nieder . Bald erschien auch der Gerufene , das verhängnißvolle Kerbholz tragend , aus dem die ziemlich beträchtliche Schuldsumme des Gastes eingeschnitten zu sehen war . » Wie viel beträgt meine Zeche ? « fragte der Letztere barsch , als strotzten seine Taschen von Golde . » Zwanzig Turnosen , drei Pfenninge für den Herrn , den Knecht und das Pferd ; « antwortete der Wirth vom Rebstock sehr freundlich . » Ein Bettelgeld , « prahlte der Fremde : » obgleich die Zeche übertrieben theuer . Aber wie gesagt , ein Bettelgeld , wegen dessen Du mir keine Umstände machen wirst , guter Freund . Nicht wahr ? « » Nicht die Geringsten , « erwiederte der Wirth : » Ihr habt nur zu bezahlen , und meine schlechte Schenke ist wieder ganz zu Euern Diensten . « » Du bist harthörig , mein Freund ! « sprach der Gast mit vornehmem Augenzwinkern : » Ich hatte gestern Unglück im Spiel , und der Martinschmauß hat mich viel gekostet . Heut kann ich Dich nicht befriedigen , aber sobald ich wiederkehre von Costnitz , soll Dein seyn , was Dir gehört . « Der Wirth sah den Sprecher einen Augenblick an , .. zuckte die Achseln und gieng nach der Thüre . - » Wohin gehst Du ? « fragte ihn der Andere . » Ich gehe , den Stall zuzusperren ; « versetzte der Bürger kalt : » Müßt Ihr gen Costnitz , mögt Ihr zu Fuße gehen . Euer Pferd bleibt hier zurück , bis mein ist , was mir gehört . « » Wie ? « fuhr der Gast auf : » Du ungeschliffener Wirth ! weißt Du , mit wem Du also sprichst ? Ich bin der Edelknecht Gerhard von Hülshofen , und darum nicht zu Schild und Helm geboren , um mir von einem elenden Reichsstädter Schmachreden ins Angesicht sagen zu lassen . « » Ich kenne Euch wohl ; « erwiederte der Wirth : » Wer sollte den verwegensten Gesellen am Rheinstrome nicht kennen , den der wohlweise Rath von Frankfurt als seinen Kämpfer und Turnierfechter gedungen ; der zwar keinen Gegner unbezwungen läßt , aber auch keinen Becher ungeleert , keine Dirne ungeneckt , und keinen Herberger ungeprellt . Darum eben nehme ich Euren Gaul . « » Das Pferd gehört meinen Herren von Frankfurt , « rief der Edelknecht patzig . » So mögen Eure Herren von Frankfurt es auch auslösen ; « versetzte der Gläubiger gleichgültig . » Der ehrsame Rath wird einen Reichsbürger nicht schädig gen lassen an seinem Gut durch einen Dienstmann . « » Ich bin ein Edelmann , Bursche ; « brauste der Junker ; und wenn ich Spießbürgern diene , so geschieht es aus gutem Willen , und nicht ... » Lieber Herr ; « erwiederte der Wirth : » Ich vermag eines Adlichen Thun und Lassen nicht zu schätzen ; allein ich wollte , Ihr hättet Euern Martinstag wo anders zugebracht . Ich hab Euch nicht geladen , und will folglich Eure Zehrkosten nicht aus eignem Seckel bestreiten . Darum nehme ich Euern Gaul und damit genug . « » Unterstehe Dich ! « rief Gerhard : » Plumper Wicht ! Glaubst Du , meine Freunde werden mich verlassen ? « » Ei , Herr Junker , « sprach der Wirth lächelnd : » Ihr seyd zu alt in der Welt geworden , um das im Ernste sprechen zu können . Freunde werden Feinde , sobald sie helfen sollen . Und vollends die Euren , mit denen Ihr acht Tage gezecht und gewürfelt habt . Die Einen sind auf der Landstraße besser zu Hause , als in ihren vier verschuldeten Pfählen . Die Andern sind verdorbene Bürgerssöhne , die Gewerb und Fleiß an den Nagel gehängt haben , um das väterliche Erbe ohne Verzug durch die Gurgel zu jagen . Solche Martinsmänner sind aber den Wirthen nur bis zu einem gewißen Zeitpunkte willkommene Gäste . Doch horch ; .. mich dünkt , ich höre ihrer Etliche die Stiege heraufstürmen . Versucht Euer Heil , Herr . Zwanzig Turnosen - die Pfenninge erlasse ich Euch - öffnen die Stallthüre , und geben Euerm Gaul freien Paß nach Costnitz . Kein Albus weniger ! Verlaßt Euch darauf . « Der Wirth gieng ruhig von dannen , und an seiner Statt tobten vier Männergestalten herein , denen man die Ausschweifungen verwichener Nacht nicht wenig ansah . » Guten Tag ! Bruder Hülshofen ! « brüllten sie im Chor und schüttelten dem Verdrüßlichen die steifgewordenen Hände ? » Wie geht es ? wie geschlafen ? warum ists hier so verteufelt kalt ? « - Gerhard zögerte keinen Augenblick , ihnen die unangenehme Lage , in der er sich befand , zu eröffnen . Die Freunde lachten aus vollem Halse , und konnten sich gar nicht lassen vor muthwilliger Lust . » Nun , das nenne ich doch in der Brühe sitzen ! « rief der baumlange Wernher von Hyrzenhorn : » So fröhlich wurde die Gans eingeläutet , und so traurig ist der Nachtisch ! « » Was ist aber da zu thun ! « sprach Wolf von Eppenstein : » Ich will dem Schwarzen seyn mit Haut und Haar , wenn ich Dir helfen kann , Bruder Gerhard . Du weißt , daß uns der Sattel das tägliche Brod verschafft , - und Deine Dienstherren gerade , - daß sie Gott verdammen möge ! - haben es uns so geschmälert , daß es eine Sünde ist . Die Conziliumsfahrer haben unserm Seckel zwar etwas eingebracht , aber Weib und Kind wollen auch leben , und Martinstag will auch gefeiert seyn . Da haben wir uns denn hier zusammengethan , in Fried und Eintracht die Milch unsrer lieben Frauen reichlich genossen , und müssen dafür Morgen kahl wieder abziehen . « » Hilf Dir selbst ! « rief der wilde Hornberger Veit : » Brich die Stallthüre auf , und reite dem verdammten Kneibenwirth vor der Nase weg