyr als Zuschauer . Die muskulose Figur steht , auf das Ruder gelehnt , etwas seitwärts im Schiffe , und überragt , obgleich nicht ganz aufrecht , die übrigen . Eine stumme Leidenschaft spricht aus seinen Zügen , denn obgleich er der Nymphe durch den Raub und die Herbeischaffung des herrlichen Lieblings einen Dienst erweisen wollte , so straft ihn jetzt seine heftige Liebe zu ihr mit unverhoffter Eifersucht . Er möchte sich lieber mit Wut von dieser Szene abkehren , allein er zwingt sich zu ruhiger Betrachtung , er sucht einen bittern Genuß darin . Das Ganze rundet sich vortrefflich ab und mit Klugheit wußte der Maler das eine leere Ende des Nachens rechter Hand hinter hohe Seegewächse zu verstecken . Übrigens ist vollkommene Meeraussicht und man befindet sich mit den Personen einsam und ziemlich unheimlich auf dem hülflosen Bereiche . Ich sage Ihnen nichts weiter , mein Freund . Ihre gelassene Miene verrät mir eine hinlängliche Bekanntschaft mit der Sache , Sie dürften übrigens , wenn keine Verwunderung , doch wahrlich ein wenig gerechten Stolz auf ihr Werk blicken lassen , wofern nicht eben in diesem Anscheine von Gleichgültigkeit schon der höchste Stolz liegt . « » Die Skizzen , wenn ich bitten darf ! « erwiderte der andere ; » wie verhält es sich damit ? Sie haben mich sehr neugierig gemacht . « Der Baron holte frisch Atem , lächelte und begann doch bald ernsthaft : » Federzeichnung , mit Wasserfarbe ziemlich ausgeführt , nach Ihrer gewöhnlichen Weise . Das Blatt , wovon jetzt die Rede ist , hat einen tiefen , und besonders als ich es zum zweitenmal bei Lichte sah , einen fast schauderhaften Eindruck auf mich gemacht . Es ist nichts weiter als eine nächtliche Versammlung musikliebender Gespenster . Man sieht einen grasigen , etwas hüglichten Waldplatz , ringsum , bis auf eine Seite , eingeschlossen Jene offene Seite rechts läßt einen Teil der tiefliegenden , in Nebel glänzenden Ebene übersehen ; dagegen erhebt sich zur Linken im Vordergrunde eine nasse Felswand , unter der sich ein lebhafter Quell bildet und in deren Vertiefung eine gotisch verzierte Orgel von mäßiger Größe gestellt ist ; vor ihr auf einem bemoosten Blocke sitzt im Spiele begriffen gleich eine Hauptfigur , während die übrigen teils ruhig mit ihren Instrumenten beschäftigt , teils im Ringel tanzend oder sonst in Gruppen umher zerstreut sind . Die wunderlichen Wesen sind meist in schleppende , zur Not aufgeschürzte Gewande von grauer oder sonst einer bescheidenen Farbe gehüllt , blasse mitunter sehr angenehme Totengesichter , selten etwas Grasses , noch seltener das geschälte häßliche Totenbein . Sie haben sich , um nach ihrer Weise sich gütlich zu tun , ohne Zweifel aus einem unfernen Kirchhof hieher gemacht . Dies ist schon durch die Kapelle rechts angedeutet , welche man unten in einiger Nähe , jedoch nur halb , erblickt , denn sie wird durch den vordersten Grabhügel abgeschnitten , an dessen eingesunkenem Kreuze von Stein ein Flötenspieler mit bemerkenswerter Haltung und trefflich drapiertem Gewande sich hingelagert hat . Ich wende mich aber jetzt wieder auf die entgegengesetzte Seite zu der anziehenden Organistin . Sie ist eine edle Jungfrau mit gesenktem Haupte ; sie scheint mehr auf den Gesang der zu ihren Füßen strömenden Quelle , als auf das eigene Spiel zu horchen . Das schwarze , seelenvolle Auge taucht nur träumerisch aus der Tiefe des inneren Geisterlebens , ergreift keinen Gegenstand mit Aufmerksamkeit , ruht nicht auf den Tasten , nicht auf der schönen runden Hand , ein wehmütig Lächeln schwimmt kaum sichtbar um den Mundwinkel und es ist , als sinne dieser Geist im jetzigen Augenblicke auf die Möglichkeit einer Scheidung von seinem zweiten leiblichen Leben . An der Orgel lehnt ein schlummertrunkener Jüngling mit geschlossenen Augen und leidenden Zügen , eine brennende Fackel haltend ; ein großer goldenbrauner Nachtfalter sitzt ihm in den Seitenlocken .