wo der Weg weniger abhängig war , und verschlang mit den Augen die wunderlichen Bilder , die seine Aufmerksamkeit so sehr an sich gezogen hatten . Erst jetzt war es ihm möglich , noch einen und den andern besondern Umstand zu bemerken . Der junge , rüstige Mann hatte wirklich eine Polieraxt auf der Schulter und ein langes , schwankes eisernes Winkelmaß . Die Kinder trugen große Schilfbüschel , als wenn es Palmen wären ; und wenn sie von dieser Seite den Engeln glichen , so schleppten sie auch wieder kleine Körbchen mit Eßwaren und glichen dadurch den täglichen Boten , wie sie über das Gebirg hin und her zu gehen pflegen . Auch hatte die Mutter , als er sie näher betrachtete , unter dem blauen Mantel ein rötliches , zart gefärbtes Unterkleid , so daß unser Freund die Flucht nach Ägypten , die er so oft gemalt gesehen , mit Verwunderung hier vor seinen Augen wirklich finden mußte . Man begrüßte sich , und indem Wilhelm vor Erstaunen und Aufmerksamkeit nicht zu Wort kommen konnte , sagte der junge Mann : » Unsere Kinder haben in diesem Augenblicke schon Freundschaft gemacht . Wollt Ihr mit uns , um zu sehen , ob auch zwischen den Erwachsenen ein gutes Verhältnis entstehen könne ? « Wilhelm bedachte sich ein wenig und versetzte dann : » Der Anblick eures kleinen Familienzuges erregt Vertrauen und Neigung und , daß ich ' s nur gleich gestehe , ebensowohl Neugierde und ein lebhaftes Verlangen , euch näher kennen zu lernen . Denn im ersten Augenblicke möchte man bei sich die Frage aufwerfen , ob ihr wirkliche Wanderer oder ob ihr nur Geister seid , die sich ein Vergnügen daraus machen , dieses unwirtbare Gebirg durch angenehme Erscheinungen zu beleben . « » So kommt mit in unsere Wohnung « , sagte jener . » Kommt mit ! « riefen die Kinder , indem sie den Felix schon mit sich fortzogen . » Kommt mit ! « sagte die Frau , indem sie ihre liebenswürdige Freundlichkeit von dem Säugling ab auf den Fremdling wendete . Ohne sich zu bedenken , sagte Wilhelm : » Es tut mir leid , daß ich euch nicht sogleich folgen kann . Wenigstens diese Nacht noch muß ich oben auf dem Grenzhause zubringen . Mein Mantelsack , meine Papiere , alles liegt noch oben , ungepackt und unbesorgt . Damit ich aber Wunsch und Willen beweise , eurer freundlichen Einladung genugzutun , so gebe ich euch meinen Felix zum Pfande mit . Morgen bin ich bei euch . Wie weit ist ' s hin ? « » Vor Sonnenuntergang erreichen wir noch unsere Wohnung « , sagte der Zimmermann , » und von dem Grenzhause habt Ihr nur noch anderthalb Stunden . Euer Knabe vermehrt unsern Haushalt für diese Nacht ; morgen erwarten wir Euch . « Der Mann und das Tier setzten sich in Bewegung . Wilhelm sah seinen Felix mit Behagen in so guter Gesellschaft , er konnte ihn mit den lieben Engelein vergleichen , gegen die er kräftig abstach . Für seine Jahre war er nicht groß , aber stämmig , von breiter Brust und kräftigen Schultern ; in seiner Natur war ein eigenes Gemisch von Herrschen und Dienen ; er hatte schon einen Palmzweig und ein Körbchen ergriffen , womit er beides auszusprechen schien . Schon drohte der Zug abermals um eine Felswand zu verschwinden , als sich Wilhelm zusammennahm und nachrief : » Wie soll ich euch aber erfragen ? « » Fragt nur nach Sankt Joseph ! « erscholl es aus der Tiefe , und die ganze Erscheinung war hinter den blauen Schattenwänden verschwunden . Ein frommer , mehrstimmiger Gesang tönte verhallend aus der Ferne , und Wilhelm glaubte die Stimme seines Felix zu unterscheiden . Er stieg aufwärts und verspätete sich dadurch den Sonnenuntergang . Das himmlische Gestirn , das er mehr denn einmal verloren hatte , erleuchtete ihn wieder , als er höher trat , und noch war es Tag , als er an seiner Herberge anlangte . Nochmals erfreute er sich der großen Gebirgsansicht und zog sich sodann auf sein Zimmer zurück , wo er sogleich die Feder ergriff und einen Teil der Nacht mit Schreiben zubrachte . Wilhelm an Natalien Nun ist endlich die Höhe erreicht , die Höhe des Gebirgs , das eine mächtigere Trennung zwischen uns setzen wird als der ganze Landraum bisher . Für mein Gefühl ist man noch immer in der Nähe seiner Lieben , solange die Ströme von uns zu ihnen laufen . Heute kann ich mir noch einbilden , der Zweig , den ich in den Waldbach werfe , könnte füglich zu ihr hinabschwimmen , könnte in wenigen Tagen vor ihrem Garten landen ; und so sendet unser Geist seine Bilder , das Herz seine Gefühle bequemer abwärts . Aber drüben , fürchte ich , stellt sich eine Scheidewand der Einbildungskraft und der Empfindung entgegen . Doch ist das vielleicht nur eine voreilige Besorglichkeit : denn es wird wohl auch drüben nicht anders sein als hier . Was könnte mich von dir scheiden ! von dir , der ich auf ewig geeignet bin , wenngleich ein wundersames Geschick mich von dir trennt und mir den Himmel , dem ich so nahe stand , unerwartet zuschließt . Ich hatte Zeit , mich zu fassen , und doch hätte keine Zeit hingereicht , mir diese Fassung zu geben , hätte ich sie nicht aus deinem Munde gewonnen , von deinen Lippen in jenem entscheidenden Moment . Wie hätte ich mich losreißen können , wenn der dauerhafte Faden nicht gesponnen wäre , der uns für die Zeit und für die Ewigkeit verbinden soll . Doch ich darf ja von allem dem nicht reden . Deine zarten Gebote will ich nicht übertreten ; auf diesem Gipfel sei es das letztemal , daß ich das Wort Trennung vor dir ausspreche . Mein Leben soll eine Wanderschaft werden . Sonderbare Pflichten des Wanderers habe ich auszuüben und ganz eigene Prüfungen