So sahen also alle seine Grenznachbarn mit feindlichen Blicken auf sein Tun , als wollten sie nur Gelegenheit abwarten , ihn fühlen zu lassen , welch mächtiges Bündnis er verweigert habe . Der Kaiser Maximilian , der damals noch regierte , war ihm auch nicht ganz hold , besonders seit er im Verdacht war , den Ritter Götz von Berlichingen unterstützt zu haben , um sich an dem Kurfürsten von Mainz zu rächen . Der Herzog von Bayern , ein mächtiger Nachbar , dazu sein Schwager , war ihm abgeneigt , weil Ulerich mit der Herzogin Sabina nicht zum besten lebte . Zu allem diesem kam , um sein Verderben zu beschleunigen , die Ermordung eines fränkischen Ritters , der an seinem Hofe lebte . Glaubwürdige Chronisten sagen , das Verhältnis des Johann von Hutten zu Sabina sei nicht so gewesen , wie es der Herzog gerne sah ; daher griff ihn der Herzog auf einer Jagd an , warf ihm seine Untreue vor , forderte ihn auf , sich seines Lebens zu erwehren und stach ihn nieder . Die Huttischen , hauptsächlich Ulerich von Hutten , erhoben ihre Stimmen wider ihn , und in ganz Teutschland erscholl ihr Klage- und Rachegeschrei . Auch die Herzogin , die durch stolzes , zänkisches Wesen Ulerich schon als Braut aufgebracht und ihm keine gute Ehe bereitet hatte , trat jetzt als Gegnerin auf , entfloh mit Hülfe Dieterichs von Spät , und sie und ihre Brüder traten als Kläger und bittere Feinde bei dem Kaiser auf.3 Es wurden Verträge geschlossen und nicht gehalten , es wurden Friedensvorschläge angeboten und wieder verworfen , die Not um den Herzog wuchs von Monat zu Monat , und dennoch beugte sich sein Sinn nicht , denn er meinte , recht getan zu haben . Der Kaiser starb in dieser Zeit ; er war ein Herr , der Ulerich trotz den vielen Klagen dennoch Milde bewiesen hatte ; an ihm starb dem Herzog ein unparteiischer Richter , den er in diesen Bedrängnissen so gut hätte brauchen können , denn das Unglück kam jetzt schnell . Man feierte das Leichenfest des Kaisers zu Stuttgart in der Burg , als dem Herzog Kunde kam , daß Reutlingen , eine Reichsstadt , die in seinem Gebiete lag , seinen Waldvogt auf Achalm erschlagen habe . Diese Städtler hatten ihn schon oft empfindlich beleidigt , sie waren ihm verhaßt und sollten jetzt seine Rache fühlen . Schnell zum Zorn gereizt wie er war , warf er sich aufs Pferd , ließ die Lärmtrommeln tönen durch das Land , belagerte die Stadt und nahm sie ein . Der Herzog ließ sich von ihnen huldigen und die Reichsstadt war württembergisch.4 Aber jetzt erhob sich der Schwäbische Bund mit Macht , denn diese Stadt war ein Glied desselben gewesen . So schwer es auch sonst hielt , diese Fürsten , Grafen und Städte alle aufzubieten , so weilten sie doch hier nicht , sondern hielten zusammen , denn der Haß ist ein fester Kitt . Umsonst waren Ulerichs schriftliche Verteidigungen5 ; das Bundesheer sammelte sich bei Ulm und drohte mit einem Einfall . So war also in dem Jahr 1519 alles auf die Spitze gestellt . Konnte der Herzog das Feld behaupten , so behielt er recht und es war nicht zu zweifeln , daß er dann großen Anhang bekommen würde ; gelang es dem Bunde , den Herzog aus dem Felde zu schlagen , dann wehe ihm , wo so vieles zu rächen war , durfte er keine Schonung erwarten . Die Blicke Teutschlands hingen bange an dem Erfolg dieses Kampfes , sie suchten begierig durch den Vorhang des Schicksals zu dringen und zu erspähen , was die künftigen Tage bringen werden , ob Württemberg gesiegt , ob der Bund den Walplatz behauptet habe . Wir rollen diesen Vorhang auf , wir lassen Bild an Bild vorüberziehen , möge das Auge nicht zu frühe ermüdet sich davon abwenden . Oder sollte es ein zu kühnes Unternehmen sein , eine historische Sage der Vorzeit in unsern Tagen wieder zu erzählen ? Sollte es unbillig sein , zu wünschen , daß sich die Aufmerksamkeit des Lesers einige kurze Stunden nach den Höhen der Schwäbischen Alb und nach den lieblichen Tälern des Neckars wende ? Die Quellen des Susquehanna und die malerischen Höhen von Boston , die grünen Ufer des Tweed und die Gebirge des schottischen Hochlandes , Alt-Englands lustige Sitten und die romantische Armut der Galen , leben , Dank sei es dem glücklichen Pinsel jener berühmten Novellisten , auch bei uns in aller Munde . Begierig liest man in getreuen Übertragungen , die wie Pilze aus der Erde zu wachsen scheinen , was vor sechzig oder sechshundert Jahren in den Gefilden von Glasgow oder in den Wäldern von Wallis sich zugetragen . Ja , wir werden bald die Geschichte der drei Reiche so genau innehaben , als hätten wir sie nach den gelehrtesten Forschungen ergründet . Und doch ist es meist nur der große Unbekannte , der uns die Bücher seiner Chroniken erschloß und Bild an Bild in unendlicher Reihe vor dem staunenden Auge vorüberführte ; er ist es , der diesen Zauber bewirkte , daß wir in Schottlands Geschichte beinahe besser bewandert sind , als in der unserigen , und daß wir die religiösen und weltlichen Händel unserer Vorzeit bei weitem nicht so deutlich kennen , als die Presbyterianer und Episkopalen Albions . Und in was besteht der Zauber , womit jener unbekannte Magier unsere Blicke und unsere Herzen nach den » bergigten Heiden « seines Vaterlandes zog ? Vielleicht in der ungeheuern Masse dessen , was er erzählt , in der grauenvollen Anzahl von hundert Bänden , die er uns über den Kanal schickte ? Aber auch wir haben mit Gottes und der Leipziger Messen Hülfe Männer von achtzig , hundert und hundertundzwanzig ! Oder haben vielleicht die Berge von Schottland ein glänzenderes Grün , als der teutsche Harz , der Taunus und die Höhen des Schwarzwaldes ; ziehen die Wellen des