. » Unmöglich , « erwiederte Kleopatra , » wo soll ich die köstliche Perle hernehmen , wenn das Schmuckkästchen fehlt ? und überdies ist die Figur unumgänglich nothwendig zur Gruppirung des Ganzen . Es ist vorbei , « fuhr sie fort , indem sie sich in höchst unmuthiger Stellung auf ihrem Throne zurück warf ! » Eugenia macht heute Abend und morgen früh gewiß noch funfzig Visiten , um ihren Triumph zu sichern . Keine Dame wird an die Stelle treten , welche sie verschmähte , und alle Welt ist doch schon von der Darstellung unsrer morgenden Tableaus voll . Ottokar beschleunigt seine Zurückkunft von der Reise , um sie zu sehen , er trifft morgen ein , und nun ist alles zerstört ! Ich könnte vor Verdruß weinen , « setzte sie hinzu , das Gesicht in beide Hände verbergend . Aurelia benutzte diese Pause in der heftigen Rede ihrer Mutter , um Gabrielens Ankunft zu melden . » Laß die Kusine von Aarheim an Eugeniens Stelle treten , « rieth sie , indem sie das bange Kind hinter sich hervor zog und vor den Rahmen hinstellte . » Die Kleine ? « fragte die Gräfin , sich emporrichtend und Gabrielen von oben bis unten mit prüfendem Blicke betrachtend . » Nun , « fuhr sie fort , » stehen wird sie ja können ; nöthigen Falls stellen wir sie auf eine Erhöhung . Willkommen , liebes Kind ! « Mit diesen Worten zog sie Gabrielen zu sich in den Rahmen , küßte sie auf die Stirn , gab ihr ein goldnes Kästchen in die Hand , stellte sie in die gehörige Attitüde und schob sie an den von der Gräfin Eugenia verlaßnen Platz , indem sie selbst wieder ihren Thron einnahm . Alle andere , zur Gruppe gehörende Personen reihten sich im nämlichen Moment in gebührender Ordnung um sie her . » Es geht ! « rief hocherfreut die ganze Gesellschaft im Zimmer . » Aber , « setzte lachend Aurelia hinzu , » deliziös sieht es jetzt aus , das blasse Gesicht , die rothen Augen und das schwarze Kleid mitten in all der bunten Pracht und Herrlichkeit ; doch sey nur getrost , Gabriele , morgen soll es besser werden , Wind und Staub haben dir heut auf der Reise übel mitgespielt , das ist morgen vorüber und ich will dich schon kostümiren . « Die arme Gabriele , welche bei allen diesen Vorgängen noch kein Wort hatte aufbringen können , flüsterte jetzt , halb nur hörbar und in großer Beklommenheit , die Frage : was sie denn eigentlich morgen thun solle ? » Was du heute thust , « war die kurze Antwort , » hier einige Minuten stehen und das Kästchen halten . « » In dem tiefen Traueranzug ? « wandte Gabriele zur großen Belustigung der Uebrigen ein . Kaum konnte Aurelia vor Lachen dazu kommen , ihr zu bedeuten , daß sie morgen ohnehin auf einen Tag die Trauer ablegen müßte . Gabrieleblickte sehr ernst um sich her . » Wie ? « sprach sie , » die Trauer um meine Mutter ablegen , ehe die Zeit verflossen ist , während welcher die Sitte mir erlaubt , dieses Zeichen meines Schmerzes zu tragen ? Nein , gnädige Tante ! Das befehlen Sie mir nicht , « setzte sie mit fester Stimme hinzu , obgleich dabei zwei große Thränen , die schon lange in ihren dunkeln Augen geschimmert hatten , über ihre jetzt hochroth erglühenden Wangen herab rollten . » Nur zwei Monate sind es , seit meine Mutter begraben ward ; wie könnte ich ihr Andenken nur Eine Stunde verleugnen ! Ich kann es nicht , ich werde es nicht , ich will es nicht , « sprach sie höchst entschieden , und hob dabei , dennoch wie flehend , ihre kleinen zarten Händchen empor . Die Gräfin und Aurelia schwiegen eine Weile vor Erstaunen über Gabrielens plötzlichen Muth , ehe sie begonnen auf das arme Mädchen heftig einzustürmen . Gabriele mußte verstummen , ängstlich blickte sie , wie Beistand suchend , um sich her , und erschrak dennoch nicht wenig , als ihr dieser höchst unerwarteter Weise zu Theil ward . Aus dem dunkelsten Winkel des Zimmers , dicht neben dem Rahmen , erscholl mitten durch den Streit eine männliche Stimme : » Ich vereinige meine Bitte mit der des jungen Fräuleins ; mir dünkt wahrlich , sie hat nicht ganz Unrecht . « » Ottokar ! « rief Aurelia ; » willkommen , so viel früher als wir es erwarteten , « die Gräfin . Aller Zwiespalt ward augenblicklich beseitigt , und die ganze Gesellschaft drängte sich freudig um den unbemerkt Hereingetretenen her . Gabriele taumelte fast in freudiger Ueberraschung , sie schlug die Augen nicht auf , sie wagte keinen Blick auf ihren Fürsprecher , aber sie wußte dennoch , wer er sey . Jedermann beeiferte sich nun um die Wette , Eugeniens unverantwortliches Benehmen mit allen seinen entsetzlichen Folgen dem eben Angekommenen auf das weitläuftigste auseinanderzusetzen . Er hörte alle gelassen an und schlug dann an der Stelle der Dienerin einen Edelknaben vor , deren er am folgenden Tage wenigstens ein Dutzend zur Auswahl in aller Frühe zu stellen versprach . Dieser Ausweg war niemanden von der Gesellschaft eingefallen , und die Idee ward mit dem allgemeinsten Beifall ergriffen . Kleopatra verließ beruhigt ihren Königssitz , den ein herabrollender seidner Vorhang verhüllte , Römer und Aegypter begaben sich in die Nebenzimmer , um als moderne Herren und Damen wiederzukehren , die Lichter im Saal wurden angezündet , der Theetisch hereingebracht , und alles ordnete sich in friedlicher Eintracht um ihn her . Die Gesellschaft bestand größtentheils aus dem engen Ausschusse der Bekannten der Gräfin , aus sogenannten Hausfreunden , die sich an freien Abenden gewöhnlich bei ihr versammelten ; das Gespräch wogte rasch und lebendig , nur Gabriele blieb stumm . Niemand achtete sonderlich auf sie , denn ihr erstes auffallendes Erscheinen war über Ottokars unerwarteten Eintritt